Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- II (1897)
- Issue
- 5 (September-Oktober 1897)
- Date
- 1897-09-01
- Page
- Seite 141 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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141 [Verf., Theologe von Fach, leitet sein Buch ein, indem er in wenigen Worten gegen die, von ihren Vertretern ״mit glaubensfreudiger Zuversieht als unwiderleglich erklärte“ Kritik protestiert. Er ist nicht der Ansicht, dass aus der Geschichte des israelitischen Kultus ein Beweis für die Richtigkeit der modernen Geschichtsauffassung sich ergebe. Vielmehr glaubt er — und wir meinen: mit Recht —־ man könne über den Gedankeninbalt einer Religion ganz andere Klarheit ,gewinnen, wenn man denselben vor Allem aus solchen Schriften zu erheben sucht, in welchen das religiös-sittliche Denken sich ohne die Bildersprache kultischer Handlungen ausspricht. Für den ״Israelitismus“ kamen die Psalmen und die Chokmaliteratur in Betracht. Diese Bücher sollten in gründlicher Weise für die Zeichnung des israelitischen Religionsbildes ausgebeutet werden. Zur Erfüllung dieser Aufgabe soll das vorliegende Buch beitragen. Mit Geschick verteidigt Verf die vorexilische Entstehungszeit des Buches der Sprüche gegen die zum Teil sehr schwachen Angriffe, die von seiten der Kritik auf sie unternommen wurden. In drei Hauptteilen behandelt dann Verf.: 1) den Gottesbegriff des Spruchbuches; 2) Begiiff und Bedeutung der Weisheit im Buche der Proverbien; 3) die Ethik des Spruchbuches. Die Dar- Stellung der religiös-sittlichen Weltanschauung, wie sie Verf. bietet, muss als meisterhaft bezeichnet werden. Besondere Beachtung verdient das Kapitel, welches ״des weisheitsgemässen Verhaltens Zweck und Lohn“ zum Gegenstände hat, und in welchem die Frage zur Untersuchung gelangt, inwieweit dem Vorwurf des Eudämonismus eine Berechtigung zugestanden werden muss (S. 223ff), nachdem bereits früher darauf aufmerksam gemacht wurde, ״dass die Spruchdichter nicht wissenschaftliche Ethiker sind, sondern dass sie Männer sind, die den praktischen Zweck der sittlichen Hebung ihres Volkes mit praktischen Mitteln zu erreichen bestrebt sind“ (S. 141). Auch in dem gen. Kapitel kommt Verf. zu dem Resultate, dass es ebenso oberflächlich als ungerecht sei, den Spruch dichtem den ״billigen, bis zum Ueberdruss wiederholten“ Vorwurf des Eudämonismus im landläufigen Sinne zu machen; man ״bequeme sich lieber zu einer Anerkennung der pädagogischen Weisheit, mit welcher sie ihre Jünger zur Ausübung einer reinen und hohen, alle Lebensgebiete umfassenden Sittlichkeit zu kräftigen suchten“ (S. 287). Auch für Sprachforschung und Exegese entsteht aus der vorliegenden Arbeit mancher Gewinn. Als mangelhaft müssen wir den ״Anhang“ (S. 258—264) bezeichnen, der einen ״Ueberblick über die weitere Entwicklnng der Vergeltungslehre durch die späteren Chakamim“ enthält; doch gestattet uns der Raum nicht, diesen Gegenstand hier mit der nötigen Ausführlichkeit zu behandeln. — Wir glauben die Arbeit besonders Lehrern und Predigern empfehlen zu können.] RUPPRECHT, E., Die Kritik nach ihrem Recht und Unrecht. Eine principielle Beleuchtung der kritischen Methode mit Illustrationen aus der deutschen Kritik und Dr. Drivers ״Einleitung“. Gütersloh, Bertelsmann, 1897• 63 S. M. 0.90. SALEM AN, CARL, Judaeo-Persica, nach St. Petersburger Hand- Schriften mitgeteilt. I. Chudäidät. Ein jüd-bucharisches Gedicht. St. Petersburg 1897. VIII u. 56 S. 4°. [Memoires de l’Acad&nie imperiale des Sciences de St-Petersbourg. VII. s6rie; tome XLH, no. 14.]