Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1903
- Issue
- Die Juden in Deutschland (IV.)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
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116 seinen Gläubigern einen Vergleich angeboten und dabei behauptet, daß nur 5 v. H. in der Masse lägen; denn er habe nur 700 Mk. Aktiva, denen 14000 Mk. Schulden gegenüberständen. Dem Konkursverwalter Böhme gegenüber that der Angeklagte eine höchst unvorsichtige Aeußerung, er erklärte nämlich, daß es ihm hauptsächlich darum zu thun gewesen sei, vom Gericht einen Bescheid zu erhalten, daß das Konkursverfahren mangels Masse nicht eröffnet werden könne, er habe dann leichter Aussicht, daß er einen Vergleich mit seinen Gläubigern erzielen-könne. Thatsächlich konnte es auch nicht zur Eröffnung des Konkursverfahrens kommen. Die noch vorhandenen Waren erstand der Bruder des Angeklagten, der Kaufmann Louis Feige, bei der Versteigerung für 230 Mk. Er stellte die Waren dem Angeklagten zur Versügung, der nun als Geschäftsführer auftrat und auf seines Bruders Namen neue Kredite entnahm. Louis Feige, dem in strafrechtlicher Beziehung nichts anzuhaben war, hat dann das Geschäft bald wieder verkauft. Die Bücher des Angeklagten waren nach dem Gutachten des Bücherrevisors Reuter so unordentlich geführt, daß es den Anschein hatte, als fei es darauf abgesehen, eine Ueberstcht zu verhindern. Kurz vor dem Anträge des Angeklagten auf Konkurseröffnung hatte derselbe für ungefähr 1500 Mk. Waren verpfändet und die Pfandscheine wiederum einem anderen Gläubiger gegeben. Staatsanwalt Braut wies bei seinem Plaidoyer darauf hin, daß die verschiedenen Phasen, denen das Feigesche Geschäft unterworfen war, einem Mutoskop gleichen. Nach kurzem Dunkel erhelle sich die Platte wieder und dann erscheine auf der Bildfläche jedesmal eine andere Figur, bald die Ehefrau, bald die Schwägerin und bald der Bruder. Er beantragte 2 Jahre Gefängnis, der Gerichtshof erkannte leider nur auf 4 Monate. („Staatsb.-Ztg.", 12. April 1902.) Die großartigsten Pleiten der letzten Jahre, die die ungeteilte Bewunderung von Juda und Israel erregten, waren die des Kaufmanns Isidor Behrendt zu Berlin und des Bankhauses A. Callmann zu Weimar. Bei Behrendt, der im Jahre 1899 fallierte, beliefen sich die angemeldeten Forderungen aus 4153 000 Mk., die Aktiva wurden auf 355 442 Mk. geschätzt, sodaß vielleicht 5—10 v. H. der Forderungen gedeckt werden konnten. Selbst der „Konfektionär" bemerkt dazu: „Je länger man sich mit dieser Sache befaßt, um so schmutziger wird sie. Der Name „Isidor Behrendt" ist ein Makel für das ganze Berliner Handelsgewerbe". Herr Isidor selbst soll von dem graußen Glück sehr erschüttert gewesen sein: er befand sich mit Genehmigung des Gerichts, auf Grund eines ärztlichen Ältestes, im Sanatorium „Weißer Hirsch" bei Dresden und hat sich von dort „entfernt", ohne daß bisher sein jetziger Aufenthalt bekannt geworden ist. Auch seine Verwandten haben natürlich keine Ahnung, wo der arme „Geisteskranke" sich befindet, man vermutet, daß er sich nach Brasilien gewandt hat. („Staatsb.-Ztg.", 12. November und 8. Dezember 1899.) Noch größer war die Pleite, die ein Jahr später das Bankhaus A. Callmann zu Weimar (Inhaber: Georg und Olto Callmann) machte. Die Unterbilanz betrug 6 400 000 Mk. Die beiden Inhaber wurden flüchtig und ertränkten sich im Kochelsee (Oberbayern.) Die „Weim. Neuesten Nachrichten" halten sogar die Stirn, die Callmanns folgendermaßen zu entschuldigen: „Im allgemeinen erzählt man sich, daß die durch Selbstmord Geendeten fleißige, in ihrem Privatleben mäßige Leute waren, welche die Leichtigkeit, Geld zu erhalten, verbunden mit der Sucht, schnell Geld, viel Geld zu verdienen, zum Konkurs und Selbstmord getrieben hat." Natürlich! Die Callmanns gehörten ja auch zu den ehrbaren, anständigen Juden, wenn schon ein Bruder von ihnen <i. F. Callmann & Co.) im Jahre 1888 wegen Konkursvergehen zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. (Deutsch-soz. Bl.", 31. Mai 1900.)