Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5668 = 1907/08
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 102)
- Language
- German
- Belongs to
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Wenn es schon für die angeführten Staaten ein dringendes Bedürfnis war, durch Auswanderungsämter für die Auswanderer zu sorgen, obschon diesen staatliche und konsularische Hilfe überall und jederzeit zur Verfügung steht, um wie viel nötiger ist da eine derartige Fürsorge für die schutzlosen, jüdischen Auswanderer, und das um so mehr, als, abgesehen von den Ausnahmeverhältniffen des russisch-japanischen Krieges die jüdische Auswanderung noch stetig wachst. Deutschland hat, obwohl seine Auswanderung abnimmt (1891 — 120 000, 1904 28000 Auswanderer), erst vor fünf Jahren mit einem jährlichen Kostenaufwand von 30000 M.eine Auskunftsftelle errichtet. Der Notwendigkeit, daß eine ähnliche Einrichtung für die jüdische Auswanderung geschaffen werden mttß, kann man sich nicht länger verschließen. Darum haben in einer Konferenz, die auf Anregung des Hilfsvereins der deutschen Juden im Dezember 1904 in Frankfurt a. M. stattfand, die großen jüdischen Organisationen beschlossen, ein „Zentralbureau für jüdische Auswanderungsangelegenheiten" mit dem Sitze in Berlin zu errichten. Dieses, vom Hilfsverein ins Leben gerufene und vom ihm und der Großloge unterhaltene Bureau hat seine Tätigkeit am 1. Januar 1905 begonnen und hat sich bereits durch die ersten schwierigen Anfänge hindurchgearbeitet. Es hat gezeigt, daß es imstande ist, seine Aufgabe richtig zu erfüllen, die weitere Entwicklung hängtim hohen Grade davon ab, welche Unterstützung es von dem jüdischen Publikum und von den einzelnen jüdischen Organisationen erhalten wird. Die Bedeutung des Bureaus istin weiten jüdischen Kreisen noch sehrwenig gewürdigt; vielfach betrachtet man es als diejenige Stelle, auf die man die kleinen lokalen Unbequemlichkeiten und Scherereien, welche durch Auftauchen von Auswanderern verursacht, abwälzen kann oderdienurfür eineschnelle und billige Beförderung der Auswanderer zu sorgen hat. An die anderen großen Aufgaben denkt man wenig. Es können hier nicht die Aufgaben des Bureaus in ihrem ganzen Umfange einzeln aufgezählt werden; schon eine ganze Andeutung wird genügendzeigen, nach welcher Richtung hin es seine Tätigkeit zu entfalten hat, und wie groß seine Verantwortung ist. Durch Belehrung der jüdischen Bevölkerung in den Auswanderungsländern muß es vor allem prophylaktisch wirken, damit unbesonnenes und planloses Auswandern verhindert wird. Der Auswanderer, der seine Reise antreten will oder bereits unterwegs ist, muß dann über die besten und billigsten Reisewege informiert, und es muß ihm auf dem ganzen Wege ein umfassender Rechtsschutz gesichert werden. Schließlich ist dafür zu sorgen, daß ungeeignete Ziele nicht aufgesucht werden, daß die richtige Kraft nach dem richtigen Ort geleitet wird. Nach und nack werden sich vielleicht bestimmte Prinzipien ergeben, nach denen die Bewegung der Auswanderer zu leiten sein wird. Haaruntersuchung der Auswanderer. 'i M 93