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Ein volkstümliches Judentum mit Traditionen und brüderlicher Hilfsbereitschaft, aber seit langem ohne Geschichte und Schicksal. Kommt man nach Deutschland und aus Palästina, so ist es, als sei man aus dem Raum jüdischer Geschichte in den Raum jüdischen Schicksals eingetreten. Beide Länder rücken zusammen: 114
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Von Palästina nach Deutschland was zwischen ihnen war, Italien, Frankreich, selbst England, sinkt zurück. Palästina und Deutschland sind heute die beiden Gegenpole der erkennbaren jüdischen Welt (denn das Jüdische in Rußland, soweit es noch vorhanden sein mag, läßt sich nicht erkennen). Und wenn der Arbeiter in Palästina ein neues Gesicht bekommen hat, weil er wieder aktiv jüdische Geschichte formt, so der Beter in den nun wieder überfüllten Synagogen Deutschlands, weil er ein Schicksal trägt.
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Ernst Simon: Von Palästina nach Deutschland sehen zweifellos geschehen ist. Statt dessen äußerten sich extreme Stimmen und fanden Gehör; einander aufs äußerste widersprechend und doch identisch in der Wurzel einer Entjudungstendenz, die einmal den Einzelnen und das andere Mal die Gemeinschaft meint und bedroht Die eine Stimme sucht sich mit aller Gewalt verlorener Liebesmüh dem Dritten Reich aufzudrängen, als sei dessen Judenfeindschaft ein Zufall und nicht tief im System begründet; die anderen suchen dessen herrschende Gedankengänge im jüdischen Bezirk gleichsam zu kopieren und schrecken selbst vor einer Umdeutung unserer Bibel in diesem Sinne nicht zurück, als habe nicht jedes Volk, und insbesondere das unsere, seine eigenen Gesetze des Werdens und Seins. Die einen bemühen sich um einen Kulturbetrieb, der eine bestimmte, wenn auch noch so humane Stufe des Deutschtums verabsolviert, und die anderen begnügen sich oft mit einem hastigen hebräischen Sprechdrill, der weder hier noch in Palästina zu einer kulturfähigen Sprache führen kann. Die einen fordern eine „zweite Emanzipation", ohne deren Eigenart unter so veränderten Verhältnissen deutlich zu bestimmen, und die anderen lehnen sie manchmal mit dem Hinweis auf Palästina ab, ohne ein konstruktives, eindeutiges Programm dafür hinzustellen, wie sie sich das Schicksal der Hunderttausende vorstellen, die auch in Zukunft in Deutschland leben mögen.
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Aber noch mehr: ein jüdisches Palästina, das seine äußere und innere Situation besser als bisher begreifen wird, muß einsehen lernen, daß auch seine aktive Geschichtsmächtigkeit in Wahrheit als ein Stück Schicksal begrenzt und eingefaßt ist, und die deutschen Juden könnte fromme Selbsterkenntnis lehren, aus dem Schicksal, das ihnen auferlegt ward, ein Stück der wahren Geschichte Israels zu formen. … Wir deutschen Juden sind auf der Suche nach neuen jüdischen Lebensformen. Die durch die Polarität Diaspora — Palästina wirksam werdenden Kräfte sind fruchtbar zu machen. Eine - besondere Bedeutung kommt dabei der religiösen Idee zu, und hier wiederum der Frage, wie weit religiöses Sein und Leben in Palästina gemeinschaftsformende Kraft für das deutsche Judentum haben kann. 117
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Das Wohnungsbauproblem in Palästina 401 Von Dr. Alfred Bonne\ Vorb. d. Red.: Obzwar wir über diesen Gegenstand schon zwei Arbeiten veröffentlicht haben, geben wir angesichts der Wichtigkeit und Aktualität des Themas dieser umfangreichen Arbeit unseres geschätzten Mitarbeiters gerne Raum. … Im Vergleich mit, anderen Ländern gleicher Größe und Einwohnerzahl zeigt Palästina seit einigen Jahren eine ganz außergewöhnlich starke Baubewegung1. Ein einziger Vergleich der Ziffern mit denen des Auslandes ist bereits instruktiv genug, um den exzeptionellen Charakter der Bautätigkeit in Palästina erkennen zu lassen.
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Nehmen wir Deutschland zum Vergleich', ein Land, in welchem die freie Bautätigkeit durch eine weitgehende staatliche Regulierung des Wohnungswesens sehr gehemmt war, wo also eine große Wohndichte zu erwarten gewesen wäre, so erhalten wir Ziffern, die die exzeptioSuellen Verhältnnisse in Palästina scharf beleuchten. Von allen Wohnungen waren dort nach der Reidhswohnungszählung 1927 nur 5,6 o/o mit mehr als zwei Personen pro Zimmer belegt, 30,9 o/0 enthielten zwischen 1,0 und 2,47,8 o/o zwischen 1/2 und 1 und 15,7 o/o der Wohnungen bis 1/2 Bewohner pro Zimmer. Schon die Tatsache der hohen Wohndichte läßt den Schluß zu, daß die Bautätigkeit in Palästina für absehbare Zeit anjhalten wird, bis ein günstigeres Verhältnis des Wohnraumbestandes zum Bedarf gegeben sein wird.
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Dabei ist hier noch, gar nicht an den Wohnbedarf der breiten unbemittelten Schichten, die in Palästina eine sehr starke Tendenz zur Errichtung von Eigenheimen zeigen, gedacht. Der Bau von Wohnungen für die unbemittelte oder gering bemittelte Bevölkerung setzt immer eine besonders günstige Beschaffung von Bauland voraus, weil die Mieter eben nur sehr niedrige Zinsraten entrichten können, d. h. also praktisch im wesentlichen nur das in ihren Wohnungen investierte Baukapital verzinsen können.
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Nachfolgend soll nun eine kurze Betrachtung der Entwicklung der Baupreise folgen. Die Baupreise in Palästina zeigen für die Periode der letzten 10 Jahre zwei deutliche Zyklen, von denen der erste seijnein Höhepunkt im Jahre 1925, der zweite i,m Jahre 1934 erreicht hat.
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Solange die Einwanderung überhaupt anhält, wird trotzdem nicht mit einem starken Abflauen der Wohnungsbau;- bewegung zu rechnen sein, da auch eine Verzinsung von 8o/o bei der Seltenheit ähnlicher Anlagemöglichkeiten in Palästina genug Attraktivkraft besitzt, um weiterhin die Bautätigkeit anzuregen. Eine Unterbrechung würde erst durch die vor allem psychologisch sehr bedeutsame Stockung der Einwanderung und die dadurch zur Auslösung kommende Vertrauenskrise eintreten.
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Bei einer auf der Höhe stehenden Bewirtschaftung genügen 10.000 Dunam Boden, um die 3000 Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen. (Die Beschaffenheit des Bodens ist in Palästina sehr verschieden. Es gibt Fälle, wo 18 Dunam für eine fünf köpf ige Familie genügen, ein anderesmal bei gemischter Wirtschaft fern der Stadtgrenzen braucht man aber bis 80 bis 100 Dunam. … (Dieser Markt wird in unserem Falle nicht der Inlandsmarkt, sondern fast ausschließlich der Weltmarkt sein, da die Siedlung fast alles, was man in Palästina erzeugen kann, für sich selbst produzieren wird.) Maschinelle und rationelle Arbeit vorausgesetzt, wird die Arbeitszeit immer mehr verkürzt und überhaupt die grobe Arbeit wird immer mehr erspart werden.
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