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Jüdische Weltrundschau · 1939-03-17 · Fragment Nr. 2 Einzelnummer = Pariser Ausgabe (17.3.1939) · p. Seite 10

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Journal
Jüdische Weltrundschau
Volume
1 (1939)
Issue
Fragment Nr. 2 Einzelnummer = Pariser Ausgabe (17.3.1939)
Date
1939-03-17
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE WELT-RUNDSCHAU SPORT-RUNDSCHAU NEUAUFBAU DER SPORTBEWEGUNG Mit dem Zusammenbruch der jüdischen Sportbewegung in Deutschland, Oesterreich und der Tschecho-Slowakei ist der jüdische Sport in der Welt, der durch den Makkabi- Welt-Verband repräsentiert wird, seiner Grundpfeiler beraubt. Stets waren die Verbände des Makkabi in diesen Ländern die Träger der Weltbewegung. Alle grossen Sportveranstaltungen in den letzten 10 Jahren — es sei nur an Makkabi-Kampfspiele in Mährisch-Ostrau, Antwerpen und und Prag, an die Sportfeste in Paris, London und Den Haag, an die Makkabi-Winterspiele in Zakopane und Banska Bistrica erinnert — sie alle waren der Initiative der drei grossen Makkabi-Landeskreise zu verdanken, und Zu allen wurden die Massen der Teilnehmer von ihnen gestellt. Auch bei der 1. und 2. Makkabiah in Erez Israel in den Jahren 1932 und 1935 waren die drei mitteleuropäischen Länder am stärksten vertreten. Alle erwähnten Veranstaltungen neben der grossen Zahl, die innerhalb der genannten Länder stattfanden, waren zionistische Kundgebungen im besten Sinne. Die jüdische Sportbewegung in der Welt ist ihres Fundaments beraubt. Es gibt zwar in den westeuropöisehen Ländern, in den baltischen Staaten, in Polen, Rumänien, Bulgarien und Jugoslawen Landesverbände des Makkabi, die eine rege Aktivität entfalten, die sich aber fast ausschliesslich im Rahmen ihrer Vereine entwickelt. In den Baltischen Ländern hat die Makkabi-Bewegung in den letzten Jahren einen Aufschwung genommen, wovon die sogenannten baltischen „Makkabiaden”, die im Jahre 1937 in Riga und 1938 in Kowno stattfanden, Zeugnis ablegten. Auch in den überseeischen Ländern sind Ansätze vorhanden. Die Basis der Organisation ist verloren, und es gilt, eine neue Grundlage zu schaffen, die das Zentrum des jüdischen Sports in der Welt bilden kann und muss. In erster Linie ist Erez Israel berufen, diese Funktionen zu übernehmen. Zahlreiche Kräfte des Makkabi aus Mitteleuropa, der grösste Teil der führenden Funktionäre aus Deutschland, Oesterreich und der Tschecho-Slowakei leben heute in Erez Israel. Der Neuaufbau der Welt-Bewegung muss in Erez Israel seinen Anfang nehmen. Die Schwierigkeiten, die sich der Erfüllung dieser Aufgabe in den Weg stellen, sind gewiss nicht zu unterschätzen. Die Erfahrungen früherer Jahre haben gezeigt, dass eine Bewegung, die im Welt-Masstab arbeiten will, sich auf eine starke Landesorganisation stützen muss. Diese Voraussetzungen sind hier nur in unzureichendem Masse vorhanden. Der Mangel an Turnhallen, Sportplätzen und Schwimmbahnen hat die sportliche Entwicklung Erez Israels gehemmt. Dennoch darf die Arbeit an diesen materiellen und technischen Schwierigkeiten nicht scheitern. Die jüdische Jugend in der Welt ist durch die Umwälzungen der letzten Jahre in ihrer ideologischen Grundhaltung weitgehend erschüttert worden. Dies gilt insbesondere für die nationaljüdischen Gruppen, deren Zielsetzung ins Wanken geraten, ist. Alte Ideologien sind zusammengebrochen; die Möglichkeiten zionistischer Propaganda sind eingeengt. Hier kann die jüdische Sportbewegung bahnbrechend wirken und ein wichtiges Mittel national jüdischer Erziehung darstellen. In weitesten Kreisen