... Jahresbericht der Jüdischen Frauenvereinigung e.V. zu Frankfurt a.M.
- Journal
- ... Jahresbericht der Jüdischen Frauenvereinigung e.V. zu Frankfurt a.M.
- Volume
- 14.1921 (1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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— 4 — Bei der Geschirrverteilung zu Peßach konnte trotz hoher Preise an 63 Bedürftige das Allernotwendigste verabfolgt werden. Die Stellenvermittlung (unentgeltlich) ist durch die Ungunst der Zeit zurückgegangen, da Mangel an Dienstboten wie allerwärts auch hier bedauerlicherweise herrscht. In der Hermann Lehmann-(Talmud-Thora)-Schule in Offenbach wurde der Unterricht wie früher an 4 Nachmittagen in der Woche von zwei Lehrern erteilt. Die Frequenz war wie alljährlich im Sommer geringer, im Winter hat sie sich wieder gehoben. Der von uns 1914 gegründete „Hort für jüdische Mädchen" bietet seinen Zöglingen in der schulfreien Zeit eine angenehme Stätte, in der Heiterkeit und Frohsinn herrscht. Die Kinder werden in anregender Weise beschäftigt und für einen kräftigen Imbiß wird gesorgt. Wie sehr sich der Hort in aufblühender Weise entwickelt, ist daraus zu ersehen, daß er, nachdem er mit 40 Kindern gegründet wurde, nun von über 100 Kindern besucht wird. Der Nachhilfeunterricht für solche Kinder, die ihr Schulziel nicht selbständig erreichen können, bedarf noch einer Anzahl Helferinnen. Indem wir den Damen, die sich auf diesem Gebiete betätigt haben, herzlich danken, appellieren wir an die unserer Vereinigung angehörenden jungen Mädchen und Frauen, diesem so schön begonnenen Hilfswerk ihre weiteren segensreichen Dienste zur Verfügung zu stellen. Eine Neugründung ist unsere Blumenablösung, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Wir möchten wünschen, daß sie bei festlichen und freudigen Anlässen von immer weiteren Kreisen benutzt wird. Die Arbeit unserer Erholungsfürsorge für Kinder war von besonderem Erfolg gekrönt. Wir konnten 19 Kinder nach Davos, 50 Kinder in ein Erholungsheim am Vierwaldstättersee und 85 Kinder aufs Land bringen. Mit großer Freude konnten wir die glänzende Wirkung der Luftveränderung und der vorzüglichen Ernährung bei sämtlichen Ferienkindern konstatieren. Bis zu 10 Pfund haben manche zugcnvmmen und alle sprechen mit Liebe und Verehrung von ihren Gastgebern, aber auch alle Pflegecltern waren voll des Lobes über das Betragen der kleinen Frankfurter Gäste. Deni Israelitischen Hilfsfonds in der Schweiz, dem Hilfsvercin für jüdische Lungenkranke in der Schweiz, sowie de» hochherzigen Pflcgeeltern in den Landorten gehört unser heißer Dank, auch Herrn Geheimen Medizinalrat Prof. Dr. E. Abderhalden in Halle für sein liebenswürdiges Entgegenkommen und' seine wertvolle Vermittelung bei de» Schweizer Transporten. Wir hoffen zuversichtlich, daß auch im kommenden Sommer alle diese menschenfreundlichen Bestrebungen wieder mit gleicher Bereitschaft einsetzen und unser Hilfswerk unterstützen werden. Auf geistigem Gebiete setzten wir unsere Bemühungen fort. Herr Dr. Josef Breuer verstand es, in einer Reihenfolge überaus wertvoller Darlegungen „Über den häuslichen Pflichtenkreis der jüdischen Frau" ein zahlreiches und aufnahmefähiges Publikum aufs mächtigste zu be-