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  1. 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 703 · Vierhundert Jahre türkisches Palästina

    Vierhundert Jahre türkisches Palästina 703 D ie Türkei war ein europäischer Staat mit einer großen und einflußreichen Judenheit. Seit Kalif Omar (634) Jerusalem und ganz Syrien erobert hatte, war eine Scheidewand zwischen dem in Europa zerstreuten Judenvolk und dem einem asiatischen Reiche angegliederten Judenland errichtet. … Die große Judenheit Europas aber blieb so gut wie unbeteiligt an diesen Wallfahrten. Erst 1517 kam Palästina wieder an eine europäische Macht, die mit dem gesamten Judentum die lebhaftesten Handelsbeziehungen unterhielt und selbst eine große Judenheit besaß» Wie eine Vermittlerin war die Herrschaft Konstantinopels zwischen dem europäischen Judentum und dem asiatischen Palästina.

  2. 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 704 · Vierhundert Jahre türkisches Palästina

    Wie überall im 16. Jahrhundert bedeutete auch für Palästina die Einwanderung der spanischen und portugiesischen Juden den Beginn eines verheißungsvollen wirtschaftlichen Auflebens. … Palästina; das als herabgekommene Kolonie bis jetzt abseits der Heeresstraße der jüdischen geschichtlichen Entwicklung Jag, wurde plötzlich [zum Geisteszentrum des ganzen Volkes.

  3. 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 705 · Vierhundert Jahre türkisches Palästina

    Vierhundert Jahre türkisches Palästina TOS angewiesen ist? Hatte das Judentum seiner, Hoffnung die Treue nicht bewahrt, oder hatte die türkische Regierung später ihre Stellung zu den Juden geändert? … Warum gelang es aber trotzdern nicht, aus diesem ununterbrochenen Interesse der Judenheit an Palästina und dieser unveränderlich wohlwollenden Stellung der Türkei zu den Juden Großes und Dauerndes hervorzurufen? Warum blieb das Judentum trotzdem heimatlos, und weshalb liegt Palästina in seinen weitaus größten Teilen noch bis heute öde und unerschlossen?

  4. 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 706 · Vierhundert Jahre türkisches Palästina

    Auch später wurde seitens der Behörden nichts getan, um den Ruin des Landes aufzuhalten. Eher das Umgekehrte. Zwei Jahrhunderte lang war Palästina eigentlich von Konstantinopel völlig abgeschnitten und einem syrischen Satrapen ausgeliefert, der das einzige Ziel erstrebte, aus dem ihm anvertrauten Lande höhere Steuern und Abgaben zu erpressen. … Von der Willkür dieser „Statthalter" wissen die Annalen der Geschichte der Juden in Palästina manches Schauderhafte zu erzählen. Im Jahre 1625 verpachtete der Statthalter in Damaskus, dem die Abzahlungen der Juden unterstanden, die Herrschaft über Jerusalem einem Privatmann, Ibn Faruch, der später dieses Geschäft seinem Schwager, Othman Agga, vererbte.

  5. 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 707 · Vierhundert Jahre türkisches Palästina

    Vierhundert Jahre türkisches Palästina 707 nischeBewegungvonSabbataiZewiinsich,die die Regierung veranlassen durfte, gegen sie so, rigoros vorzugehen, ihren Führer' bis zur Verzweiflung und zum Verrat zu verhetzen, ihre bedeutendsten Männer in den Kerker zu schleudern und sie selbst in Bausch und Bogen auszumerzen? … Ein vernünftiger Schritt seitens der türkischen Regierung hätte aus dieser großen ekstatischen Bewegung ein Glück für das Judentum und einen Segen für Palästina erwachsen lassen können. Da trat aber das Mißtrauen an die Stelle der Einsicht, und die Bewegung artete in Verzweiflung und Unheil aus.

  6. 1917-01-01 · Heft 10-11 · p. 708 · Vierhundert Jahre türkisches Palästina

  7. 1918-01-10 · Heft 7 (10.1.1918) · p. Seite 165 · Zur Kolonisationsfrage in Palästina

    Die vorhandenen einzelnen Fachleute und die wenigen jüdischen Bauerni'amilien, die im Osten Europas in echt bäuerlichem Sinn auf ihrer, ihnen lieb gewordenen Scholle leben, können und dürfen nicht maßgebend sein für die Erwägung, welche Betriebsart bei der jüdischen Kolonisation in Palästina zu wählen sei, da sie ja nur eine Ausnahme bilden und nur wenige von diesen wenigen große Lust zur Auswanderung nach Palästina bezeugen. … Diese und solche Menschen können, sofort auf kleinbäuerliche Betriebe gesetzt, nie und immer sich und das Siedlungswerk in Palästina vorwärts bringen. Das nationale Judentum, das sich eine eigene Volksgemeinschaft gründen will, muß vorerst auch in bezug auf Berufseignung und Berufsschichtung, eine Regenerationsperiode durchmachen.

