Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5670/1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 165)
- Language
- German
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Aus der Erkenntnis, daß der Zionismus eine Romantik, also eine Bejahung der Lebensmöglichkeit, aber keine Daseinsform, ein Suchen, aber kein Gefundenhaben ist, ergeben sich für ihn vielseitige Aufgaben. Die Gefahr der Territorialisierung und Diplomatisierung ist gottlob vorüber. Er muß die Schönheit und Größe früherer Kulturperiöden dem Volke zeigen, die Trostlosigkeit und Lebensdürre der Gegenwart zu Gemüte führen und Zukunftsahnungen wecken. Er soll nicht in Palästina aHein das Ziel seiner Bestrebungen sehen, sondern das arme Volk aufmerksam überwachen, dem Pochen des kranken Volksherzens lausdien, ob sich darin ein gesunder Schlag ankündigt. Der Gefahren gibt es genug. Die Assimilationssucht herrscht noch bedenklich unter uns und die Individualismusepidemie hat auch ins jüdische Lager Einzug gehalten. Diese in der Einsamkeit, der Kulturlosigkeit gelandete Romantik ist dem Volke wenig zuträglich. Uns kann nur eine begeisternde, kultursuchende, volksuchende Romantik über die Krise hinweghelfen. Das ist der Zionismus, der die Triebkraft einer großen Vergangenheit, die Schwungkraft hoher Ideale hat* Und kommt einst der Tag, an dem ein frischer Lufthauch durch das verjüngte Juda geht, ein Kulturleben ohne Hasten und Jagen, Suchen und Fragen emporblüht, dann kann der Zionismus befriedigt abziehen. Denn eine Kultur schließt jedes Suchen, jedes Solebenwollen, jede Romantik aus. SS §B f»j Vi 145