Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- II (1897)
- Issue
- 4 (Juli-August 1897)
- Date
- 1897-07-01
- Page
- Seite 114 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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114 gewagt zu erklären. Mancher Brauch ist bei der Behandlung zu kurz gekommen; so z. B. die Trauergebräuche. Ein sehr alter Brauch war es, beim Tode grosser Männer vor der Trauerrede ein Trauergedicht vorzutragen; vergl. Luzzatto, Diwan p. b. Aus der spanischen Schule hat sich eine grosse Anzahl solcher (jedichte erhalten. Für das hohe Altep dieser.Sitte spricht der Bericht des Achima‘az bei Neubauer, Med. Jew. Chronicles II p. 124 f.; dass sie sich lange erhalten hat, bezeugt Isak b. Schescheth, Resp. N. 60. Als ein Mangel, der bei dem leider nur spärlich vorhandenen Material kaum zu vermeiden war, muss der Umstand bezeichnet werden, dass die culturhistorischen Mitteilungen ohne Rücksicht auf Ort und Zeit zu einem G-anzen verarbeitet wurden. Dadurch wird das Bild oft etwas unklar. Aber nichtsdestoweniger muss die Arbeit A.’s als eine sehr wertvolle bezeichnet werden. Er hat jedenfalls das vorhandene Material gewissenhaft zusammengetragen, geschickt gruppiert und in einer sehr schönen, fesselnden Weise zur Darstellung gebracht. Das Werk Abrahams’ ist sehr gut geeignet, manch falsches Urteil, dass im Laufe der Zeiten über Juden und Judentum gefällt wurde und heute noch, leider nicht allein von Nichtjuden, als unantastbar angesehen wird, zu Nichte zu machen. Sind wir auch nicht geneigt, aus dem Verlaufe der Geschichte auf das zukünftige Verhalten der Juden in der Zerstreuung die Schlüsse zu ziehen, die der Verf. als notwendige Consequenz aufstellt, so würden wir uns doch freuen, wenn dem trefflichen Werke bald ein Uebersetzer in’s Deutsche sich fände. Zum Schlüsse bemerken wir noch, dass ״Jewish Life“ den ersten Band einer von Mr. Jos. Jacobs begründeten ״Jewish Library“ bildet. Mögen die weiteren Bände der ״Library“ dem vorliegenden Werke in Qualität nicht nachstehen!] ALBERTS, EL, Der Bibelforscher. Heft 2. Daniels Gesicht von den siebenzig Wochen. Neue Lösung eines alten Bibelräthsels. Bonn, Schergens, 1896. 42 S. M. 0,50. [Die Hefte des ״Bibelforschers“ sollen ״gemeinverständliche und doch gründliche Erweckungs- und Erbauungsschriften“ darstellen. Hier kann nur geurteilt werden, ob der Verf. wissenschaftl. Gründlichkeit für sich in Anspruch nehmen darf. Des erste Heft, dessen Erscheineu ZfHB. I S. 38 (Verlag von Riese-Steglitz) angezeigt ist, füllen unbegründete Hypothesen und Schlüsse. Als Haupt quelle für die Verteidigung der Glaubwürdigkeit des Buches Daniel in den Angaben über das baby- Ionische und das medopersische Reich dient Lenormant, die Magie und Wahrsagekunst der Chaldäer, Jena 1878. Die zahlreichen und wichtigen neueren Beiträge zur Geschichte jener Zeit und zur Erklärung Daniels werden fast völlig ignoriert. Selbständiger ist Heft 2, das eine ausführliche christologische Ausdeutung der Verse Dan. 9,24- 27 enthält. Weil damit vielleicht ein neues Hundert von Deutungen voll wird, sei wenigstens die Berechnung der 70 Siebende mitgeteilt: Die von Jeremias (25, 11. Dan. 9, 2) geweissagten 70 Jahre reichen vom Raub der Tempelgeräte im Jahre 606 bis zum Jahre 536, dagegen die ersten 7 Siebende vom Jahre 596 (Gesandtschaft Jer. 29, 10. Dan. 9, 25 a) bis 536. Also bedeutet ein Siebend nicht eine Jahrwoche, sondern einen Zeitraum von 6% 8 4/7 Jahr. Die nächsten 62 Siebende (62X84/7 531) führen bis zur Geburt Jesu im J. 5 v. (Dan. 9,25 b). Das letzte Siebend umfasst ausnahmsweise 71 J. von 5 v. bis zum Beginn des grossen Aufstandes 66 n. In die Mitte 30—31 n. fällt der