ist der Wunsch nach Zusammenschluss, nach einer Konzentration der Kräfte laut geworden. Eine von Erez Israel ausgehende zentrale Propaganda für .den nationalen Sportgedanken, für vormilitärische Erziehung unter einheitlicher Parole könnte der jüdischen Jugend in der Golah moralischen und seelischen Halt geben. Die jüdische Emigration der letzten Jahre, die in Länder ausserhalb Palästinas gegangen ist, könnte hierbei eine wesentliche Rolle spielen. Eine grosse Zahl derjenigen Menschen, die heute in den überseeischen Ländern leben, sind wertvolle Mitarbeiter, der jüdischen Sportorganisationen gewesen. Sie sind mit dem Gedankengut vertraut und geeignet, Träger der Bewegung in den Ländern, in denen sie heute leben, zu sein. Den Kontakt mit ihnen aufrechtzuerhalten und sie in enge Verbindung mit Erez Israel zu bringen, kann für die zukünftige Entwicklung von grosser Bedeutung sein. Für Erez Israel mit seinen eigenen Sorgen ist die Uebernahme der Verantwortung für den Neuaufbau des jüdischen Sports in der Welt gewiss eine schwierige Aufgabe. Sie kann aber sehr dankbar sein, wenn sie mit der notwendigen Energie und der richtigen Konzeption angepackt wird. Was kann gescheiten, um den Beginn eines neuen Abschnitts in der Geschichte des jüdischen Sports einzuleiten? Propaganda für den jüdischen Sport als wichtiges unpolitisches Mittel nationaler Erziehung. Vorbereitung und Durchführung jüdischer Sportfeste von kontinentalem Ausmass. Schaffung eines Sportabzeichens für die gesamte jüdische Jugend der Welt auf der Grundlage von Mindestleistungen. Entsendung repräsentativer Mannschaften aus Erez Israel in die Golah. Vorbereitung für die Beteiligung von Erez Israel an der Olympiade 1940. Die Inangriffnahme dieser Aufgaben und die Begeisterung der jüdischen Sportler in der Welt für nationale Ideen zu wecken, schafft ein grosses Arbeitsfeld. Für weiteste Kreise der jüdischen Jugend ist der Sport ein attraktives Moment. Ihn in die gesamte zionistische Propaganda einzuordnen und sinngemäss anzuwenden, kann abseits des politischen Kräftespiels für das jüdische Volk im Stadium einer Neuorientierung von einer Bedeutung sein, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Fritz Lewmsohn (Tel-Aviv) Das hebräische Buch ln dieser Rubrik werden wir in ständiger Folge Kurzberichte über hebräische Neuerscheinungen aller Art veröffentlichen, uni unsere Leser über die literarische Produktion Palästinas auf dem laufenden zu halten. — Red. EINE ÄSTHETIK IN HEBRÄISCHER SPRACHE Das von der Jewish Agency begründete Bialik-Institut in Jerusalem hat soeben in der Reihe der von ihm herausgegebenen wissenschaftlichen Originalwerke eine Aesthetik von S. Zemach herausgebracht. (nwiipm »öl’? na&n*]Vi£w .ns’n?j? :nas ,v) Der stattliche Band (375 S.), von zahlreichen Reproduktionen begleitet, führt den hebräischen Leser in die Fülle der Problematik von Aesthetik und allgemeiner Kunstwissenschaft ein. An Kant, Schopenhauer, Fechner werden die grossen Fragen der Methodik (a priori oder a posteriori?) erläutert, es folgen Kapitel, die, an der Hand der Lehren von Darwin, Nietzsche, Freud, den Verbindungen zwischen Kunst und Erotik nachgehen, dann Untersuchungen über Spieltrieb und Kunst (Schiller, Spencer, Guyot Groos, Lange), die Ausdruckstheorie des finnischen, Forschers J. Hirn, die Einfühlungsteorien, die Trennung von Aesthetik und Kunstwissenschaft bei Dessoir und Utitz. Auf diese, Weise eröffnet Zemach vor dem hebräischen Leser erstmalig die mannigfach verschlungenen Pfade der Forschung auf einem Gebiete, das er bisher kaum kannte. (Nur Taine’s „Philosophie der Kunst” existierte bisher in hebräischer Uebersetzung in der Ausgabe des Warschauer Stybelverlages, sonst gab es kein hebräisches Werk über die Theorie der Schönheit). In einem letzten Kapitel gibt Zemach seine eigene Theorie, welche von einem allen Menschen ursprünglichen Tätigkeitstrieb ausgeht, der sich in Arbeit, Spiel und Kunst offenbart. Das Buch erläutert die ästhetischen Theorien durch viele Beispiele aus der hebräischen Dichtung und dem palästinensischen Leben. —b. DIE UNIVERSITÄT GIBT RECHENSCHAFT Die Universität Jerusalem hat in Buchform in drei Ausgaben (hebraeiseh, englisch und deutsch) einen Rechenschaftsbericht herausgegeben, der in einer vorbildlichen Form eine Uebersicht über das bisher Geleistete und über die Organisation der Universität darstellt. Das Buch ist gerade durch seine nüchterne Sachlichkeit eindrucksvoll. Es zeigt, welche ausserordentliche Arbeit in der kurzen Zeit von 12 Jahren geleistet worden ist. Wenn häufig darauf hingewiesen wird, dass die Universität noch nicht die Vollkommenheit einer europäischen oder amerikanischen Hochschule erreicht hat, so darf man nicht vergessen, dass sie, wie man sich ausdrückte, gerade erst ihre „Barmizwah” gefeiert hat und mit ungenügenden Mitteln ein Werk aufgebaut hat, dass auf gewissen - Gebieten einen Vergleich in der wissenschaftlichen Rangordnung nicht zu scheuen hat. In sinnvoller Weise hat das Buch als erstes Kapitel, nach einem Abriss der Geschichte der Universität, eine Darstellung der Beziehungen gegeben, die das Institut mit der Judenheit Palästinas, mit der Diaspora, mit der palästinensischen Regierung, sowie mit wissenschaftlichen Stellen des, Auslandes verbinden. Die Universität ist keine isolierte wissenschaftliche Anstalt, sie hat ihre Bedeutung zum guten Teil in der Wirkung, die sie auf das jüdische Leben ausübfc. Wir sehen aus dem Bericht, welche starken Bande sich allmählich von der Universität zu verschiedenen Tätigkeitsgebieten in Palästina entwickelt haben und wie sehr auch die jüdische Diaspora an dem Ausbau eines Instituts interessiert ist, das der gesamten Judenheit zur Ehre gereicht. Die Uniyersiät wird geleitet von einem Kuratorium und verwaltet von einem Exekutivrat. Die akademische Leitung hat das Senat inne, dessen Vorsitzende der Rektor ist. Die Einteilung des Lehrbetriebes, ergibt zwei umfassende Fakultäten, nämlich die geisteswissenschaftliche und die medizinisch-naturwissenschaftliche Fakultät, während die medizinische Fakultät erst im Entstehen ist — stehen wir doch unmittelbar vor der Eröffnung des neu erbauten medizinischen Zentrums auf dem Skopus. Das Buch gibt eine genaue Uebersicht über die einzelnen Lehrfächer sowie die Namen und die Tätigkeit der einzelnen Dozenten. In einer weiteren Abteilung sind die Vorschriften für Studenten sowie alle für den akademischen Betrieb notwendigen Einzelungaben enthalten. Schliesslich sei noch der Bericht über die Nationalbibliothek, die Sammlungen und den Verlag erwähnt. Wichtig ist das Kapitel über das Budget. Wir ersehen daraus, dass das Budget im letzten Berichtsjahre fP. 170 000 an Ausgaben umfasste, die teils durch Einnahmen, teils durch Sammlungen und Spenden aufgebracht werden. Interessant ist dabei, dass auch die Studiengebühren einen wachsenden Prozentsatz darstellen. Trotzdem ist die Universität noch vor allem auf die Hilfe ihrer Freunde im Ausland angewiesen. Wir sind überzeugt, dass dieses Buch, das auch in seiner äusseren Ausstattung (Haarez Druckerei, Tel-Aviv) allen geschmacklichen, Anforderungen entspricht, dazubeitragen wird, der Universität neue