Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5668 = 1907/08
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 95)
- Language
- German
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Es sind nach diesen Angaben eingewandert: Jahr jO C5 55 — E-Js c 11© | aus Rußland dc Oesterreich won Rumänien Dtsch.- land2) ”§ 1 § 3 -g Hl S© 1^ 11 sys | 2 'I 'i£) 1899 37 415 24 275 11 071 1343 405 321 311 715 12 % J 900 60 764 37 Oll 16 920 6183 337 313 448 572 13,5 °lo 1901 58 098 37 660 13 006 6827 272 333 487 918 H,9 0,o 1902 57 688 37 846 12 488 6589 182 223 648 743 8,8 0,0 1903 76 203 47 689 18 759 8562 477 716 857 046 8,9 0/0 1904 106 236 77 544 20 211 6446 669 1366 812 870 13 0,0 1905 129 910 92 388 17 352 3854 734 15582 1 026 499 12,0 1906 153 748 125 234 14 884 3872 979 8779 1 100 735 13,97 2) Viele einwandernde Juden werden als Deutsche, Franzosen usw. gezahlt. Amerika ist das Haupteinwanderungsland. 80 o/o aller jüdischen Auswanderer wenden sich dorthin. Etwa 10 o/o gehen nach England. Die übrigen 10o/o verteilen sich auf andere überseeische Länder und auf den europäischen Kontinent. Aus der obigen Tabelle ist ersichtlich, daß die Einwanderung der Juden nach Amerika nur absolut zunimmt, nicht dagegen relativ. Der Prozentsatz, den die Juden zur Gesamteinwanderung stellen, ist seit dem Jahre 1900 gefallen und hat nur infolge der gegenwärtigen traurigen Verhältniffe in Rußland die gleiche Höhe wie vor fünf Jahren erreicht. Wenn angenommen wird, was den Tatsachen im großen und ganzen entspricht, daß die obigen Zahlen für Amerika 80 o/o der jüdischen Auswanderung überhaupt betragen, dann erhalten wir für die einzelnen Jahre folgende Zahlen der jüdischen Gesamtauswanderung (abgerundet): 1899 . . . 47 000 1900 . . . 77 000 1901 . . . 73 000 1902 . . . 72000 1903 . . . 95 000 1904 . . . 132700 1905 . . . 162 500 1906 . . . 192200 Ein Sprichwort des jüdischen Golus sagt „meschaneh mokaum" - — meschaneh masol", „In der Auswanderung liegt das Heil". Wie viel Tausende der jüdischen Auswanderer werden das Trügerische dieses Wortes an sich erfahren haben; statt des Glückes, nach dem sie auszogen, finden sie das alte Elend am neuen Ort. Viele wandern gar vom Elend ins Verderben. Aber so schlecht die Verhältniffe in den Haupteinwanderungs-Zentren, wie New Aork und London, auch sein mögen, den meisten gelingt es doch mit der Zeit, sich emporzuraffen. In den jüdischen Auswanderermassen steckt nun einmal ein gewaltiger Auftrieb. Das Bestreben, sich und seine Familie den Fangarmen des Pauperismus zu entziehen, ist auch für den Juden der Hauptgrund zur Auswanderung. Allerdings soll nicht verkannt werden, daß politische und soziale Unterdrückungen und Pöbelhetzen den Boden für Not und Elend vorbereiten. Viele verlassen ihre alte Heimat, weil die ständige Bedrohung und Unsicherheit ihres Lebens und ihres Eigentums ihnen unerträglich wird. Neben allen diesen Gründen gibt es ein ideelles Interesse, das bei der Auswanderung nicht zu gering angeschlagen werden darf. Es ist gewiß kein Zufall, daß die große Wanderung zusammenfällt mit der Periode des Erwachens eines starken jüdischen Lebens, und mit den Bestrebungen, für die neuerwachten Bedürf- 86