  8. 1918-01-10 · Heft 7 (10.1.1918) · p. Seite 166 · Zur Kolonisationsfrage in Palästina

    Auch dürfte es bestimmt weder gegen den Geist des Nationalismus, noch gegen die Zweckmäßigkeit an sich verstoßen, wenn aus nationalen Mitteln Lehrgüter in den Wirtsländern begründet würden, die, ohne Wohltätigkeit ausüben zu wollen, Gelegenheit zu gediegener Berufsausbildung bieten. In Palästina selbst ist ein System bester landwirtschaftlicher Lehranstalten und Wirtschaftsschulen zur Ausbildung praktischer Landwirte und tüchtiger Landfrauen durchzuführen. Die Leitung dieser praktischen Lehrstätten ist nur tüchtigen, bereits bewährten Fachleuten — in Ermangelung eigener Kräfte müssen hierfür Nichtjuden, auch unter Aufwendung größerer Geldmittel, gewonnen werden — zu übertragen. Ein Teil der bereits in Palästina vorhandenen Kolonistenstellen könnte ebenfalls als Lehrstätte benutzt werden. Bis jetzt war es eine harte Zumutung an den schon an sich knappen Geldbetrag des Kolonisten, neu in Palästina eingewanderte junge Leute als „Arbeiter44 zu beschäftigen und sie so zu entlohnen, daß ihnen ihr Auskommen gewährleistet war.

  9. 1918-01-10 · Heft 7 (10.1.1918) · p. Seite 167 · Zur Kolonisationsfrage in Palästina

    Der Einwanderer muß entweder vor seiner Auswanderung oder in Palästina erst durch physische Arbeit auf dem Acker seine Muskeln und Knochen stählen und zur Ausdauer geübt machen, muß erst den landwirtschaftlichen Beruf erlernen. … Gegenwärtig aber schon die Bauernkolonisation als vorwiegendes System der jüdischen Kolonisation zu empfehlen, halte ich für verfehlt, ja für Vcrdorbon bringend, trotz aller Theorien, alier glücklichen und unglücklichen Motivierungen, aller künstlich konstruierten und scheinbar empirisch festgestellten Tabellen und Berechnungen, und sogar für den glücklichen Fall, daß für die Palästina-Kolonisation gewaltige finanzielle Mittel zur Verfügung stehen sollten. Jetzt schon in der Hauptsache eine Bauernkolonisation in Palästina durchzuführen, hieße die Piramiden vom Gefildo Moph auf ihre Spitzen setzen wollen.

  10. 1918-01-10 · Heft 7 (10.1.1918) · p. Seite 168 · Zur Kolonisationsfrage in Palästina

  11. 1918-10-01 · Heft 10 (Oktober 1918) · p. 411 · Jüdische Rekrutierung in Palästina

    äftrrra. Reuter teilt in einem Längeren Telegramm mit, daß in Palästina mit der Rekrutierung unter der jüdischen Bevölkerung begonnen worden sei. — Das ist also die Befreiung, die England den Völkern bringt.

  12. 1920-01-01 · Heft 4 · p. 216 · Palästina und der Chassidismus

    Das Verhältnis des mystischen Judentums zu Palästina.ist geistiger, tiefsinniger, als das Verhalten des Gesetzesjudentums. Letzterem war Palästina nur das Mittel für das große Ziel, den heiligen Tempel zu errichten und die Mizwoth nach allen Regeln zu erfüllen. Dem mystischen Judentum dagegen ist Palästina an und für sich etwas Göttliches, Erhabenes. Diese andächtige Beziehung zu Palästina finden wir bei allen jüdischen Mystikern von den Messianisten und Kabbalisten bis zum Chassidismus des Baalschem.

  13. 1920-01-01 · Heft 4 · p. 220 · Palästina und der Chassidismus

    220 Felix Feltsch: der viele Gegner hatte, sowohl innerhalb als außerhalb der chassidischen Gemeinschaft Inzwischen wuchs die chassidische Gemeinde in Palästina. Es kamen noch Zaddikim mit ihrem Anhang hinzu. Die Chaluka entfaltete sich immer mehr. Im Jahre 1799 kam R. Nachman von Brazlaw nach Palästina, kehrte aber nach einem halben Jahr zu seinen Chassidim in der Diaspora zurück, die, von den anderen Chassidim isoliert, ihren Rebben schmerzlich vermißt hatten. … Sein Leben vor seiner Palästinareise betrachtete er als minderwertig und bat, seine vor dieser Reise geäußerten Lehren nicht aufzuschreiben, da sie unreif seien. Der Drang der Chassidim nach Palästina übertrifft denjenigen der anderen Juden. Unter den im letzten Jahrhundert Eingewanderten bilden die Chassidim die Mehrheit.

