Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Journal
- Illustrirter jüdischer Familienkalender
- Volume
- 5668 = 1907/08
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 93)
- Language
- German
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Die jüdische Tlusipanberung von Dr. jur. Bernfjarb Kahn, Berlin. Die jüdische Wanderung hat heute einen Umfang angenommen, der selbst in der Geschichte des an Wanderungen so reichen jüdischen Volkes nicht häufig Generaldirektor Ballin. erreicht worden ist. Sie reiht sich, was die Zahl der Auswanderer anlangt, ebenbürtig den größten Massenwanderungen früherer Zeiten an und übertrifft alle früheren inbezug auf die Entfernung des Auswandererziels. Ahasver, der ewige Jude, der ewige Wanderer ohne Rast und Ziel, das Schreckbild aller Kulturvölker, ist heute wieder zum Symbol der jüdischen Massen geworden. Es ist nicht leicht, diese Massenbewegung statistisch zu erfassen, nicht leicht, ihren tausendfach verschlungenen Pfaden nachzugehen und unmöglich, das Ende der Wanderung abzusehen. Die jüdischen Wanderungen haben sich seit Jahrtausenden unter Umständen vollzogen, die es unmöglich machen, ihnen ins Einzelne zu folgen und auch nur annähernd Größe, Ziel und Dauer festzustellen. Nur in schattenhaften Umrissen ist es möglich, ein Bild der jüdischenWanderungen in derVergangenheit zu zeichnen. Ein Jahrtausend etwa lebte das jüdische Volk ruhig in Palästina. Dieses verhältnismäßig glückliche Millenium fand sein trauriges Ende durch die Zerstörung des ersten Tempels unter Nebukadnezar am Anfang des 7. Jahrhunderts vor CH. G. Damals setzte die erste große Wanderbewegung ein, deren Umfang und Richtung nicht genau verfolgt werden kann und die mit Unterbrechungen Jahrhunderte andauerte. Das zweite Reich verlor ganze Stämme durch Auswanderung. Durch diese erste Wanderung in solch früher Periode wurde der Grund gelegt zu den großen jüdischen Gemeindesiedelungen in Asien und Afrika. Mit der Zerstörung des zweiten Tempels und der völligen Vernichtung des jüdischen Reiches folgt die zweite große Wanderung der ersten, die all die Jahrhunderte hindurch nicht zum Stillstand gekommen war. Das jüdische Volk wurde nach allen Windrichtungen hin zerstäubt. Da gab es weder Ziel noch Weg. Im Anfang eine wilde Flucht, dann ein Schieben und Drängen, das sich jeder Feststellung entzieht. Nur 84