Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 16 (1929) Zürich, 28. Juli bis 14. August 1929
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 235)
- Language
- German, English, Hebrew
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Arlosoroff 97 und unvorhergesehene Kräfte in den Kreis der Palästina-Aufbauarbeit einbezogen werden. Als dieser Prozess vor einigen Jahren einsetzte und die Palästina-Arbeiterbewegung sich in dieser Frage hinter Weizmann stellte, da gab es bei Freunden, die uns sonst auffassungsmässig nahestehen, Verwunderung und sie fragten: Wie könnt Ihr nicht die Gefahr sehen, die gerade für Euch in dieser Konstruktion liegt? Werdet Ihr nicht die ersten sein, die von ihr getroffen werden. Und ich habe damals schon geantwortet: Wir stellen uns in diesen Prozess ein. Erstens weil wir ihn nicht fürchten, weil wir wissen, dass die Lebensmacht der jüdischen Arbeit im Palästina-Aufbau so stark ist, dass sie sich durchsetzen muss bei allen, die überhaupt aktiv an Palästina teilnehmen wollen. Schliesslich. Ist es nicht wahr, dass wir auch im Zionistenkongress bisher immer eine Minorität gewesen sind, eine grosse und wachsende Minorität, aber doch eine Minorität? Und doch haben wir die Grundprinzipien der nationalen Kolonisation zum Gesamtgut der zionistischen Bewegung gemacht. Es gibt kein besseres Beispiel als die Verfassung der Agency, die wir im Aktionskomitee ausgekämpft haben. Zweitens, weil, wie ich damals schon sagte, wir von dem Heldentum des alten Daudetschen Helden, des Tartarin de Tarascon, nichts halten, von jenem, der bei sich zu Hause am Schreibtisch mit reinen Prinzipien sitzen bleibt, davon träumt, dass er Städte einnimmt und Siege und Triumphe feiert, ohne sich vom Schreibtisch zu erheben. Wir haben immer gesagt, wenn es Heldentum gibt im Kampfe, dann muss es sich im Kampf bewähren, was unsere Idee wert ist. Und ich zweifle nicht für einen Augenblick daran: Wir werden in der Jewish Agency das Gold der Ideen des arbeitenden Palästina bewähren! Deshalb ist die Agency für uns ein grosser historischer, gesellschaftlicher Prozess. Als ich gelesen habe, wie ein deutscher liberaler Rabbiner, kaum in die Agency gewählt, nach Warschau gefahren ist, um die Reste der polnischen Gemeindeassimilanten davon zu überzeugen, dass sie in die Agency eintreten sollen, so habe ich mir gesagt: er konnte doch zu ihnen nicht als deutscher Staatsbürger mosaischen Glaubens sprechen, er musste doch zu ihnen schon als Jude zu Juden und über eine grosse gemeinsame jüdische Aufgabe reden. Das alles ist keine Sache von Statuten und Paragraphen. Deshalb ist auch meiner Meinung nach das Spiel um die Auflösungsklausel sehr merkwürdig. Ich lasse mich nicht davon überzeugen, dass der Auflösungsklausel eine so welthistorische Bedeutung zukommt. Auflösung der Agency — heisst politischer Kriegszustand. Sollte einmal eine derartige Katastrophe eintreten und dieser soziale Prozess unterbrochen werden, dann ist dies nur denkbar als eine schwere und sehr gefährliche politische Krisis unseres Gesamtwerkes. An einem solchen Tage wird man doch nicht sagen können, dass diese Krise sich nach Paragraph soundso, Absatz 1—3, in diesen und nicht in anderen Geleisen abspielen muss. Es war für mich eigentlich das letzte Urteil über die Stellung der Opposition zur Agency, als ihre Argumente anfingen, rein juristisch zu werden. Wo in der poli-