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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Thätigkeit der Deutschsozial-reformerischen Abgeordneten in den Volksvertretungen während der Session 1898 - 99. · p. Seite 112

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Thätigkeit der Deutschsozial-reformerischen Abgeordneten in den Volksvertretungen während der Session 1898 - 99.
Date
1900-01-01
Page
Seite 112 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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112 1. Vertretung deutschvölkischer Forderungen. Trotz der nicht unbeträchtlichen Militärlasten, die das deutsche Volk bereits zu tragen hat, haben unsere Reichstagsabgeordneten es doch sür ihre unabweisbare Pflicht gehalten, der Regierungsvorlage auf Verstärkung des Heeres zuzustimmen. Sie haben sich dabei von den: Gesichtspunkte leiten lassen, daß das deutsche Reich, falls es eine Weltmacht sein und bleiben will, selbst größere Opfer nicht scheuen darf, um stets und ständig gegen alle Angriffe auf das stärkste gerüstet zu sein. Denn wenn sich schon immer von neuem dem Einsichtigen Gelegenheit dazu bietet, die eifersüchtige Abneigung andrer Großmächte gegen uns auf das deutlichste zu erkennen, so muß noch besonders ins Gewicht fallen, daß die Beschaffenheit unserer lang ausgedehnten Grenzen in der Mitte von Europa überaus günstig für feindliche Angriffe von allen Seiten ist. Hierauf zielte Abg. von Liebermann in seiner Rede vom 14. März 1899 ab, als er darauf hinwies, daß die vom Zentrum beliebte und vom Reichstage angenommene Kürzung der Vorlage um 7006 Mann schon deshalb nicht zu billigen sei, weil infolge davon die Grenzbataillone (für die eine höhere Bestandszahl verlangt worden war) im Kriegsfälle ihrer wichtigsten Aufgabe, gleich in den ersten Mobilmachungstagen in genügender Stärke einzugreifen, nicht gerecht werden könnten. So traten unsere Abgeordneten denn in zweiter Lesung sür die Militärvorlage in ihrem vollen, ungekürzten Umfange ein, stimmten aber alsbald gegen sie in dritter Lesung, nachdem sie in verstümmelter und deshalb unzureichender Form wiedererschien4) Und bitter war die Wahrheit, die der neueste Kurs schwächlichen Zurückweichens vor Zentrumswünschen vom Abg. von Liebermann zu hören bekam: „Es wird fortgewurstelt!" Derselben Absicht, die Stellung des Reiches als Weltmacht nach Kräften zu fördern, entsprang die rege Unterstützung, die unsere Abgeordneten stets einer thatkräftigen Kolonialpolitik entgegenbrachten. Abg. von Liebermann machte am 15. Dezember 1898 darauf aufmerksam, welche bedeutende Kräftigung für unser Volk aus einer solchen erwachsen müsse. Jedoch sei dabei immer der Gesichtspunkts als maßgebend zu betrachten, daß man neu erworbene Kolonien auch wirklich deutsch mache, indem man den starken Strom der deutschen Auswanderer vor allem dorthin lenke, und diese dadurch nicht nur ihrem Volkstume selbst erhalte, sondern auch als einen Grundstein deutscher Macht im Auslande verwerte. Allerdings, so führte Abg. Werner einige Zeit später zu diesem Punkte ergänzend aus, müßte^sich dann auch das Reich stets seiner Pflicht erinnern, seinen Angehörigen in den Kolonien nachdrücklichsten Schutz ihrer Rechte zu gewährleisten. Ein Fall wie der, daß den Brüdern Denhardt für ihre lediglich infolge des unglücklichen Wituvertrags erlittenen großen Verluste ein Almosen von seiten der Regierung geboten würde, müsse scharf getadelt werden: „Wie sollen die Deutschen Lust bekommen, in unsere Kolonien zu gehen, wenn sie auf diese Weise von der eigenen Regierung im Stich gelassen werden?" Die Erwerbung der Karolinen fand die freudige Billigung der Fraktion. Sie bewilligte daher auch ohne Einwendung die dafür ausgesetzte Kaufsumme. i) Bemerkenswert war die Haltung der Konservativen und Nationalliberalen in dieser Frage. Sie, die doch sonst nicht genug Aufhebens von ihrer unabhängig nationalen Gesinnung machen können, die kurz vorher noch die Annahme der ganzen Vorlage als unbedingt nötig hinstellten und schon die Konsliktstrompeten ertönen ließen, sie hielten es plötzlich bei der dritten Lesung für ausreichend, nur r e g i eru n g s national zu sein, und wichen ebenfalls mutig vor dem dräuenden Wunsche des gestrengen Zentrums zurück.

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