Mannheim
Compact Memory
55 pagesSort: relevance · oldest first · newest first
Pages per year (click a year to narrow down)
52
189819221947
  1. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 169

    Hingegen sind neue Colonien — in Anbetracht der angeführten Momente — nur aus dem gegenwärtig in Palästina vorhandenen Menschenmateriale zu gründen, wrobei selbstredend.von keinerlei illegalen, unrechtlichen Mitteln Gebrauch zu machen ist. … Die aus dem in Palästina gegenwärtig vorhandenen Menschenmateriale zu gründenden Colonien sollen nur auf Grundlage freier genossenschaftlicher Organisation errichtet werden. i»

  2. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 182

    Obwohl ich nicht officiell Delegierter bin, habe ich doch den bestimmten Auftrag von unseren Brüdern und Gesinnungsgenossen in Palästina, zu erklären, dass wir auf demselben Standpunkt stehen, den» die Zionisten in der ganzen Welt einnehmen, und dies hier auf dem Congress zum Ausdruck zu bringen. … Wir müssen uns klar machen, dass die Colonisation nicht nur im Ackerbau besteht, sondern dass jeder Jude ein Colonist ist, der nach Palästina auswandert. In dieser Beziehung ist schon Manches geschehen. Wenn wir bis jetzt keinen Erfolg hatten, so möchte ich demgegenüber hinweisen, dass nicht blos 6- bis 7000 Colonisten in Palästina sind, sondern dass wrir viel mehr Colonisten haben, dass jeder Jude in Palästina ein Colonist ist.

  3. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 181

    Ich will nicht über die Kolonisation sprechen, da ich noch nicht solange in Palästina, bin, wie die Herren, welche heute schon so ausführlich darüber gesprochen haben. Darum kann ich mir nicht erlautfen, mit diesem Zahlenmaterial Ihnen vor die Augen zu treten, wie melüe Vorredner. … Ich glaube, dass ein Vertreter Palästinas die Pflicht hat, obwrohl wir uns durchaus frei halten von Vergötterung, jener alten Kampfer zu gedenken, welche für Palästina kämpften, und wir müssen sagen, dass wir nicht in Palästina wären, wenn nicht jene für uns gewirkt hätten. Ich muss daran erinnern, weil vergessen wurde, dass zwei rumänische Zionisten hier an- ♦

  4. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 172

    172 — , Die ersten, die infolge des neu belebten Dranges 1882 nach Palästina auswanderten, waren tbeils Familien, die einige Mittel besassen und geglaubt hatten, sich selbstständig dort ansiedeln zu können; theils junge Männer, die von nationaler Begeisterung erfasst, ohne praktische Ziele nach dem heiligen Lande reisten. … Im Auftrage des Verbandes reiste K. W, Wiss otzky im Frühjahr 1885 nach Palästina und auf Grund seines Berichtes wurden die drei Colonieen Petach Tikwa, Gadra und Jessud hemaale zur Unterstützung empfohlen.

  5. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 92

    Diese Garantieleistung Palästinas ist ein so grosser Vorzug, dass es schon durch ihn allein zum einzig in Betracht kommenden Lande wird. . Aber es spricht noch etwas für Palästina. Auch bezüglich seiner läuft, wie beim Zionismus überhaupt, neben dem Nutzen für die Juden selbst ein solcher für die Menschheit. … Dennoch werden Einwände auch speciell gegen Palästina gemacht. Entsprechend dem concreteren Gegenstand des Angriffes, wird hier aus der geschichtsphilosopliischen Willkürlichkeit die praktische Unmöglichkeit.

  6. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 141

    werden und wird zur Hebung ihres nationalen Selbstbewusstseins und zur politischen Erziehung viel beitragen. Für diese Generation wird Palästina aufhören ein leerer Schall zu sein, der weder zur Seele noch zur Vernunft spricht, ein leeres, nichtssagendes Wort des alltäglichen Gewohnheitsgebetes. … Auch jetzt, ohne genügenden Glauben an die Palästinaidee, ohne noch die Hoffnung auf seine politische Zukunft zu besitzsn, interessiert sich das jüdische Yolk sehr lebhaft für die palästinensischen Colonien; nur fühlt es sich yon ihrer Unselbständigkeit peinlich berührt, den Absichten der machthabenden Barone misstrauend. Die Frage, wie Palästina fär uns zu bekommen wäre, interessiert sämmtliche Zionisten auf das Lebhafteste. Die einen glauben nur an die allmälige, langsame Colonisation, die Infiltration des Landes, Die andere Partei, ohne sich als Gegnerin der Colonisation zu erklären, ist der Meinung, dass die Colonisation sistiert werden und dass die ganze Thätigkeit dahin gerichtet sein müsse, Palästina von der hohen Pforte zu bekommen, um daselbst einen jüdischen autonomen, von der Türkei abhängigen Staat zu gründen und sämmtliche Mächte Europas für diesen Plan zu gewinnen.

