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Illustrirter jüdischer Familienkalender · 1907-01-01 · 5668 = 1907/08 · p. Seite 94

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Journal
Illustrirter jüdischer Familienkalender
Volume
5668 = 1907/08
Date
1907-01-01
Page
Seite 94 (sequence 103)
Language
German
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Unzweifelhaft wird die Tätigkeit des Bureaus, wenn sie richtig verstanden und ausgeübt wird, dazu beitragen, den jüdischen Emigranten in der Achtung der Einwanderungslander zu heben, und das wird zurückwirken und eine vermehrte Achtung des ganzen jüdischen Volkes zur Folge haben. Wie soll ich mein Baby im ersten Lebensjahre ernähren? Man hat die soziale Frage eine „Magenfrage" genannt. Aber nicht minder ist die Bekämpfung der massenhaften Erkrankungen und der hohen Sterblichkeit der Kinder während ihres ersten Lebensjahres gewissermaßen eine „Magen- und Darmfrage", d. h. eine Frage der Ernährung. Ist diese eine sorgfältige und rationelle, so bleiben mehr Kinder gesund und am Leben; ist sie unpraktisch, unvernünftig, so sind von den vielen, blühenden Babies am Schlüsse des ersten Lebensjahres nur noch zwei Drittel am Leben, und auch von diesen ist noch ein Teil welk, blaß abgezehrt und durch Magen-Därmkartarrhe so geschwächt, daß noch im zweiten Jahre irgend welche an sich leichte Erkrankungen sie nur zu oft dahinrafft. Es ist deshalb ganz gerechtfertigt, wenn die Mutter fragt: „Wie soll ich mein Baby im ersten Lebensjahre ernährend" Und es ist ein Vorrecht des Arztes, sie nicht nur über das „Wied" sonderu auch über das „Womitd" aufzuklären. So betrübend es auch ist, daß viele Frauen heutzutage keine hinreichende Milch haben, um ihr Baby selbst zu nähren, und nicht genug Mittel, um ihnen eine milchreiche Amme zu halten, so ist dies doch eine unleugbare Tatsache^ mit der man nun einmal rechnen muß. Es bleibt also in den allermeisten Fällen nur die künstliche Ernährung übrig, — also das Aufziehen, Anfangs mit der Flasche, später mit dem Schnabeltäßchen oder mit Breinöpfchen und Löffel, — also die regelrechte Fütterung. Hierbei ist zu beachten, daß die Mutter alles Dargereichte kosten muß, — daß es unverdorben und sauer sein muß, nicht zu heiß und nicht zu kalt sein darf, daß die Zubereitung eine stets gleichmäßige sein soll. Auch darf das Kind nach der Mahlzeit sticht umhergetragen werden, sondern es soll ruhig im Liegen verdauen. Natürlich müssen alle Eß- und Trinkgeräte stets aufs Peinlichste rein sein. Soll man aber nun der Mutter noch raten, was sie ihrem Baby geben, womit sie es ernähren solls so könnte man heutzutage fast in Verlegenheit kommen. Daß die Kuhmilch in sehr vielen Fällen Tuberkelbacillen enthält ist wenigstens für Deutschlands vom Tuberkulose- Kongreß überzeugend nachgewiesen worden. Auch sonst ist die „frische Kuhmilch" teils schon im Kuhstall, teils auf dem Wege dis ins Haus noch vielen, recht bedenklichen Verunreinigungen ausgesetzt. Bekannt ist ferner, daß kein Monat vergeht, in welchem sich nicht ein neues Kinder- Nährmittel dem Publikum anpreist, — bald ein Mehl aus Hafer, anderem Getreide oder Hülsenfrüchten, bald ein Präparat aus Muskel- oder Pflanzen-Eiweiß. Wollte die Mutter all diese „Neuheuten" an ihrem Kinde „versuchen", so würde sie dies sehr bald zu Grunde richten. Das Altbewährte, das Einfache ist immer das Beste, weil es natürlich und stets gleichmäßig ist. Dies gilt ganz besonders von dem nun schon seit drei Jahrzehnten eingeführten, über die ganze zivilisierte Welt verbreiteten Nestle-Mehl, das aber eigentlich kein Mehl ist, sondern ein Milch-Zwieback-Pulver von höchstem Wohlgeschmack, großem Nährwert und einer immer gleichen Bekömmlichkeit, an der sich auch während der heißen Sommermonate nichts ändert. Und wie könnte dies auch anders sein? Ist doch der wesentlichste Bestandteil des Nestlö'schett Kindermehls eine an den Usern des Genfer Sees von dem herrlichen Schweizer Milchvieh kerngesunder Rasse gewonnene Milch, die man in den großartigen Etablissements der Gesellschaft zu Vevey rasch mit etwas Zucker verdickt und mit fein zermahlenem Weizenzwieback zu einem hellbraunen, angenehm riechenden und schmeckenden Pulver umwandelt. Etwas Wasser, — und man stellt damit dem Kinde sofort ein Süppchen oder Breichen her, an dem es sich delektiert, das es wohlig sättigt, das es dick und rund macht, ihm festes Fleisch und starke Knochen verleiht, Drüsenschwellungen, Hautausschläge, Magen- und Darmkartarrhe nie zu Stande kommen läßt. Die Mutter lasse sich also durch die zahllosen, oft recht zweifelhaften „Neuheiten" nicht beeinflussen, meide in der Ernährung ihres Kindes jede Künstelei und bleibe während des ersten Jahres ruhig bei Nestle-Mehl; dann wird sie an dem Gedeihen des kleinen Lieblings ihre Freude haben. Dr. Ritter. 94

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