Hebraeische Bibliographie
- Journal
- Hebraeische Bibliographie
- Volume
- Band VIII. 1865
- Issue
- No. 47 September-October
- Date
- 1865-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2249537-7176866-7176874--1221-2250718- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
111• Allgemeine Mteratur. AVE-LALLEMANT. Das deutsche Gaunerthum u. s. w. (III. u. letzter Artikel, vgl. oben S. 13). [894] [Wenn wir uns in die geschichtlichen und paläographischen Anschauungen und Hypothesen des Vf. nicht hineinfinden konnten, so finden wir in seinen sprachlichen Erörterungen und Ableitungen, welche zum grossen Th eil als Ausgangs- und Stützpunkte für jene dienen, nicht wenig Abenteuerliches, während das Einfachste übersehen worden; und wir müssen, bei aller Anerkennung des gutgemeinten Fleisses, das , allerdings scharfe Urtheil des,, uns unbekannten Ree. im Centralbl. 1863 n. 3 S. 68 unterschreiben : ״Hr. A. ist nicht nur kein Philolog, er ist nicht einmal ein ordentlicher Linguist.“ Wir sind aber nicht bloss der Meinung, dass die s. g. ״Gram־ matik“ in Bd. III und das angeblich j.-d. Wörterbuch in Bd. IV mit den zum Theil erst erfundenen barbarischen Abbreviaturen, nicht eigentlich in eine Geschichte und Charakteristik des deutschen Gaunerthums gehören; sondern wir behaupten, dass der Vf. in seinem ungeschnlten Eifer über sein eigenes Ziel hinausgegangen, und den Umfang des angeblichen J.-D. weit über die Grenzen hinausgedebnt hat, den ihm eine besonnene und erfahrungsmässige Anschauung zuweisen darf, also willkürlich Elemente hineinbringt, die demselben nie angehörten, um wieviel weniger mit dem Gaunerthum in Verbindung stehen. Aeussere Rücksichten zwingen uns, die folgende Beleuchtung und Begründung auf eine kleine Auswahl dessen zu beschränken, was die weitschichtigen, zu sehr emphatischen und auftragenden Darstellungen des vorl* Werkes darbieten. Es ist oben (S. 11) hervorgehoben worden, dass der Vf. das Judendeutsch der Zeit nach zu hoch hinaufrückt, hauptsächlich wegen des angeblichen Vorkommens in alten Gaunervocabeln und wegen des vermeintlichen Vocalismus. Er weiss aber auch anderseits keine richtige Grenze zu finden zwischen Judendeutsch u. Hebräisch, eingeschlossen das Neuhebräische mit seinen chaldäischen Elementen! Wahrscheinlieh haben die Juden schon frühzeitig einzelne Dinge in ihrer Umgangssprache hebräisch bezeichnet; es ist keine leichte Aufgabe, die Erweiterung geschichtlich zu verfolgen, welche der Ideenkreis dieser hebräischen Fremdwörter (so ist die Sache anzusehen) in dem Maasse genommen, als die Isolirung und der Verfall ihres Dialects zu einem Jargon sich steigerte. Es soll nicht geläugnet werden, dass die geschriebene Sprache, die Literatur, nicht ganz massgebend ist für die gesprochene, eben so wenig als der Zusammenhang beider bestritten werden kann (vgl. oben S. 15). Am allerwenigsten, $arf man aber mit'Hrn. A. das erste beste Wort in Gesenius’ Lexicon; zur Ableitung von Gauneridiotismen benutzen, ohne eine Ahnung zu haben von dem Kreise des Hebräischen, der bis auf die Gegenwart herunter wirklich in die Umgangssprache oder auch nur in die jüdisch-deutsche Literatur gedrungen ist. Sicherlich haben selbst jüdische Gauner ihr Vocabularinm nicht aus Wörterbüchern fabricirt, chaldäische und hebräische Wörter ausgesucht, deren Bedeutung mancher Hebraist erst aus den Lexicis erfährt. Wo bliebe hier die vom Vf. so sehr betonte ״ Volkstümlichkeit?“ Von diesem Gesichtspunkt aus, der Hrn. A. nicht ganz unbekannt ist (s. z. B. III, 148), verwandelt sich zunächst das j.-d. Element, welches der Vf in die alten Gaunervocabeln hineinträgt (III, 205, IV, 56.60) in eine linguistische Phantasie; z.B. bei Dithmar: Schottenfäller von!שטך unü י שטוח Nusser von chald. 3ךןך oder [also doch nicht sicher!] hebr. ינחר Vazenhauer durch va% Gefäss mit p-jg zusammenhängend, Tor [Thor!] von אטך verschliessen, gelähmt, linkisch, sein (III, 305)! Auf solche abenteuerliche Einfälle stützt er die Behauptung (IV, 55): ״Besonders lebhaft tritt «0gleich das Judendeutsch hervor.“ Ist es ihm wirklich so leicht geworden, dergleichen sprachliche Caprioien zu machen? Im Basler Rathsmandat kann das j.-d.(?) ״Krämerin“ nur(!) aus einem Lese- oder Schreibefehler für das richtigere Krönerin (קך־ין), also nur aus schriftlicher(!) Quelle entstanden sein,“ und so wird Krone (Hochzeit) eine Ableituug von Keren, Strahl, Horn (IV, 563). In gf'ralchty hinweg, erkennt der Verf. nicht bloss a/chen (הלך) sondern auch das ,!j.-d. Kejthar, gfar} Dorf,“ also: ins Dorf gegangen! Es wäre dann vielmehr geverhalcht. So