Hebraeische Bibliographie
- Journal
- Hebraeische Bibliographie
- Volume
- Band IV. 1861
- Issue
- No. 21 Mai-Juni
- Date
- 1861-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2249537-7176748-7176762--0523-2250040- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
69 legenheit durch ihre literarische Tradition zugeschrieben, ״mag man auch ihre Gelehrsamkeit noch so genug anschlagen.“ Diese 'Urtheile sind zu allgemein, sachlich ungenau, und inconsequent. Wir können aber die zu unterscheidenden Momente hier kaum andeuten. Dass Muhammed nicht selbst die jüdischen Elemente aus jüdischen (etwa arabisch geschriebenen) Quellen genommen, hat schon Cassel (Juden S. 168) hervorgehoben. Allein die wörtliche Uebereinstimmung von Stellen und Sprüchen in Koran, Sunne u. dgl. mit Bibel, Talmud und Midrasch ist eine grössere, als der Vf. anzunehmen scheint, und das Zutreffen einzelner Wörter und Wendungen ohne eigentliches Citat sicheres Kriterium historischer Abhängigkeit •). Dem Vf. entging aber die Bedeutung mündlicher und doch formulirter Tradition im Judenthum, das Lehen der Bibel, ihre Anwendung und Auslegung, ja noch ehe jene zu eigentliehen Schriften geworden; und. solche leibhafte Kenntniss und Gelehrsamkeit müssen wenigstens die jüdischen Vermittler Muhammed’s besessen haben, wie auch die heutige biblische Philologie über ihren kritischen Werth urtheilen mag. Die Frage, ob Muhammed ein עם הארץ Cl5^0 war 8), hat in der That mehr eine dogmatische Bedeutung. *) — Die Rücksicht auf Muhammed’s Verhältnis zu den Juden begegnet uns in dem Hauptabschn. des Werkes, welcher Abfassungs-Zeit und Ort der einzelnen Suren behandelt, fast auf jeder Seite (52-174), wir heben beispielsweise hervor, dass auch Muslimin die jüdischen Gesetze halten wollten (S. 134,vgl. 130-1); interessant ist die! Bemerkung (S. 116), dass der Ausdruck Ahl al-Kitab erst in medinensischen Suren vorkomme. — Unter Kennern bedarf das Werk keiner Empfehlung, sie werden freilich einen Specialindex vermissen; in weiteren Kreisen ist der Gebrauch dadurch erschwert, dass der Vf. zu wenig auf des Arabischen Unkundige durch Uebersetz. der vielen arab. Stellen Rücksicht genommen. — Wir schliessen mit einigen zusammenhangslosen Bemerkungen. (S. 17) ist wörtlich und sachlich מאחור* הפרגוד (s״ *u Maim. 1. c. S. 21); die rationalistische Ansicht vom Schauen des Herzens — schon bei Tirmidsi [st. 892] — weist Rapoport (Chananel A. 14) bei jüdischen Autoren des 11. Jahrh. u. ff. nach. Vf. sieht im Koran nicht logische Beweisführungen für die Vernunft (S. 57), während £. Duran (24 קו״מa) gerade die argumentative Form des Koran urgirt. Im Bismillah (S. 88), welches die Juden später nachahmten (Litbl. IV, 569), ist nicht bloss שם (Jnd. Lit. § 5 A. 98), sondern auch רחמנא (S. 92,359 Verbess.) jüdisch, s. zu Maim. 1. c. S.31 (vgl. Fürst, Lehrgeb. S.50, Sabbatbl. 1846 S.79). Sinnreich und befriedigend ist die Erklärung der, später zu kabbalistischem Unfug benutzten Anfangsbuchst, als Zeichen der Besitzer (S. 215). Die 70 Heuchler (S. 219, 220) sind eine kanonische Zahl (vgl. d. m. Zeitschr. IV, 153, VI,91). Auch die äussere Geschichte des Koran bietet allerlei noch auszubeutende Analogien, z. B. die Ansicht von der Göttlichkeit der Varianten (S. 238, vgl. S. 241), auch die 7 Lesarten (S. 37 u. s. w., 336) haben ihre Analogie in den 70 Auslegungsarten und Sprachen (a. a. 0. IV, 158 [vgl. Ersch. S.II Bd. 31 S.55 u. A.80] S. 154, vgl. S. 147, wo zu lesen: und Moses die Thora u. s. w., vgl. auch das A. 4. ניתן בע' אותיות)> die Masora (S. 279), I2Ä.Ü( (UjUtf") S. 305, 333 (,wie auch Chajjug’s הניקוד yD arab. heisst), über Ursprung derVocalzeichen (S.309), חטוף (S.335), die Ausschliessung des Taalik (S. 349), Pausalzeichen (S. 353, vgl. Rapoportj ערך מלץ p. 110), die Vorsorge gegen sinnentstellende Zusammenziehung (5 שלא לערב את האותיותer• Berachot c. 6, Ber. Rabba c. 15 Ende). Ueber hebr. Koranhandschr. (S. 359) s. HB. IH S. 113 N. 1116.] •) Als Beispiel vgl. Sure 31, 9 (S. 350 Ulmann) mit Psalm 104,5; in Sure II, 45, 111, 166, 182, 203, 210, 256, 161, 188 u. s. w. erkennt der Bibelkundige lebhafte Reminiscenzen. Eine ausführliche Zusammenstellung anderswo; vgl. auch d. m. Ztschr. 1. c. י) Zu Maim. 1. c. S.33. Parallelen bieten auch Evangl. Joh. 7, 15 (vgl. Matth. 13, 54,. Marc. 6, 3), wogegen Isak Troki (II, 46) auf den Lehrer Jesus’ hinweist. Auch Muhammed wurde zuerst nur von niedrigen Leuten anerkannt (S. 75). — Zur ״Brustöffnung“ (S. 75) vgl. zu Maim. S. 24, wo Hos. 13, 8 hinzuzufügen.