Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- I (1896/97)
- Issue
- 2 (März-April 1896)
- Date
- 1896-03-01
- Page
- Seite 50 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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50 II. ABTEILUNG. Christliche Hehraisten. Von Moritz Steinschneider. Das Verhältnis christlicher Gelehrten znr hebräischen Literatur ist in mancher Beziehung einer besonderen Betrachtung wert. Es ergiebt sich daraus unter Anderem der Standpunkt, von? welchem aus die christlichen Theologen -יwelche vorzugsweise das Studium des Hebräischen vertreten — und unter ihrer Leitung, oder Verleitung, die Christenheit überhaupt, Judentum und Judenheit beurteilten und behandelten, teilweise misshandelten, oder ihre Behandlung und Beurteilung zu׳ begründen, beziehungsweise zu rechtfertigen, meinten. Was ist nicht Alles über jüdischen Glauben, jüdisches Ritual und Ceremonienwesen, jüdischen Eid und Wucher aus den Studirstuben und von den Kathedern imd Kanzeln ausgegangen, was heute wie unbestreitbare Thatsache dreist behauptet Wird, mit oder ohne Berufung auf vermeintliche Autoritäten. Hat doch der löbliche Berlin®* Magistrat in der besten Absicht dem Cultusminister berichtet, die Herxheimersche Sittenlehre ״berühre sich mit Kant und Lessing näher als mit dem Talmud“, wobei man gelegentlich fragen möchte, wie es denn mit der Stellung christlicher Lehrbücher zu den Kirchenvätern beschaffen sei? Wer ist mm für die löbliche Schuldeputation die Autorität für die Sittenlehre ״des Talmud? — Ein Vorsitzender unserer Gerichte entscheidet: ״Über den Ritualmord der Juden sind die ״Gelehrten“ noch uneinig“ — allerdings, wenn Rohling und ein bestrafter Üeberläufer neben Delitzsch und Strack zu den Fachgelehrten gehören. — Ist es da nicht angemessen, die Autoritäten über jüdische Religion und Literatur näher kennen zu lernen, die sieh zu Richtern berufen fühlen, oder von Anderen als zuverlässige Führer betrachtet werden? Es ist hier nur eine Seite der beabsichtigten, rein objectiven Zusammenstellung angedeutet für Utilitarier, die übrigens einzelne betr. Characteristiken bei Meister Zunz (z. B. zur Gesell. S. 9 ff.) finden. Unsere Bibliographie wiU, wie jede solche, zunächst das Material ordnen, welches verschiedentlich verwendbar ist. •Ich trenne zuerst das Mittelalter unter A ab, weil es sich: kurz erledigen lässt. Die neueste Zeit seit Mendelssohn bietet bis zur Einwirkung jüdischer Gelehrten (etwa bis 1820—30) fast wenig analogen Stoff. Für die Abteilung B habe ich die biblischen Arbeiten vollständig ausgeschlossen, weil sie in christlichen Werken, Einleitungen, Encyklopädien u. s. w. gesammelt und geordnet sind. Ich beabsichtige also nur diejenigen christlichen Gelehrten vorzuführen, welche ihre Kenntnisnahme von der nachbiblischen hebr. Literatur durch directe Arbeiten, Uebersetzungen, Commentare, Glossare, Ausgaben bekundet haben.