Freunde zu werben, die sich hier überzeugen können, dass ein Werk entsteht, das dem jüdischen Volk den ihm gebührenden Platz in der Reihe der geistig arbeitenden Nationen sichern wird. SHALOM ASCH ENGLISCH Der amerikanische Putnam Verlag (New York) kündigt für Ende März die Veröffentlichung eines Romans von Schalom Asch an, “Song of the Valley”, Gesang des Tales — gemeint ist das Emek. Der Roman spielt in Palästina und die Ankündigung sagt, er strömt den Geruch des Bodens aus. Derselbe Verlag kündigt für den Herbst einen Jesus-Roman von Schalom, Asch an; an diesem habe der Dichter 28 Jahre gearbeitet und seine sieben Palästinareisen zu Studien für dieses Buch benutzt. Der englische Titel des Romans lautet “The Nazarene.” Nr. 2, 17. HI. 1939 MESSIANISCHE TEXTE Zum neuesten „Schocken-Bändchen ‘ Die eschatologischen Heilserwartungen Israels finden im wesentlichen in vier Gruppen der klassischen religiösen Literatur ihren Niederschlag. Die ältesten uns bekannten hebräischen Messiasüberlieferungen bietet, freilich in sehr verhüllter Form, der Pentateuch in der an Kommentaren so überreichen Schilo-Stelle des Jakobsegens (Gen. 49,10) und in der Bileams- Perikope (Non. 24,17). Die klassischen Zeugnisse des biblischen Messianismus aber sind die Weissagungen der Schriftpropheten. In ihren Visionen vom „Ende der Tage“ taucht immer wieder die Gestalt eines israelitischen Idealkönigs auf, unter dessen Szepter ein Reich der Wahrheit und Gerechtigkeit, der Gottesfurcht und der Menschenliebe erstehen wird. Dabei ist freilich festzuhalten, dass der Name „Maschiach“ (Messias der Gesalbte) der Bibel in diesem Zusammenhänge noch unbekannt ist. Als die zweite Gruppe dieser Literaturgattung sind die kanonischen und nichtkanonischen Evangelien und Episteln, das Neue Testament also, und das ihm verwandte Schrifttum anzusprechen. Das Charakteristikum dieser Gruppe besteht darin, dass sie alle messianische Weissagung auf die Person Jesu bezieht und in ihr ihre Erfüllung erkennt. Die dritte Gruppe ist die der hellenistisch-jüdischen Apokryphen und Pseudoepigraphen. Diese nachbiblischen jüdischen Schriften geben Kunde von einer oft phantastisch hypertrophierten Messiaserwartung. Im Henochbuche, in der Baruchapökalypse, in den sibillinischen und Jubiläenbüchern werden die glühenden Visionen eines Ezechiel oder Daniel noch weit überboten und ins Märchenhafte gesteigert. Die vierte Traditionsreihe ist die talmudisch-rabbinische. Es ist das Verdienst des durch seine früheren Veröffentlichungen rühmlich bekannten jüdischen Quellenforschers Moritz Zobel diese Texte als erster in deutscher Edition vorzulegen. In seinem Buche „Gottes Gesalbter / Der Messias und die messianische Zeit in Talmud und Midrasch“ (Berlin 1938, Bücherei des Schocken-Verlages, Nr. 90/91, 192 S.) stellt Zobel nach inhaltlichen Gesichtspunkten aus der weitverzweigten talmudisch-midraschischen Literatur alle jene Quellen zusammen, die sich unmittelbar auf den Messias und sein Reich beziehen, und versieht die vorzüglich verdeutschten Texte mit erläuternden Vorbemerkungen und Fussnoten, die dem Laien den Zugang zu diesen Zeugnissen einer seltsam versponnenen Welt erleichtern. In der von tiefer Sachkenntnis getragenen Einleitung erläutert Zobel alle Bibelverse, welche die Grundlage der rabbinischen Exegese bilden. Denn gerade das Exegetische bildet die' Eigenart dieser Ueberlieferungen, die sich immer und überall an das Schriftwort anschliessen und an ihm sich zu erweisen suchen. Dieses ständige Bezugnehmen auf das Schriftwort allein ist allen diesen sehr unterschiedlichen und