Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- VI (1902)
- Issue
- 4 (Juli-August 1902)
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 126 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Weniger objectiy gehalten ist die Abhandlung von Paul Garnault: ״La tuberculose humaine et la tüberculose bovine pendant l'antiquite et le moyen äge“; mit besonderer Ueberschrift: ״Les Juifs bibl. et talmua. ont-ils connu la tuberculose bovine?“ (Extrait des Archives de Parasitologie Y n. 2, 1902. — Die Zeitschr. erscheint in Paris, redigiert von Raphael Blanchard, der Art. ist 251—93 paginiert). Die Annahme hygienischer Tendenzen in jüdischen Speisegesetzen ist für Hm. G. nicht bloss Ignoranz, sondern auch Impietät (p. 281) gegen Geschichte und Wissenschaft, und er wünscht ein Strafgesetz gegen die Fälscher geistiger Nahrung, wozu auch die Geschichte gehört. Fühlt er sich in seinen Behauptungen so sicher? Er macht die Juden in Pausch und Bogen für die angebliche Unter- Schiebung hygienischer Tendenzen verantwortlich, und doch citiert er S. Reinach’s Art. ״La ׳ portöe hygienique des prescriptions alimentaires“ im ״Univers Israölite“ 1901 n. 35, wo auf den, j'etzt Mode gewordenen Totemismus zurückgegangen wird, allerdings in einer von der biblischen ausdrücklich unterschiedenen Culturperiode; man vergleiche dazu den objectiven Artikel ״Israel and Totemism“ von Cook (Jew. Quart. Rev. XIY, 413). Nicht bloss den Theologen, der in der Bibel als Offenbarung nur vernünftige Tendenzen sucht und findet, träfe j’enes Strafgesetz nicht, ohne überhaupt .Predigt und Theologie abzuschaffen, und der Yf. meint sie auch nicht, obwohl sie factisch der Yerbreitung historischer Kritik mehr entgegenwirken, als falsche Hypothesen der Gelehrten: auch den unbefangenen Bibelforscher trifft die künftige lex Garnault nicht, der aus dem Geist der Bibel heraus Einzelnes erklärt, wie z. B. (nach einer Andeutung von Mich. Sachs) das Verbot des Genusses wilder Tiere als Verlockung zur Jagd, als Rückfall ins Jägerleben; Jagd und Jägertum sind Vertreter der Rohheit (״Esew mit dem Gejäg“ ist sprichwörtlich); kein hebräischer Held geht auf die Jagd, geschweige auf die Parforce-Jagd, wogegen die heutigen Tierschutzvereine lange nicht so energisch vorgehen wie gegen die angebliche Tierquälerei des Schächtens. Es versteht sich von selbst, dass hier der Unter- Schiebung moderner Begriffe unter alte Documente nicht das Wort geredet sein soll; aber die historische Hypothese gebe sich ebenfalls für nicht mehr aus, als sie wirklich ist. 14. Schnorrbriefe. So nannte man seit längerer Zeit Empfehlungen von reisenden Armen, Kranken, Vätern von heiratsfähigen Töchtern, auch von Gelehrten an einzelne Reiche oder Gemeinden; ein besonderer hebräischer Ausdruck dafür war nicht bekannt, er ist אגרת ארחית (Gastbrief oder Wegbrief); einen solchen von Kalonymos b. Kalo-