Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5670/1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 73)
- Language
- German
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Teleologie verbunden ist, kommen. Denn jede ^uciisclie Kolonie, jede Schule, jede noch so unansehnliche Institution in Palästina stellt einen reellen, selbstgeschaffenen Wert dar, der sich sofort mit unserem geschichtlichen Inhalt anfüllt, der eine Konkretisierung unserer Teleologie von demonstrativer Macht wird. Dort wird die jüdische Wissenschaft wirklich Großes leisten können, denn sie wird nicht unmittelbare Zwecke verfolgen, sie wird nicht nach den „Goim" schielen, sondern in sich selbst und in dem reell jüdischen Leben Palästinas ihre Kraft schöpfen. Dort wird die Würde nicht von außen her, sondern von innen heraus kommen, als Folge des Stolzes über das Neugeschaffene, der Notwendigkeit, das Geschaffene zu verteidigen, und der inneren Ruhe. Dort wird der Jude zum Menschen, weil er Jude ist, weil er eine große einzigartige Vergangenheit, von der jeder Stein, jede Ruine Palästinas spricht, besitzt, und weil er die große Zukunft als unmittelbare Möglichkeit spürt. Dort wird der Lokalpatriotismus durch den Nationalpatriotismus zum Universalismus sich hindurchringen, denn der palästinensische Jude war schon einmal Schöpfer universalistischer Werte. Und dieses neue aufsprossende Leben wird die Säfte im ganzen jüdischen Organismus wieder erfrischen und erneuen; denn tatsächlich ist trotz der Assimilation der jüdische Volkskörper noch keine Leiche. Wir können darüber uns nicht weiter auslassen, aber wer das Judentum in allen seinen Gliedern kennt, weiß, daß es noch nicht tot ist, daß es nur im lethargischen Zustande sich befindet. Nur muß in diesen kranken Organismus ein belebendes Ferment hineinkommen: dieses kann nur von einer kleinen Minorität kommen, die durch diese oder jene Ursache noch die ganze jüdische Teleologie aufbewahrt hat, die sich noch als Volljuden fühlen. Nur darf diese Minorität nicht vergessen, daß man mit Reden nichts erreicht, sondern nur durch eine folgerichtige Aktivität. Die Minorität muß mit dem Golut und mit allem, was daran hängt brechen und ihre ganze Lebensenergie nach Palästina übertragen. Mancher diplomatische Zionist wird uns vielleicht Chowewe-Zionismus vorwerfen. Mag auch richtig sein. Nur hat kein Volk bis heute seine Freiheit und Selbständigkeit von Anfang an durch Diplomatie erreicht. Den ersten Grundstein hat die Liebe gelegt, die Liebe zur eigenen Scholle, zur eigenen Sprache, Geschichte, Kultur und erst nachher kam die Diplomatie. Wir Juden haben schon so den Wirklichkeitssinn verloren, daß wir immer mit dem Dach, statt mit dem Fundament beginnen. ❖ . * * Verbinden aber die Juden ihr Dasein mit dem Golut für immer, so hilft weder Neuorthodoxie, noch Zionismus. Dann ist die Assimilation, wenn auch schmerzhaft und erniedrigend, doch die einzige Lösung des Judenproblems. Da werden keine Reden helfen. Dann ist die Assimilation, d. i. der nationale Tod, das natürliche Ende. Tertium non datur. Entweder — oder: „Zionismus odec^nationale^Liquidation", wobei wir unfeF letzteren alles, was mit den Worten — Jade und Judentum zusammenhängt verstehen. BS El B © 65