Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 413)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476286--7425-3483573- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ussischkin 275 Der Prozentsatz der Ausgaben in der ganzen Welt für die letzten zwei Jahre beträgt durchschnittlich 25 Prozent. In einzelnen Ländern sind die Ausgaben bedeutend geringer. Ich möchte zwei Länder erwähnen, die in diesem Sinne die besten sind. Es sind Südafrika und Belgien. Der Prozentsatz der Ausgaben betrug dort in den letzten zwei Jahren weniger als zehn Prozent. Alle unsere Einnahmen kommen aus den Sammelarten, die bekannt sind: die Büchse, das Goldene Buch, die Gelegenheitsspende, die Baumspende usw. Besonders wichtig für unsere Sammlungen ist es, wer sie durchführt. Wenn wir eine richtige Sammlerarmee hätten, so könnten wir unsere Sammlungen um das Zweifache, Dreifache, ja Vierfache vergrössern. In unserer Sammlerarmee finden wir leider nur sehr selten den erwachsenen Zionisten, der eine gewisse soziale Stellung in der Gesellschaft einnimmt. Von ihm können wir eine Begrüssung, eine Unterschrift für einen Brief, eine Gratulation bekommen, er wird zu einem feierlichen Meeting erscheinen, aber die schwere tagtägliche Arbeit lastet auf der Jugend. Und wenn man von der Zukunft spricht, muss man ernst daran denken, wie man den jüdischen Baalbos, den Mann der Gesellschaft, nicht nur als Spender gewinnt, sondern auch als Sammler, als Mitarbeiter für den Keren Kajemeth. Sie kennen doch die Psychologie der Juden. Wenn der Jude eine Spende gibt, gibt er zehn Prozent der Sache und neunzig Prozent dem Sammler. Ob das gut oder schlecht ist, das ist eine andere Sache. Aber es ist eine Tatsache. Wir haben in diesen zwei Jahren unsere Sammeltätigkeit in derselben Art wie früher geführt, durch Propaganda, Broschüren und dergleichen. Ueberdies aber haben wir in der abgelaufenen Periode noch eine spezielle Propagandaart eingeführt: Wir haben in unserem Zentralbureau eine Abteilung für die Jugend geschaffen. Dafür haben wir eine besondere Bibliothek geschaffen und überdies den Weg gefunden, den meisten Schulen Material zuzuschicken, durch welches die Jugend zur Liebe und zum Verständnis für die Arbeit am Aufbau unseres Landes erzogen werden soll. Diese Tätigkeit, welche kaum ein und ein halbes Jahr geleistet wird, hat grosse Aufmerksamkeit in der zionistischen Welt gewonnen. In einem ausführlichen Berichte, den die Exekutive in London darüber an das Aktionskomitee versendet, ist auf die Wichtigkeit dieser Arbeit hingewiesen. Die Arbeit hat, wie alles, was begonnen wird, noch viele Fehler. Einer der Hauptfehler, den wir selbst kennen und doch bis heute nicht beseitigen konnten, ist dieselbe Frage, die es ia unserem ganzen Leben gibt, die Sprachenfrage. Bis heute haben wir alle Materialien für die Jugendarbeit nur in unserer Sprache, im Hebräischen, gedruckt. Doch das genügt nicht. Wir bekommen von allen Ländern der Welt Aufforderungen, diese Bibliothek auch in verschiedenen anderen Sprachen, welche die Hauptsprachen unserer Jugend sind, herauszugeben, besonders in englischer und deutscher Sprache. In dieser Richtung haben wir noch nichts unternommen, aber das ist eine reine Geldfrage.