  14. 1920-01-01 · Heft 8-9 · p. 513 · Zur Araberfrage in Palästina

    BEMERKUNGEN Zur Araberfrage in Palästina Die Bemerkungen A. H. Castels über „Die Araber in Palästina" im Oktoberhefte des , Juden*' nötigen mich zu einer prinzipiellen Entgegnung. … Die nationalen Rechte der Araber in Syrien, Mesopotamien usw. (gehört dazu Palästina?) sind ebenso gerecht und heilig wie die Rechte unseres Volkes auf Palästina. Klar aber ist auch,

  15. 1920-01-01 · Heft 8-9 · p. 514 · Zur Araberfrage in Palästina

    514 Bemerkungen: Zur Araberfrage in Palästina ... daß die imperialistische arabische Nationalbewegung bei uns ebensowenig Sympathien finden kann, wie sie das bei der Entente vermochte." … Demgegenüber bin ich vollständig überzeugt, daß eine ruhig-vernünftige zlionistische Politik und ein verändertes psychologisches Verhalten unserer Palästinenser (auch der Arbeiter, die oft auch nicht das „Herrengefühl" den Arabern gegenüber verlieren) ein freundschaftliches Verhältnis in Palästina herbeiführen kann. Ein sehr wichtiger Schritt dazu ist die Aufklärung der arabischen Massen und das gemeinsame Vorgehen der jüdischen und arabischen Arbeiter, wie es hoffentlich der Poale-Zion in Angriff nehmen wird.

  16. 1920-01-01 · Heft 12 · p. 739 · Ein Brief aus Palästina

    Umschau: Frauenfragen 739 Frauen sich mit Recht dagegen wehren werden, wenn in Europa eine jüdische Frauen- Welt-Organisation gegründet wird, welche sich die Aufgabe stellt: Erziehung der Frauen in Palästina für das Haus und die Familie. Theoretisch klingt das sehr schön, und wer das palästinensische Leben nur oberflächlich kennt,wird tatsächlich finden,daß das Familienleben in Palästina dem in Europa üblichen ^nachsteht.

  17. 1920-01-01 · Heft 12 · p. 740 · Ein Brief aus Palästina

    Origineller ist eine Kwuzah, die von amerikanischen Christen (oder christlichen Amerikanern) gegründet ist Ihre Mitglieder gehören den verschiedensten Berufen an und haben verschiedenes Einkommen, leben aber alle gleich in eigenem Hause und haben eigene Garten-, Feld- und Hauswirtschaft* Sie sind verbunden durch das Ideal, das Reich Christi zu verwirklichen und kamen nach Palästina, weil sie sich hier stärker fühlen und die Idee besser verwirklichen können, Ich erwähne diese Kwuzoth aus dem Grunde, weil ich der Ansicht bin, daß ähnliche Gemeinwesen unter der städtischen Bevölkerung zu begründen eine viel edlere, zweckmäßigere und segensreichere Aufgabe einer gut begründeten Frauenorganisation sein müßte als die gebräuchliche. … Mag meine Antwort auch nicht eben freundlich klingen, so ist sie doch ehrlich gemeint und im Grunde werden viele Frauen Palästinas die gegründete Organisation begrüßen; wenn sie nur die erste Pflicht erfüllt, — nicht abgetragene, fremde Sitten nach Palästina einzuschleppen. Margalit Ob>rnik (Haifa),

  18. 1920-01-01 · Heft 4 · p. 215 · Palästina und der Chassidismus

    S. A. Horodezky: Palästina und der Chassidismus 215 S. A HORODEZKY/ PALÄSTINA UND DER CHASSIDISMUS Palästina war stets das Sinnen und Trachten des Judentums. … Wie „der irdische Tempel dem himmlischen Tempel entspricht" (Talmud), so gleicht das irdische Palästina dem himmlischen. Schon der frühe jüdische Mystiker behauptete: „Palästina wird sich über alle Länder ausdehnen. Denn alle Länder v/erden von Erez Israel genährt und haben ihren Bestand nur aus ihm.

  19. 1920-01-01 · Heft 4 · p. 217 · Palästina und der Chassidismus

    Der Chassidismus, wußten sie, kann nur dann zur vollen Entfaltung gelangen und das Judentum läuternd beeinflussen, wenn er die Atmosphäre Palästinas in sich aufnimmt. Zweimal war bereits Palästina geistiges Zentrum für die Diaspora. Das erste Mal etwa zweihundert Jahre vor der Zerstörung des zweiten Tempels, als die in verschiedenen Ländern zerstreuten Juden ihre gesamte geistige Nahrung aus Palästina empfingen, und das zweite Mal im fünfzehnten Jahrhundert nach der Verbannung aus Spanien, als Palästina zum Hauptzentrum der Kabbala wurde. … Gerschon vier Jahre nach dem Tode R. Chajims nach Palästina kam, empfingen ihn die Palästinenser Juden

  20. 1920-01-01 · Heft 4 · p. 218 · Palästina und der Chassidismus

    Jakob-Josef von Polonne, nach Palästina zu gehen. Er, der Apostel der neuen Lehre, war durch seine darstellerische Begabung dazu berufen, Palästina für den Chassidismus zu gewinnen. … Selbst die Sephardim, die sonst den Aschkenasim fernstanden, sahen in den Angekommenen Fortsetzer der jüdischen Mystik und lauschten den chassidischen Vorträgen des R. Mendel. R. Mendel wurde die führende Persönlichkeit in Palästina. Er hatte das Gefühl, von nun ab werde die Lehre des Chassidismus sich von Palästina