  7. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 142

    Die Frage der politischen Selbständigkeit in Palästina scheint also nicht die Frage der allernächsten Zukunft zusein. Es ist Yiel hiebt auch besser so. Wir haben schon oben erwähnt, dass unserem Volke eine jüdische politische Erziehung abgeht. Würde uns Palästina sogleich überlassen, so würde wahrscheinlich ein am wenigsten wünschenswertes Element des jüdischen Volkes dahin gelangen.

  8. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 179

    Viele Rohproducte oder nur Halbfabrieate werden nach Europa exportiert, anstatt im Lande zu marktfähigen Artikeln verarbeitet zu werden. Arbeit ist in Palästina billig und das Land bietet für nutzbringende Capitalsanlagen ein weites Feld. Die Entwickelung von Industrie und Handel in Palästina ist ausserordentlich vielversprechend. … Einsetzung einer Gommission zur Prüfung des bestehenden Cbaluka^ystems und der palästinensischen Arbeiterverhältnisse durch Sachverständige aus verschiedenen Ländern und auf Grund ihrer Berichterstattung womöglich Vereinbarung mit den Palästina-Vereinen und der I. C. A., betreffs Verwirklichung der vorzunehmenden Reform* 2. Als vorbereitender Schritt zur Erzielung des für die Colonisation Palästinas absolut unentbehi liehen gesicherten Rechtszustandes, sei eine Rechtsschutzbehörde (aus europäischen Zionisten, die das tütkisohe Recht kennen) zu schaffen.

  9. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 1

    Karl Lippe (Jassy): Vor ungefähr siebzehn Jahren erhielt ich von einem hebräischen Literaten, Namens A.kiwa Chaschmal, ein Schreiben, worin er mir anzeigte, dass ein gewisser Lazar Rokeach aus Safed in Palästina nach Rumänien gekommen sei, um für die Bildung von jüdischen Colonien in Palästina zu agitieren. Bald darauf wurde ich in einem bescheidenen Zimmer in einer Jassy er Vorstadt beauftragt, für diese Sache in Wort und Schrift Stimmung zu machen. … Das Resultat dieser Propaganda waren die ersten zwei Colonien aus Rumänien in Palästina, Sichron Jacob und Rosch Pinah. Als diese Colonien in bessere Hände übergingen, hörte unser Comite zu bestehen auf.

  10. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 175

    / — 175 - welche Industrieen mit Erfolg nach Palästina yerpflanzt werden konnten. Die zweckmässige Erweiterung der Colonisation bedarf jedenfalls eines zielbewussten Vorgehens, yor Allem aber gewisser juristischer Reformen oder solcher besonderer Privilegien, wie sie der Congress Tom Wohlwollen S. … Präsident: Herr Adam Rosenberg hat das Wort zu einem Referate über die Zustände in Palästina. Adam Rosenberg: Ich werde Sie nicht lange aufhalten, sondern direct auf mein Ziel lossteuern. Die landwirtschaftlichen Natur*Producte Palästinas lassen sich, wie folgt, kurz zusammenfassen* Palästina erzeugt Früchte der mitteleuropäischen, subtropischen und tropischen Klimate* Die erstgenannten Arten finden sich in den höher gelegenen Landestheilen (Libanon, Ober-Galilea nnd dem jüdischen Hochlande).

