Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5670/1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 191)
- Language
- German
- Belongs to
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Edmund Wengraf. Theodor Herzl. Im Westen — hört! da trauern sie und klagen Um einen Geist voll Anmut und Geschmack, Er wußte, was er sagte, fein zu sagen, Sein Stil trug stets den eleganten Frack. Und sprach er von entlegnen, tiefen Dingen, Und sprach er selbst von Elend oder Schmerz, In seinem Ton war leises Gläserklingen, Salongeplauder, schöner Frauen Scherz, Durch seine schlanken, wohlgeformten Sätze Ging zarter Glanz und parfümierter Hauch, Man spürte eines reichen Geistes Schätze, Doch einen sorgenlosen Luxus auch. Er ließ sich von den Grazien verwöhnen, Nachdem Fortuna liebend ihn geküßt — — Die Leserin in Ischl seufzt in Tränen: »Dahin ist Deutschlands bester Feuilletonist!« Im Osten aber — in dem Land der Schrecken, Wo noch des Ghettos Budenschwarm sich drängt, Wo in des Völkerhauses letzte Ecken Der scheue Judenstamm sich ängstlich zwängtf Wie anders tönt sie dort, die Trauerklage; »Aus Schutt und Moder ließ er Blumen blüh'n, Er wob uns Hoffnung in das Netz der Plage —* Ach, unser großer Tröster ist dahin! Als wir in Armut und in Schmutz erstickten, In Finsternis, in hoffnungsloser Qual,