Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Journal
- Antisemitisches Jahrbuch für ...
- Volume
- 1901
- Issue
- Diplomatie und Hochfinanz in der rumänischen Judenfrage.
- Date
- 1901-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Diplomatie «nb Hochsinanx in der rumänischen Indenfrage. Von Paul Dehn. In den östlichen Staaten Europas nimmt das Judentum eine abgesondertere Stellung ein als in den westlichen Staaten, weil es im Osten unverhältnismäßig zahlreicher auftritt und in einzelnen Gegenden so dicht zusammenwohnt, daß es zuweilen mehr als die Hälfte der Ortsbevölkerung ausmacht, ferner weil es sich nicht nur in der Religion, sondern auch in seiner ganzen Lebensführung, in Tracht und Brauch, ja selbst in der Sprache von der einheimischen Bevölkerung unterscheidet. So erklärt es sich, daß man in Rußland, aber auch in Rumänien, niemals aufgehört hat, die Juden als eine fremde Nation zu behandeln und sie unter das Fremdenrecht zu stellen. Nur in Ungarn und Galizien ist man davon abgewichen, was man leider viel zu spät als Fehler erkannt hat. Heute würde, wäre sie etwa noch durchzuführen, die Emanzipation der Juden sowohl von der österreichischen wie von der ungarischen Volksvertretung abgelehnt werden. Die Zahl der rumänischen Juden wird sehr verschieden angegeben. Nach der Volkszählung von 1899 wohnten in Rumänien rund 270 000 Juden, davon in der Moldau allein 196 000. Indessen dürften sich viele Juden der Zählung entzogen haben. Manche schätzen die Gesamtzahl der Juden in Rumänien wohl zu hoch, auf 700 000 Seelen, hauptsächlich im Hinblick auf die starke Zuwanderung südrussischer Juden. Erst in neuerer Zeit war man bemüht, die jüdische Einwanderung fern zu halten, aber die rumänischen Unterbeamten sollen der Bestechung zugänglich gewesen sein und jüdische Einwanderer unbefugt ins Land gelassen haben. Auch gegen einzelne Präfekten werden solche Vorwürfe erhoben. Diese Einwanderer entziehen sich jeder Kontrolle und selbstverständlich auch der Zählung. In manchen Gegenden der Moldau ist die jüdische Bevölkerung außerordentlich dicht. Jassy zählt unter 83 000 Einwohnern nahezu 40 000 Juden. In den Bezirken Botoschomi, Neamtz, Roman usw. ist nahezu die Hälfte der Bevölkerung jüdisch. Dort sind die Juden genötigt, auch Handwerksarbeit zu thun. Zur Kennzeichnung der rumänischen Juden. Unter der bodenlos lüderlichen Wirtschaft der früheren Regierungen bis zum Fürsten Cusa hatten die Juden ihre Praktiken nach allen Richtungen hin ungehindert ausüben können, namentlich auch durch Bestechung des Beamtentums. Bedeutsame Beiträge zur Entwickelung der Judenfrage in Rumänien finden sich in dem auch sonst an geschichtlichen Beweisstücken reichen Werk „Aus dem Leben König Karls von Rumänien" (Stuttgart 1900, vier starke Bände, bei I. G. Cotta), herausgegeben unter Benutzung des königlichen Archivs mit Genehmigung des Königs von einem seiner Vertrauten. Dieses inhaltvolle Quellenwerk ist für die politische und