Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Die amerikanische Judennote vom Jahre 1902.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die amerikanische Indennote vom Jahre 1902. Von W. Giese. Am 18. Oktober 1902 wurden die europäischen Zeitungsleser durch die telegraphische Meldung überrascht, daß die Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika sich an. die Großmächte mit einer Note zu Gunsten der angeblich mißhandelten rumänischen Juden gewendet hätte. Diese Thatsache und die öffentlichen Erörterungen, die sich daran anknüpften, stnd so wichtig, eröffnen so mannigfaltige und lehrreiche Ausblicke, daß es gerechtfertigt ist, ihr einige Seiten des Jahrbuches zu widmen.*) Vorgeschichte. Im antisemitischen Jahrbuch für 1901, Seite 69, hat Paul Dehn geschildert, wie sich im April 1900 unter den rumänischen Juden eine Auswanderungsbewegung bemerkbar machte, die mit angeblicher Unterdrückung durch die Regierung und Bevölkerung motiviert wurde, von der sich aber Nachweisen läßt, daß sie durch Sendlinge der Alliance israelite universelle in Fluß gebracht worden ist (Dehn a. a. O., S. 74). Dehn zeigt weiter, daß die Juden in Rumänien durchaus nicht anders behandelt würden, als sie es nach ihrer niedrigen Kulturstufe und Gemeingefährlichkeit verdienten, und daß deshalb die Auswanderer überall, besonders auch in Nordamerika und durch die englische Regierung in Cypern zurückgewiesen worden wären. Rumänien mußte seine auswanderungslustigen Juden zurücknehmen und zum Teil erhebliche Aufwendungen für ihre Rückbeförderung machen. Wie im Jahre 1878 auf Veranlassung des Juden Disraeli, der damals als Lord Beakonsfield englischer Premierminister war, Rumänien gezwungen wurde, in seiner Verfassung die „Gleichberechtigung aller Konfessionen" anzuerkennen, kann gleichfalls bei Dehn nachgelesen werden. Da es sich dann herausstellte, daß es praktisch ganz unmöglich war, die unter dieser Formel geforderte Emanzipierung durchzuführen, so duldeten es die Mächte stillschweigend und notgedrungen, daß die Juden auch fernerhin das rumänische Staatsbürgerrecht nicht erhielten und nach wie vor als Fremde diejenige Sonderbehandlung erfuhren, ohne die mit ihnen nun einmal nicht fertig zu werden war. Diese weise Zurückhaltung wurde vornehmlich auf Betreiben Kaiser Wilhelm I. von den Vertragsmächten geübt (Dehn a.a.O. S. 63). Die staatsrechtliche Stellung der Juden war von da an also die, daß sie in Rumänien zumeist als Angehörige irgend einer europäischen Großmacht, meistenteils Oesterreich-Ungarns lebten und geduldet wurden. Neue Auswanderungsbewegung. Im Frühjahr 1902 erhob sich in den Blättern, die ihr weißes Papier der Allianee Israelite zur Verfügung stellen, *) Der obige Aufsatz wurde am 26. November vorigeu Jahres abgeschlossen. Jetzt läuft er mir beim Lesen der Korrektur (26. März 1903) noch einmal durch die Finger. Wie ich erwartete, ist der Zwischenfall der Hayschen Note mit der schroffen Zurückweisung durch die offiziöse und unabhängige europäische Presse mit dem Rückzug der amerikanischen Diplomatie abgeschlossen gewesen. Was aber von wichtigeren Nachrichten zur Sache inzwischen noch bekannt geworden ist, werde ich als „Anmerkungen bei der Korrektur" hinzufügen, die durch durchlaufende Nummern kenntlich gemacht sind.