Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 197)
- Language
- German
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mal in ihrem eigenen Haar am Sabbath in Schul gangen ist, hat sich zu wenig gethan in der „Gast"? zu wenig geredt hat man damals, was man Alles thun will? und was hat man gethan? Nichts hat man gethan; und heut! — wer redt heut' noch davon? Ich geb' Dir mein' Hand drauf, wenn Blümele das eigene »Haar tragen wird, von heut über ein Jahr redt kein Mensch mehr davon. Man thut sich an Alles gewöhnen! So sprach man in der „Gasse." Wie sah es aber in der Hochzeitsstube aus? Die Mutter war mit Hilfe von kaltem Wasser, Riechfläschchen, Limonien und dergleichen Belebungsmittel wieder ins Bewußtsein gebracht worden und hatte sich allmälig erholt. Was aber Jedermann wunderte und was Niemand begreifen konnte, am allerwenigsten die Schwiegertochter, war die Fassung der alten Frau. Keine Drohungen, keine Verwünschungen wie vor zehn Jahren, nichts von dem, sie sprach gar nicht davon, sondern ließ ruhig Alles,über sich ergehn; dem Drang der Verhältnisse schien sie sich zu fügen und ließ geschehen, was geschah. Die Kraft des Willensstärken Weibes schien, gebrochen; ihr harter Sinn an dem Widerstand des eigenen Kindes zerschellt. Die Ereignisse des Tages nahmen ihren ungestörten Verlauf. Mit Befremden aber sah man vor dem Gange zur Trauung Mutter und Tochter, wie es üblich ist, einander in die Arme fallen und heftige Thränen vergießen. Man hatte erwartet, daß die Mutter sich dieser Umarmung der widerspänstigen Tochter entziehen, werde, indessen schloß sie dieselbe mit einer Inbrunst an das Herz, wie