Hebraeische Bibliographie
- Journal
- Hebraeische Bibliographie
- Volume
- Band IV. 1861
- Issue
- No. 20 März-April
- Date
- 1861-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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26 schaft gelangte er niemals« — Anders Judenlhum und Christenthum« Der Koran selbst nennt deren Bekenner ״die Männer des Buches;tf das Buch, die Bibel, war ihre Waffe und ihre Fahne, und namentlich das Judenthum ist seiner Mission nie untreu geworden. In immer frischer geistiger Thatigkeit wusste es an das überkommene heilige Buch, das sich ihm nie entfremdete, neue Erzeugnisse emsigen Forscherfleisses von verschiedenem Werthe zu schlingen, in der ewigen Jugend des Geistes besteht seine Kraft, in den Thatsachen dieses Geistes, seiner Literatur, seine Geschichte und zugleich der Fruchlkeim für die Blüthe der Zukunft. Dem geistlichen Stande als solchem Hess man, soweit man überhaupt einen solchen im Judenlhum anerkannte, seinen Einfluss; den eigentlichen Adel jedoch bildeten die Gelehrten. Alle Völker und Religionen haben, wenn sie auch mächtige Staaten und zahlreiche Kirchengesellschaften bilden, in ihrer Literatur die sicherste Bürgschaft ihrer Dauer und ihres nachhaltigen, auch nach Aussen hin wirksamen Einflusses, weil sich in ihr der Quellpunkt ihres ursprünglichen Lebens offenbart, weil sie Zeugniss giebt von der schöpferischen Kraft ihres Geistes. Das Jud,pnthum, das weder einen Staat noch eine mächtige Kirche hat, aber hohes Alter, unverwüstliche Selbständigkeit bei weitester Ausbreitung und reiches Schriftthum, muss diesen einzigen י aber vollgültigen Zeugen um so höher ehren. Achtung für die Literatur heisst aber nicht: jedes alte Buch als heilig, seinen Inhalt als verbindlich' erklären, wobei man dann Schriften, die aus dem gewöhnlichen Geleise herausgehen , wenn auch nicht mit Omar verbrennt, doch verdammt, wie dies in trüben Zeiten geschieht. Und ebensowenig ist darunter zu verstehen das einseitige Aufsuchen solcher Werke der Vorzeit, die den Anforderungen der Gegenwart mehr entsprechen, mit geringschätziger Verwerfung alles dessen, was als überlebt erscheint. . Achtung für die Literatur ist. die freudige Anerkennung, dass der Geist zu allen Zeiten nicht gerastet, wenn auch eine jede Zeit ihm ihr eigentümliches Gepräge aufgedrückt, die Theilnahme, mit der das geistige Leben auf allen seinen Entwickelungsstufen verfolgt , während der weiteren Entwickelung vollster Raum gegönnt wird. Völker uud Religionen, die ihren Schwerpunkt in der Entfaltung ihres Geistes, in ihrer literarischen Bewegung haben, bieten sicherere Bürgschaften für ihre Zukunft als andere, die in der einheitlich straffen Macht gefestigt sind. So entbehren das deutsche Volk und die evangelische Kirche eines solchen einigenden Mittelpunktes; aber in ihrer eigenthümlichen geistigen Arbeit ruht ihre Einheit und ihre Kraft, die ohne sichtbar zusammenhaltende Zügel mächtiger ist als die Wucht des geschlossenen Körpers. Seitdem das Judenthum wieder in innige Wechselwirkung getreten ist zu den gebildeten Völkern v seitdem die Juden selbst sich nicht mehr als Fremdlinge im Vaterlande betrachten, vielmehr als volle eibgelebte Bürger des Staates, und die erleuchtete Gesinnung der Völker sich dieser Auffassung zuneigt, ist das יי Bestreben immer nachdrücklicher aufgetreten, ihnen alle Rechte zu verschaffen, deren sich die anderen Bürger des Staates erfreuen. Dieser Kampf, — denn ein solcher ist es noch vielfach, —׳ ist ein berechtigter und muss siegreich durchgeführt werden. Die Zuversicht zum Siege findet jedoch ihre volle Gewähr erst in dem Vertrauen zum selbsteigenen