Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- VI (1902)
- Issue
- 5 (Sepbember-Oktober 1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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131 BERNFELD, S., Die heilige Schrift, nach dem masoretischen Text neu übersetzt und erklärt, nebst einer Einleitung. Berlin, Calvary & Co., 1902. 886 S. 8°. [Eine Bibelübersetzung ist eine der schwierigsten und undankbarsten Arbeiten. Sie ist schwierig, denn es gilt hier einerseits das Produkt einer längst vergangenen Zeit und eines der europäischen Kultur fremden Volksstammes in eine moderne Sprache zu übertragen, und andrerseits um der Bedeutung des Inhalts willen die Treue gegen die kleinsten Einzelheiten zu wahren. Und sie ist undankbar, denn unter tausend Lesern kennt kaum einer die Schwere der vollführten Arbeit, unterzieht sich kaum einer der Mühe, den Gründen nachzuforschen, die den Uebersetzer im Einzelfalle zu dieser oder jener Uebersetzung veranlasst haben. Und selbst die berufenen Kritiker glauben ihre Pflicht erfüllt zu haben, wenn sie einige Proben herausgreifen, ihren Beifall zollen oder Ausstellungen machen und danach das ganze Werk empfehlen oder verwerfen. Unterwirft man Bernfelds Bibelübersetzung einer eingehenden Prüfung, so ist das Urteil dahin zusammenzufässenי) : Yf. hat durch Benutzung alter jüdischer Kommentatoren, die erst in jüngster Zeit zugänglich geworden, sowie der neueren Arbeiten Luzzatto’s und Ehrlich’s einer Reihe von guten Erklärungen Verbreitung verschafft und an vielen Stellen auch selbständig Annehmbares geboten. In der Einleitung hat er das für den modernen Bibelleser Wissenswerte zusammengestellt. Doch ist er in der Behandlung des Stoffes nicht konsequent geblieben. Er wollte— obwohl er selbst auf bibelkritischem Standpunkt steht — in einer für Haus und Schule bestimmten Bibel eine traditionsgetreue Darstellung geben. Doch entspricht beispielsweise das Bild, das er vom Wesen des Prophetismus entwirft, nicht den Lehren der positiven Religionen. In der Uebersetzung ist es ihm gelungen, den Text lesbar und verständlich zu gestalten. Doch hat darunter die Ursprünglichkeit und Frische der biblischen Poesie stark gelitten. Verstösse gegen Grammatik und Stylistik und zahlreiche Druckfehler, die die jetzige Ausgabe entstellen, könnten bei einer Neu- ־ auflage entfernt werden. Doch wir wiederholen: Um der Schwierigkeit und Undankbarkeit derartiger Arbeiten willen gebührt dem Yf. aufrichtiger Dank. 2>r. J. WohlgemiUh.] BLOCH, MOSES, Das mosaisch-talmudisehe Strafgerichtsverfahren (24. Jahresbericht der Landesrabbinerschule in Budapest.) Budapest 1901. 71 S. 8°. [Die vorliegende Arbeit ist eine Ergänzung einer 1882 erschienenen Arbeit des Vf.’s: Die Civilprozessordnung nach mosaisch-rabbinischem Rechte. Sie giebt in sechs ״Hauptstücken“ eine systematische und vollständige Uebersicht des mosaisch-talmudischen Strafgerichtsverfahrens. Es werden behandelt: 1) Strafen und Arten derselben 2) Yon den Behörden des Strafgerichtes 8) Der Strafprozess 4) Das Verfahren bei der Einvernahme der Zeugen 5) Verhandlung der Richter 6) Yerfahren bei Leibes- und Geldstrafen. Wie die ähnlichen Werke Blochs: die obenerwähnte Civilprocessordnung, das mosaisch-talmudisehe Erb- *) Die nähere Begründung und zahlreiche Belege haben wir in der Israelitischen Monatsschrift (Wissenschaftliche Beilage der ״Jüdischen Presse“) Jahrgang 1902 No. 2—6 gegeben.