einander widersprechenden Aeusserungen der Tanaiten und Amoräer und späteren Gesetzeslehrer gemeinsam. Es gibt kein freies Denken oder Fabulieren in dieser Welt: noch das Phantastischste muss mit dem Worte der Schrift in Uebereinstimmung gebracht werden, auch wenn dabei der ursprüngliche und natürliche Sinn des Bibelwortes verloren geht. So finden sich Weisheit und Torheit, erschütternd glaubensstarke Legende und pseudologische Abstraktion, Mystik und Rationalismus, Magie und Ethik eng beieinander und ihrer aller Wurzel ist das Wort der Schrift. In einem Anhang ergänzt Zobel die talmudischen und midraschischen Texte noch durch messianische Stellen aus der älteren (vor mittelalterlichen) Liturgie. Was in den Gesprächen und Erzählungen der Weisen Gegenstand gelehrter Kontroverse war, verdichtet sich hier zu lebendigem Glaubensgut und unverlierbarer Heilsgewissheit, die trostreich und beflügelnd noch heute Millionen betender Juden innerster Besitz ist. — Den Schluss des Bandes bildet einAbschnitt „Die Messiaslehre im nachtalmudischen Schrifttum“. Zwei charakteristische Auszüge aus dem „Sefer ha-Emunot weha-Deot“ des Gaon Saadja (Anfang des 10. Jahrh.) und der „Mischneh Thora“ des Maimonides (12. Jahrh.) zeigen die Weiterbildung der talmudischen Ueberlieferung sowohl nach der mystisch-religionsphilosophischen Seite wie nach der dogmatisch-rationalistischen hin. Zu bedauern ist einzig, dass die esoterische Richtung der Kabbala in Zobels Werk keinen Raum mehr fand. Gerade die heutige katastrophenreiche Situation des jüdischen Volkes macht Viele von uns besonders aufgeschlossen für jene Verheissungen des Trostes und der Erlösung, die, geboren aus analogen Situationen, in dem heutigen Juden oft mehr zu wecken vermögen als nur wissenschaftliches Interesse. Schalom Ben-Ghorin Friedrich Ollendorff *— Ein Fünfzigjähriger Am 14. März 1939 feierte Friedrich Ollendorff in Jerusalem seinen 50ten Geburtstag. Ollendorff wurde zunächst in weiten jüdischen Kreisen von seiner Arbeit in der Zentrdlwohlfahrtsstelle der deutschen Juden bekannt, die er im Jahre 1917 mitbegründete und deren Leiter er in den Jahren 1927—1934 war. Ollendorff hat sich schon in einer Zeit der jüdischen Arbeit hauptberuflich zur Verfügung gestellt, wo dieser Schritt in „die Enge des jüdischen Lebens“ einen Verzicht auf Aufstiegsmöglichkeiten und Einfluss darstellte. Der Uebergang in die jüdische. Arbeit war bestimmt durch den Willen, alle seine Kräfte ganz in den Dienst des eigenen Volkes zu stellen. Im Dezember 1934 vollzog Ollendorff den längst vor den Ereignissen in Deutschland innerlich vorbereiteten Schritt noch stärker ins Zentrum jüdischen Lebens — nach Erez Israel. Auch hier konnte er wichtige Anregungen für die Sozialarbeit geben—die Einführung der „blauen Karte“ als eines der Finanzierungsinstrumente der jüdischen Wohlfahrtspflege, ist ebenso in Deutschland als auch in Palästina neben anderen wichtigen Anregungen sein Werk. Friedrich Ollendorff ist der seltene Typ des geborenen Sozialarbeiters mit einem unbegrenzten Willen zu helfen, .aufgeschlossen der Not jedes einzelnen, ein Bruder der Armen, ohne die geschützte Zone, die der welterfahrene, routinierte Fürsorger um sich zu errichten weiss. Möge ihm im Jischuw noch reiche fruchtbare Arbeit auf einem Gebiet, das gerade in dieser Zeit immer wichtiger wird, vergönnt sein. Georg Lubinski. _Schluss des redaktionellen Teils Publisher and Editor; Dr. Robert Weltseh, Jerusalem Le gerant: Raymond Laine, Paris. — Printed at The Jerusalem Press Ltd., Jerusalem.

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