Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5668 = 1907/08
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
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18 000 Auswanderer von den Komitees des Hilfsvereins der Deutschen Juden befördert. Da die Auswanderung in den letzten Jahren infolge der traurigen Verhältnisse in Rußland sich fluchtartig und ohne Vorbereitung vollzieht, ist es notwendig geworden, Verpflegungsstationen einzurichten, die den Flüchtlingen ans ihrer schweren Wanderung Speise und Trank bieten. Ueber 60000 Auswanderer, namentlich Frauen und Kinder, sind in dem letzten Jahre von den Komitees des Hilfsvereins der Deutschen Juden verpflegt worden. Die Informationen, die der Hilfsverein durch sein Zcntralbureau für jüdische Answanderungsangelegenheiten Einzelpersonen, der Presse, den Komitees und Organisationen vermittelt, verbreiten Kenntnis und Aufklärung über die Answanderungsverhältnisse selbst in den entlegensten russischen Städtchen und fördern so die Interessen der jüdischen Auswanderer und der jüdischen Gesamtheit. In den Ländern des Orients sorgt der Hilfsverein der Deutschen Juden für die Hebung der Bildung der Juden und für die Förderung ihres wirtschaftlichen Fortkommens durch Schulgründungen von Jahr zu Jahr in immer steigendem Umfange. In diesem Jahre wird der Hilfsverein folgende Institute aus seinen Mitteln erhalten oder unterstützen: 9 Kindergärten, 11 Knaben- und Mädchenschulen, 1 kommerzielle Mittelschule, 1 Handelsschule, 1 Haushaltungsfchule, 1 Handwerkerschule, 1 Kunstgcwerbeschule und 2 Seminare, insgesamt 27 Anstalten mit mehr als 3500 Zöglingen. Ueberall da, wo das Bedürfnis nach deutschem Unterricht vorhanden ist, ist er bemüht, durch Einführung des deutschen Unterrichtes und durch Anstellung von Lehrern für die Befriedigung dieses Bedürfnisses Sorge zu tragen. Der Hilfsverein hat auch das Hilfswerk für Galizien in Gemeinschaft mit der Großloge für Deutschland und dem österreichischen Hilfsverein für die notleidende Bevölkerung in Galizien in zweckentsprechender Weile zu organisieren sich bestrebt und sucht durch Einführung von Hausindustrien das Elend der galizischen Juden zu bannen. Bereits sind 7 Hausindustrien in Galizien neu eingeführt worden, und über 2500 jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen finden in diesen Industrien einen ehrlichen Erwerb- Die furchtbaren Vorgänge in Rumänien stellten den Hilfsverein vor neue schwere Aufgaben, zu deren Bewältigung Herr Dr. Paul Nathan persönlich nach Rumänien sich begab. Dieses philanthropische und soziale Hilsswerk ließ sich nur vollbringen durch die freudige und opferwillige Unterstützung, die der Hilfsverein der Deutschen Juden bei den deutschen Glaubensgenossen gefunden hat. Nicht eine Organisation allein, sondern die gesamte deutsche Judenheit hat dieses Werk geschaffen. Es ist ihre heilige Pflicht, es zu erhalten und zum Segen der notleidenden Inden in der ganzen Welt immer weiter auszubauen. Jeder deutsche Jude sollte deshalb nach Maßgabe seiner Kräfte den Hilfsverein der Deutschen Juden unterstützen, und ihm als Mitglied angehören. Siegmund Bergel. Die Kindergärten in Jerufalem Aus dem geeichte des llilfsvereins 1907 (cfr. Cingangsdild) Der Kindergarten in Jerusalem hat das vierte Jahr fruchtbarer Arbeit hinter sich. Dank den während dieser Zeit erzielten günstigen Resuliaten hat sich diese Institution hier bereits das Bürgerrecht erworben, und gegenwärtig rechnen viele mit derselben als mit einem wichtigen Faktor auf dem Gebiete der Jugenderziehung. Ist der Kindergarten mit seinen gesunden Räumen und seinen großen Spielplätzen für die ärmsten Kinder geradezu eine Erholungsstätte, wo sie unter der Aufsicht der Lehrerinnen in Spiel und angenehmer Beschäftigung die schönsten Stunden ihres jungen Lebens verbringen, so besteht der praktische Nutzen dieser Anstalt zugleich für die Kinder der besser situierten Klasse darin, daß sie hier eine gesunde Grundlage für ihre spätere Erziehung und den Unterricht in der Schule erhalten. Durch das tägliche Zusammensein der Kleinen wird ein ungeheueres Hindernis, welches für die Schule bisher in der verschiedenartigen Erziehung und dem Sprachengewirr bestanden hat, allmählich aber sicher beseitigt. Die doppelte Aufgabe erfüllt der 7 97