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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1903-01-01 · Ein Musterprozeß vom Ende des 19. Jahrhunderts. · p. Seite 25

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1903
Issue
Ein Musterprozeß vom Ende des 19. Jahrhunderts.
Date
1903-01-01
Page
Seite 25 (sequence 25)
Language
German
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25 einzelnen Falle alle diese beunruhigenden Krankheits-Symptome so grell hervorgetreten sind wie hier, so sind doch ähnliche Anzeichen der Korruption, wie wir sie hier gehäuft finden, schon in sehr vielen andern Prozessen zu Tage getreten. Wir haben es leider durchaus nicht mit einer vereinzelten Erscheinung zu Lhun. Ich will in dieser Beziehung nur drei Punkte hervorheben: Bandwurmprozesse, die sich jahrelang hinziehen, oder endlose Untersuchungen, die schließlich im Sande verlaufen, häufen sich mehr und mehr, und zwar ausschließlich in solchen Fällen, wo jüdische Verbrecher in Betracht kommen. Man denke an die Panama- und Dreyfuß-Affäre, man denke an die Prozesse über den Polnaer Mord, man denke an die Folgeerscheinungen des Konitzer Mordes. In Frankreich, Oesterreich, in Deutschland, es wird überall das gleiche Spiel getrieben und da, wo ein allgemein-jüdisches Interesse vorliegt, tritt neben der Unverfrorenheit des Einzelnen ganz unbefangen die jüdische Gemeinbürgschaft auf den Kampfplatz. Die Art aber, wie vor Gericht der Kampf geführt wird, ist überall die im Prozeß Sternberg zu Tage getretene rücksichtslose Beeinflussung von Zeugen und andern beteiligten Faktoren unter Aufwendung kolossaler Geldmittel. Das ist im Dreyfuß- Prozetz und in den Hülsner-Prozessen nachgewiesen worden und das tritt nun auch schon in der Reihe der Konitzer Prozesse hervor. Daß der Jude auch vor der direkten Bestechung von Beamten nicht zurückscheut, wenn sein Interesse es erfordert, beweist schon allein die Statistik: Wegen Bestechung von Beamten werden Juden verhältnismäßig fast dreimal so häufig als Deutsche bestraft (s. Giese, Juden und Kriminal-Statistik, S. 103). An einzelnen Aufsehen erregenden Beispielen hat es leider nie gefehlt; in unsrem Jahrbuch ist bereits über den Fall des Kommerzienrats Becker, der sich seiner Bestechungen noch obenein rühmte, über den Hamburger Fahrkartenschwindel-Prozeß und über den Fall der Firmen Friedländer und Wollheim berichtet worden. (S. Jahrb. f. 1900, S. 61, 62). — Im Tausch-Prozeß kamen zwei Fälle zur Sprache, in denen der Kriminal-Kommissar Tausch die Journalisten Schweinburg und Lewysohn mit Erfolg um Unterstützung angegangen hatte. Diese Beispiele, die sich leicht vermehren ließen, zeigen, wie die Juden durch ihr Geld Einfluß auf die Beamtenkreise zu gewinnen suchen, und mit welchem Erfolge sie dabei operieren. Endlich aber wirft der Fall Sternberg auch ein grelles Licht auf den Wohlthätigkeitssport, der in hohen Kreisen betrieben wird. Es ist ja bekannt, daß Auszeichnungen und Titel vielfach durch Spenden für wohlthätige Zwecke erkauft werden. Nun hat der Zeuge Arndt am 1. Dezember ausgesagt, daß Sternberg oder seine Freunde für den Fall seiner Begnadigung 300 000—500 000 Mark zu wohlthätigen Zwecken angeboten hätten. Sternberg ist bereits zweimal begnadigt worden, es ist also anzunehmen, daß er und seine Agenten in dieser Beziehung bereits Erfahrung haben. Der Bankier Fritz Behrens, der ihren Vermittler spielen sollte, war auch auf dem Wege des Wohlthätigkeitssports mit den hohen Kreisen in Berührung gekommen. Man sieht, daß sich auf diesem Wege Elemente, die unbedingt von den maßgebenden Kreisen ferngehalten werden müßten, heranzudrängen verstehen, und was soeben darüber berichtet wurde, sowie zahlreiche andre Wahrnehmungen erwecken den Eindruck, daß diese zweifelhaften Elemente, die sich um den Hof schaaren, ihre Beziehungen zum Betriebe eines modernen Ablaßhandels ausnutzen, der leicht für Reich und Monarchie ähnlich verhängnisvolle Folgen haben könnte, wie Tetzels Ablaßkram einst für die katholische Kirche. Es muß verlangt werden, daß man an maßgebender Stelle die Zeichen der Zeit endlich begreifen lernt.

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