Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 111)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2609281-3183021--6777-3183800- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
76 Trotz Aschenflug und Rauch und Wrasen; Besonders aber war ich tüchtig auf dem Posten, Wenn's gält', die Speisen und die Brühen erst zu kosten. Und kämen Feste dann, mit schöner, heiterer Feier, Dann wäre meine Umsicht groß gar ungeheuer, Den rechten Schmuck zu wählen auch für Ohr und Hand Für Hals und Brust, für Locken und Gewand, Das Köstlichste an edlem Sammt und Seide, Das Kleidsamste an Putz und an Geschmeide, Aus voller Kehle heitere Triller singen Und wiegen, walzen, Hüpfen, jauchzen, springen. Wenn ich als Jungfrau dann zur Reife wär' gelangt, Entfaltet, üppiglich in Reizen hätt' geprangt, Welch Glück, wenn mir mein Gott gewogen, Und aus der Schicksalsurne ich ein Loos gezogen Das mir den Freier beut, deß' Herz entbrannt, Der schön und brav mir reichet Herz und Hand; Mit ihm vereint im treuen Seelenbunde, Wie hätt' er mich geliebt aus tiefstem Herzensgründe. Wie eine Fürstin lehnt' ich hingesloßen Auf weichem Pfühl von Liebereiz übergossen, Gehüllt in Sammt und Flor und reiche Seiden, Geschmückt mit Perlen und mit güldenen Geschmeiden, Die er verschwend'risch beut in Lieb' und Ehren, Die Wonnen mir und meinen Reiz zu mehren. Dann käm' der Tag der höchsten Seligkeit, Wo Priesterhand den Bund der Herzen weiht, Wer hätt' zu nennen sich das Hochgefühl getraut. Das durch das Herze wogt der schönen Braut?