Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5670/1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 28)
- Language
- German
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Paralipomena zum „Weg ins Freie" Von ARTHUR SCHNITZLER. >.o Golowski: „Der Politiker hat nicht mit der Ewigkeit zu rechnen. In einer menschlichen Angelegenheit kommt es nie auf ein Definitives an. Und wenn wir auch gelegentlich von dem Ziel einer Bewegung sprechen, so meinen wir damit nie etwas anderes als einen Aufenthalt von voraussichtlich längerer Dauer. Darauf, daß wir den rechten Weg gehen, kommt es an, mehr liegt nicht in unserer Macht." * * * Heinrich Bermann: „Es ist wahr; schon das Wort Religion bringt sonst ganz vernünftige Menschen in einen geheimnisvollen Aufruhr, und es ist daher schwer, über gewisse Dinge so zu reden, wie es notwendig wäre, um endlich Klarheit in die Welt zu bringen. Ja, zu dem Aufklärungsgeschäft, wie ich es mir denke, gehört ein Genie der Propaganda, das in seiner Art geradeso bedeutend sein müßte, wie das der großen Religionsstifter gewesen ist. Denn man hätte ja nicht nur den Kampf mit den Gläubigen aufzunehmen und mit denen, die vom Glauben der andern leben, sondern auch mit dem gefährlichsten und tückischesten Feind, mit der Heuchelei und Feigheit der Ungläubigen. Ich spreche natürlich nur von dem, was im dogmatischen Sinne unter den Begriff Religion fällt. Ich weiß sehr gut, daß es üblich ist, unter Religion auch das beliebige private Verhältnis jedes Einzelnen zu dem Unerforschlichen zu verstehen, und daß man daher in diesem Sinne den lächerlichen Gemeinplatz anzuwenden pflegt, es gäbe überhaupt keinen Menschen ohne Religion. Dieser Sprachgebrauch richtet aber eine solche Verwirrung an, daß ich mir niemals einfallen lasse und es auch niemandem zugestehen möchte, in einer ernsthaften Diskussion das Wort Religion in einer so nichtssagenden Bedeutung anzuwenden." * * * Heinrich Bermann: „Auch das klügste Wort bleibt am Ende nur Geschwätz, wenn es nicht auf irgend einem Wege zu Taten führt." * * * Leo Golowski: „Auch sehr ins Weite denken, ist manchmal nur eine Art, sich das Leben bequem zu machen." * * * 24