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Antisemitisches Jahrbuch für ... · 1900-01-01 · Die Freisinnigen im Wahlkampf. · p. [Seite]

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Journal
Antisemitisches Jahrbuch für ...
Volume
1900
Issue
Die Freisinnigen im Wahlkampf.
Date
1900-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Die Freisinnigen im Wahlkampf. Von O. H. Böckler. Eins der wichtigsten Ergebnisse, wenn nicht das wichtigste, der letzten Reichslagswahlen ist der durch sie erbrachte endgültige Beweis, daß die sich freisinnig nennenden Parteigruppen tot sind. Als 1893 die freisinnigen Mandate von 70 auf 37 und die freisinnigen Stimmen von 1159915 auf 924920 zurückgingen, konnte man sich noch den Anschein geben, als sei diese Schlappe durch das zufällige Zusammentreffen verschiedener ungünstiger Umstände bedingt. Kurz zuvor war die Spaltung des Freisinns erfolgt, zahlreiche Judenskandale machten einer Partei, die im Rufe der „Judenpartei" steht, den Kampf nicht leicht und die agrarische Bewegung hatte einen kräftigen Anlauf genommen. Wenn der Freisinn noch lebensfähig war, mußte auf die Niederlage von 1893 ein großer Rückschlag eintreten; und die Freisinnigen gaben sich auch den Anschein, als erwarteten sie einen solchen. Daß eine annähernd auf die Hälfte ihrer früheren Mandate zurückgedrängte Partei bei den Nachwahlen hier und da wieder einmal einen Reichslagssitz gewann, ist nur natürlich. Meist aber waren es Pyrrhussiege, die trotz der skrupellosesten Wahlmache und trotz neuer Stimmverluste nur durch die Stichwahlhilfe der Sozialdemokraten errungen, ja überhaupt nur durch -die Fehler der Konservativen und Nationalliberalen ermöglicht wurden (vergl. Jahrbuch 98, S. 202). Trotzdem erhoben die freisinnigen Blätter jedesmal ein großes Triumpfgeschrei und „konstatierten", daß ein starker „Zug nach links" vorhanden sei. Der Zweck dieser Mache war genau der der Giebelreklamen; es sollte einem urteilslosen Publikum durch die beständige Wiedereinprügung desselben Gedankens die Anschauung seiner Richtigkeit „suggeriert" werden, und es war bei der großen Ausbreitung der jüdisch-freisinnigen Presse in der That die Gefahr vorhanden, daß diese intellektuelle Vergiftung des Volkes gelingen werde. Der Wahltag jedoch hat gezeigt, baß selbst das tägliche Lesen dieser Art Zeitungen unser Volk noch nicht so der Denkfähigkeit beraubt hat, daß es auf einen so plumpen Schwindel hereinfiele. Im -ersten Wahlgange, also aus eigener Kraft, hat die Rickertsche „Vereinigung" ebenso wie die Richtersche „Volkspartei" jede ein einziges Mandat (Bremen und Bingen-Alzeys errungen; beide Richtungen hatten erhebliche Verluste au Stimmen. Die Stimmen der „Volkspartei" waren von 666 400 im Jahre 1893 auf 558 314 im Jahre 1898, also um 108 086, zurückgegangen, die der „Vereinigung" von 258 000 auf 195 682, also um 62 318. Wenn von einem Zuge nach links die Rede fein konnte, bestand er somit darin, daß sich wieder ein Teil der „Freisinnigen", der natürlichen Entwickelung ihrer Partei gemäß, zur Sozialdemokratie hinübergezogen hatte. 9 Herr Eugen Richter erhielt in Hagen 10 234 gegen 19 967 gegnerische Stimmen; seine Wiederwahl wurde nur dadurch möglich, daß sich das Zentrum seiner erbarmte. 5*

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