  11. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 107

    Die zionistische Colonisationsbewegung ist fast 17 Jahre praktisch thätig. Kaum 7000 jüdische Bauern sind während dieser Zeit in Palästina angesiedelt worden, während innerhalb derselben Frist von Eussland über 1,000.000 Juden auswanderten1) und nach New- York allein alljährlich 30.000 russische Juden einwanderten.2) Die bisherigen kleinen Erfolge sind auch nicht ein Werk der „Praktiker", sondern hauptsächlich des bekannten Protectors und theilweise auch der Palästina-Golonisationsgesellschaft in Kussland* Die Praktiker haben daher kein Eecht von ihren „praktischen" Erfolgen zu sprechen. Sie konnten auch nichts mehr erreichen. Eine BauernanSiedlung in Palästina ist überhaupt thörichter als edel „wenn sie ohne völkerrechtliche Garantie geschieht3) Die „politischen Zustände" sind die Hauptschwierigkeit für die Colonisation Palästinas4) und der Mangel an Sicherheit ist das Hindernis, sich einer intensiven Bodencultur In diesem so reichen und von Natur begünstigten Lande zu widmen",5) Irgend'ein Erlass genüge, „um der ganzen Colonisation und Emigration ein Ende zu machen".6) Die zweite Gruppe besteht aus den Einerseits- und Andererseits-Juden.

  12. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 91

    An dieses kann nun jeder, der nicht justament eine Schwarz-auf-Weiss-Bürgschaft verlangt, den sicheren Glauben knüpfen, dass sich schon irgend ein passendes Erdenwinkelchen werde finden lassen. Der Zionismus geht aber weiter. Er verlangt gerade Palästina. Darum müssen wir auch noch diese Forderung, namentlich nach der culturgeschichtlichen Seite hin, begründen. Man kann dieselbe natürlich vom Standpunkte reinsten Gefühles erheben, und es besteht kein Zweifel, dass sich ein grosser Theii der Zionisten hieböi wirklich nur von Gefühlen leiten lässt. … Und so könnten die Vorkämpfer eines jüdischen Gemeinwesens mit Recht gegen Palästina sein, wenn sich trotz der für dieses Land im jüdischen Volke, vielleicht sogar in ihnen selbst vorhandenen Gefühle mit denselben schlechterdings nichts aufangen liesse.

  13. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 140

    Ausser den allgemeinen Schulen haben die Ortsgruppen für eine genügende Anzahl yon Ackerbau- und Gewerbeschulen zu sorgen, deren Zöglinge, im palästinensischen Geiste erzogen, im Stande wären, in der nächsten Zukunft nach Palästina auszuwandern, um daselbst musterhafte Ackerbaucolonien, wie auch Gewerbe- und Fabriksanlagen zu gründen. In all diesen Schulen soll das Programm, welches für jeden Schultypus besonders ausgearbeitet wird, zwei Unterrichtsgegenstände unbedingt enthalten und zwar ä) die hebräische Sprache als Umgangssprache und b) Palästinakunde. Letzterer Gegenstand soll die Summe sämmtlichen bis jetzt erworbenen und noch zu erwerbenden Wissens über Palästina umfassen. Das genaue und eingehende Studium dieses Gegenstandes wird nicht nur für diejenigen nützlich sein, die nach Palästina auszuwandern gedenken, sondern wird auch zum besten Agitationsmittel der zionistischen Idee für die heranwachsende Jugend und für die derselben nahestehenden Personen

  14. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 143

    Diese unsere Nachkommen werden alle ihre » Kräfte dazu verwenden, um sich selbst in Palästina anzusiedeln. So muss denn der Congress ausser dem „geistigen Centrumtt auch noch ein Comitö für die Colonisation Palästinas wählen, dem nach ausgearbeiteten Statuten sämmtliche Colonisationsvereine aller Länder subordiniert sein sollen. Dieses Comite hat das Land Palästina genau und im Detail zu studieren, mit Hilfe der Colonisationsvereine grössere, für den Ackerbau taugliche Landstrecken anzukaufen und daselbst zuerst eine Anzahl von Colonien mit den jetzt in Europa und Palästina tauglichen Juden zu gründen.

