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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1907-01-01 · 5668 = 1907/08 · p. Seite 130

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5668 = 1907/08
Date
1907-01-01
Page
Seite 130 (sequence 139)
Language
German
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IRI
…/10622931-10623253--336-10623068
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Im Bureau der Friedhofs-Kommission, Rosenstraße 2/4, wird die Bestellung auf I. Ausschmückung der Bethalle mit Topfgewächsen a M. 25, 35, 45, 65 und 90. II. Beleuchtung der Vethalle a M. 15. III. Chorgesaug (Doppelquartett) ä M. 78, im Trauerhaufe 60. VI. Dekoration am Grabe von M. 10 ab entgegengenommen. Die Abholung der Leiche vom Sterbehaus erfolgt in Berlin gewöhnlich noch an demselben Tage. Die weitaus meisten Beerdigungen finden von der Leichenhalle des Friedhofes aus statt. Die Leidtragenden begeben sich nach altem jüdischen Ritus am nächsten Freitag Abend in die Synagoge, warten in der Vorhalle, bis sie vom Rabbiner unter Zuruf von Trostworten in die Synagoge geleitet werden. Das Kaddisch-Gebet wird das ganze Jahr hindurch gesprochen. Leopold Kompert, der Meister der Ghetto-Novelle, schildert uns in seiner ergreifenden Erzählung: „Die Jahrzeit", (Leop. Kompert's ges. Werke 10 Bd., Verl.: Mar Hesse, Leipzig) dieses Kaddisch-Gebet wie folgt: Es ist dies jenes seltsame, von Geschlecht zu Geschlecht, von Jahrtausend zu Jahrtausend überkommene Gebet, das in der Sprache des alten Zion lautend, einen wesentlichen Bestandteil des täglichen Gottesdienstes bildet. Sein Ursprung ist geheimnisvoll; Engel sollen es vom Himmel hergebracht und die Menschen gelehrt haben. Um dieses Gebet schlingen sich die weichsten Fäden kindlichen Empfindens und menschlichen Erinnerns; es ist das Gebet der Waisen! Wenn Vater oder Mutter stirbt, sollen es die nachgelassenen Söbne täglich am Morgen und am Abend, im Gotteshause durch das ganze Trauerjahr, und dann am jedesmaligen Todestage, oder, wie er in der Sprache der „Gasse" heißt: „zur Jahrzeit," sprechen, denn es wohnt ihm eine gar wunderbare Kraft inne. Aus dem Munde von Waisen klingend, sprengt es die Gräber und sagt den toten Eltern, daß ihr Kind ihrer gedenke; dann tritt es unmittelbar vor Gottes Thron und bittet dort um den ewigen Frieden der Dahingeschiedenen, um Schonung und Barmherzigkeit! Fürwahr! wenn es irgend ein Band gibt, stark und unauflöslich genug, uw Himmel und Erde aneinander zu ketten, so ist es dieses Gebet! Es hält die Lebenden aneinander und bildet die Brücke in das geheimnis- 130

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