Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 333)
- Language
- German, English, Hebrew
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Gluska, Bernstein 195 Del. F. Bernstein (Holland — spricht deutsch): Der Präsident der Organisation, Herr Prof. Weizmann, hat sich darüber beklagt, dass er in der Debatte wenig Neues gehört hat und dass nur die alten Fragen wiederholt wurden, auf die man nur die alten Antworten geben kann. Gewiss ist das so; es sind sogar die alten Fragen gestellt worden, auf die nie eine Antwort gegeben wird, und die Debatte war nicht interessant, war oberflächlich, war, von sehr einzelnen Ausnahmen abgesehen, unbedeutend. Das kann aber niemanden wundern, da das Niveau der Beratschlagungen von den Referaten bestimmt wird, die sie einleiten, und diese Referate hatten kein Niveau. Dr. Ruppin hat uns ein Referat gehalten, das weiter nichts war als eine sehr mittelmässige Keren-Hajessod-Propagandarede, und ein Bundesvorstand in Holland, der es wagen würde, der zionistischen Jahresversammlung ein derartiges Referat vorzusetzen, wäre unwiderruflich erledigt. Herr Prof. Brodetsky hat uns ein Referat gehalten, in dem uns die witzigen und teilweise geistreichen Einfälle und Ausfälle nicht über die gänzliche innere Leere seiner Ausführungen hinwegtäuschen konnten. Und doch schien Dr. Ruppin erst eine Art Anlauf zu nehmen, um uns etwas über die doch so nötige Klärung der zionistischen Gedankenwelt zu sagen, und doch versprach uns Prof. Brodetsky, in seinem Referat zu zeigen, wie wir in Zukunft die Zionistische Organisation stärken können und wie wir Propaganda führen sollen. Nun, das wäre wahrlich nicht überflüssig gewesen, denn jetzt, da die erweiterte Jewish Agency eine Tatsache ist, erhebt sich doch für jeden die Frage, ob die Zionistische Organisation noch weiter existenzfähig, d. h. existenzberechtigt ist. Das ist nicht nur darum fraglich, weil die Palästina-Kolonisation, das allerwichtigste Mittel zur Erreichung des zionistischen Zieles, dem direkten Einfluss der Zionistischen Organisation entzogen ist, sondern weil ja nun auch nicht mehr ohne weiteres einzusehen ist, auf Grund welcher Motive wir den Nichtzionisten auffordern können, Mitglied unserer Organisation zu werden. Was wollen Sie ihm sagen? Sie werden ihm von der Judennot reden, von den Verfolgungen, den Pogroms, der Entrechtung, der Zurücksetzung, der geistigen und kulturellen Not der Juden, und Sie werden ihm sagen, dass deswegen Palästina aufgebaut werden muss. Wie und in welchem Sinne und mit welchem Endziel, sagen Sie nicht; denn darüber wird bei uns nicht geredet, und der Mann ist noch so naiv, Sie gar nicht zu fragen, ob man mit diesem Aufbau, mit dem, was Sie jetzt in Palästina machen, auch wirklich die Uebel beheben werde, die Sie ihm so beredt geschildert haben; aber eines wird er Sie doch fragen: er hat gerade seinen nichtzionistischen Vertreter in die erweiterte Agency gewählt, die baut ja jetzt Palästina auf; wozu um Gottes willen soll er nun in die Zionistische Organisation hineingehen? Will man sich auf den Standpunkt stellen, dass die erweiterte Agency jetzt wirklich die Aufgabe der Zionistischen