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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Die Parteien innerhalb des modernen Judentums. · p. [Seite]

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Die Parteien innerhalb des modernen Judentums.
Date
1900-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Dre Parteien innerhalb des modernen Judentums^ Von Dr. G. Stille.. Im vorigen Jahre haben wir den Charakter der Juden, wie er allen bekanntist, die sich die Mühe gegeben haben, das Leben und Treiben der modernen Juden zu studieren, nach den eigenen Ergüssen jüdischer Schriftsteller in den Rabbinerblättern geschildert. Wir wollen diesmal unsere aus derselben Quelle geschöpften Beobachtungen über das innerjüdische Leben, das manches Interessante bietet, dar-- zustellen versuchen. Jeder gebildete Deutsche ist wohl darüber unterrichtet, daß es unter den. Juden Orthodoxe und Reformer giebt. Doch muß man nicht glauben, daß bie ganze Judenschast einer dieser beiden Parteien angehöre. Seit nicht allzu langer Zeit hat sich die besondere Richtung der Zionisten aufgethan, die von Orthodoxem und Reformern in rührender Uebereinstimmung bekämpft und beschimpft wird. Wim müssen außerdem noch die Juden besonders scharf ins Auge fassen, die ihrer altem Volksreligion entweder gleichgültig gegenüberstehen, oder den völligen Bruch mit ihr vollzogen haben, indem sie konfessionslos wurden oder gar sich taufen ließen. Um den Lesern, die sich etwa eingehender mit den jüdischen Parteien beschäftigen wollen, kurz anzudeuten, wo sie die Anschauungen der einen oder anderem Partei vertreten finden, bemerken wir: Von den uns bekannten deutschen Rabbinerblättern steht die „Jüdische Presse" des Herrn Hirsch Hildesheimer ziemlich weit nach rechts; sie ist das Organ der sogenannten konservativen Juden. Um eine kleine Schattierung weniger orthodox ist die „Israelitische Wochenschrift" des Herrm M. A. Klausner; sie tritt, falls man einen geringen Unterschied erkennen will, wohl am arrogantesten von allen für die Gesamtinteressen der Juden auf und zeichnet sich, wie wir noch sehen werden, durch eine unangenehme, echt jüdische Art dem Polemik aus, die man häufig mit dem nicht feinen, aber treffenden Ausdruck Schnoddrigkeit bezeichnet. Die von dem Rabbiner vr. L. Philippson-Bonn herausgegebene „Allgemeine Zeitung des Judentums" vertritt liberale, reformerische Ideen. „Die Welt", das Organ der Zionisten erscheint in Wien unter der Redaktion vom E. Rosenberger. Aus der Lektüre dieser vier Blätter kann man sich eine genügende Kenntnis der jüdischen Parteien und ihrer Bestrebungen verschaffen. Wer die Ansichten der konfessionslosen und schlecht getauften Juden nicht nur aus den Angriffen ihrer Gegner kennen lernen will, findet sie wohl am unverfälschtesten und unverschleiertsten im „Berliner Tageblatt", das ja leider allzu bekannt und verbreitet ist. Was zunächst die Orthodoxie betrifft, so ist es nicht zweifelhaft, daß ihr dem größte Teil der Judenschaft des Ostens anhängt. Die außerordentlich rückständigen Juden im russischen und österreichischen Polen halten sich sklavisch an jedes Gebot, und Verbot ihrer Religionsbücher. Bei den „Gebildeten" unter ihnen, die fast aus-- schließlich durch die Rabbiner repräsentiert werden, besteht die Bildung im Studium, des Talmud; sie sind groß in dem bei den Juden im so hohem Ansehen stehendem

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