  15. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 144

    Die erste Aufgabe desselben wird sein, auf irgend einem Wege bei der türkischen Regierung die Erlaubnis, in Palästina Colonien zu gründen, zu erwirken und für diese Colonien derartige Privilegien zu erhalten, welche sie unabhängig von der Willkür der dortigen türkischen Administration machen. … Es ist zu erwarten, dass nach einer gewissen Anzahl von Jahren, im schlimmsten Falle nach Jahrzehnten, wenn auf diese Weise die jüdische Bevölkerung Palästinas sich bedeutend vergrössert haben wird, wenn in Palästina zahlreiche, vielleicht hunderte jüdische Colonien, jüdische Fabriken und Werkstätten, Industrie und Handel ii? den Händen einer kräftigen, national-politisch erzogenen jüdischen Bevölkerung vorhanden sein uüd auch der grösste Theil der Juden anderer Länder eine mächtige, nach ihrem Centrum Palästina strebende Partei bildeii wird, — dass dann das politische Comite im Stande sein wird, die Palästinafrage einem Congresse der Grossmächte in ganz anderem Lichte darzustellen und sich den günstigen Ausgang seiner Bestrebungen vollständig zu sichern.

  16. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 145

    Rothschild, als sie zuerst ihre blutigen Nägel in den heimatlichen Boden senkten, und ihr Muth und ihre Begeisterung hätten noch für genügende Zeit ausgereicht, um mit eigenem Schweisse und Blute den heiligen Boden von der grossen Sünde der Verlassenheit und Unfruchtbarkeit zu reinigen. Hätten wir nicht einen, sondern viele wohlthätige, für Palästina empfindende, sehr reiche Leute, wie es Baron von Rothschild ist, wir könnten vielleicht nicht nur auf 10—20, sondern auf hunderte blühender Colonien in Palästina mit Stolz hinweisen. Wir hätten aber auch dann in Palästina einige Dutzend reicher Grossgrundbesitzer und gar kein Ackerbauvolk. Es wäre nicht anders wie jetzt, wo die Colonisten des Barons nicht wissen, was ihnen gehört und was ihrem Wohlthäter, von dessen Willen sie alle zusammen und jeder Einzelne ganz und gar abhängig sind.

  17. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 79

    Ich erkläre im Namen aller Ungarn, dass, so lange 1 wir nicht in Palästina einrücken, wir gute ungarische Patrioten bleiben. "Wenn wir in Palästina einrücken, so werden wir dort ebenso gute Patrioten werden, als wir heute ungarische Patrioten I öind. … Mein Ideal nämlich ist das, dass ich glaube, > dass, wenn der ungarische Jude nach Palästina auswandert, dass r ihn dorthin ein Dankgefühl gegen sein einstiges Vaterland ziehen wird. Ich wünsche allen Juden aller Länder, dass sie solche

  18. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 180

    Es ist zusammengesetzt aus Delegierten der bestehenden westeuropäischen Palästina-Vereine, d. h. Vertrauensmännern. Wenn z. B. der deutsche Verein mit 2500 Mitgliedern seine Delegierten in das Centralcomite zu Paris wählt, so kann ich nicht ersehen, was da oiigarchisch erscheinen soll. … Der Vertriebder Handelsproducte Palästinas in Europa ist auch eine Cardinalfrage für die weitere Colonisation. Palästina bringt sehr

  19. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 117

    Als das Grosse des Zionismus geschwunden, schwand auch die Begeisterung. ( Welche Garantien haben wir nunmehr, wenn wir nicht von vornherein ein festes .Programm annehmen, in welchem steht, dass wir eine „völkerrechtlich gesicherte Heimstätte" in Palästina zu gründen suchen, dass sich unsere Taktik nicht ändert? Vor denen brauchen wir uns nicht zu scheuen, wrelche deswegen zurücktreten, weil sie zu feig sind und nicht den Muth haben, uns zu folgen, denn diese haben uns bis jetzt keinen grossen Nutzen gebracht. … Daher sage ich: Alle diese Verheimlichungen sind nur Selbsttäuschung derer, welche glauben, die türkische Eegierung wisse nicht, dass wir uns in Palästina ansiedeln und ein politisches Nationalleben beginnen wollen. Sie muss es wissen; denn gerade mit ihr soll der grosse zionistische Bund in Beziehungen und.

  20. 1898-01-01 · 29. bis 31. August 1897 · p. Seite 186

    Bedenken Sie, meine Herren, dass die Erziehungsverhältnisse in Palästina es gebieterisch erfordern, dass wir dem dortigen Schulwesen besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Die im Orient von der Pariser „ illiance" gegründeten Schulen sind meistenteils Pflegestätten französischer Assimilation. … Mir liegen mehrere Berichte von zuverlässigen Seiten aus Palästina vor, welche alle darin übereinstimmen, dass in den Allianzschulen der französische Geist, und die Pflege der französischen Sprache vorherrschen.