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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-03 · Heft 1546 (3.6.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1546 (3.6.1923)
Date
1923-06-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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.Pest 1 Wiener Morgenzeitung. 3. Juni 1923 AÜL. Haben Sie schon Wiens populärsten Kapellmeister MAX GEIGER spielen gehört? Uenn nicht, dann besuchen Siete PRATERSTRASSE 251 Beschlagnahmtes österreichisches Gut im Ruhrgebiet. Ern Schritt der österreichischen Gesandtschaft in Paris. Paris, 2. Juni. In den besetzten Gebieten Deutschlands sind in den letzten Monaten anläßlich der Anforderung deutscher Waren und Rohstoffe zu Rostitutionszwecken von den okkupierenden Militärkommanden bedeutende Mengen österreichischen Holzes beschlagnahmt woiä>en. Die österreichische Gesandtschaft in Paris hat gegen die Maßnahmen stets van neuem in eindringlicher Weise bei der französischen Regierung Einspruch erhaben, die Freigabe österreichischen Gutes verlangt und die schwere Schädigung der österreichischen Volkswirtschaft geltend gemacht. Nach einigen entgegenkonunenden Zusicherungen und wiederholten Mitteilungen über die VerstäMgung der Militärbehörden von den einzelnen Beschwerdefällen hat die Gesandtschaft nunmehr durch eine eindringliche Zusanrnrerrfasiung ihrer Beschwerden ein Erklärung der französischen Regierung erwirkt, mit der in entgegenkommendem Tone eine wirksame Einflußnahme auf die alliierten Militärbehörden zugesichert wurde. Eine Kommission unter rechtskundiger Leitung, die ihre Tätigkeit bereits begonnen hat, prüft die Eigentumsrechte. Die Beschlagnahme und der Abtransport österreichischen Eigentums ist untersagt worden. Bezüglich der bereits beschlagnahmten und abtranSportierten Hotzmengen entscheidet di« Kommission, ob die Rückstellung oder eine Entschädigung angemessen erscheint. Das französische Ministerium des Aeußern hat die. besondere Aufmerksamkeit der Behörden auf die österreichischen Interessen gelenkt und glaubt, der Gesandtschaft bezüglich der Holzsendungen, die den Gegenstand ihrer Beschwerden bilden, bald volle Klarheit verschaffen zu können. Polen. Die Fronde in der Witor-Partek. Warschau, 2. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.^ Infolge der Demission des Generalstabschefs Pilsudski droht eine neue Spaltung in der Witos-Partei. Eine Gruppe von ostgalizischen Abgeordneten unter Führung des Abgeordneten Bryl soll gegen Witos in Opposition treten. Gerüchte besagen, daß Brhl von Witos für das Mmisterportefeuille für öffentliche Arbeiten vorgeschlagen war. Da dieses Portefeuille anderweitig, besetzt wurde, versucht Brhl, innerhalb der Witos-Partei eine oppositionelle Stimmung hervorzurufen. Das neue Kabinett könnte weitere Absplitterungen nicht vertragen, da seine Mehrheit sich nur auf drei stimmen stützt. Miisttm. Sic Politil des Wischen nationalen Helm«. Aus Jerusalem meldet I. C. B.: Am 27. Mai wurde das Heim des palästinensischen Oberrabbinates in Gegenwart des Mr. Harry Fisch! aus New-Dork, welcher die Mittel zur Erbauung deS Heims bereit gestellt hat, feierlich eröffnet. Der der Feier ^beiwohnende Oberkommiffär Sir Herbert Samuel erklärte, daß die Politik eines jüdischen nationalen Heims in Palästina für immer aufrecht erhalten bleiben werde. Mr. Fischl soll im Aufträge der Brandeis- Gruppe die Frage der weiteren Fianzierung des Häuserbaues in Palästina studieren. Ungarn. Me Bethlen seinen Pariser „Erfolg" machen wollte. Budapest, 2. Juni. (Tel. der „Wr..Morgenzeitung".) Wie erinnerlich, ließ die Regierung die ungarische Oeffentlichkeit noch einige Tage nach der Entscheidung der Reparationskommission im Unklaren über einige, für das Horth-Regime besonders peinliche Bedingungen der Sanierung. Als zwei Tage später die Verstümmelung der amtlichen Mitteilung der Reparationskonrmission bekannt wurde, veröffentlichte das Ungarische Telegraphen-Korrespondenzbureau eine weitschweifige Erklärung, wonach die Agence Havas aus Paris einen verstümmelten Text nach Budapest gesendet habe, und für die Fälschung daher die Pariser Agentur verantwortlich sei. Diese Erklärung des ungarischen Korrespondenzbureaus bildete bei der Agence Havas in Paris den. Gegenstand einer eingehenden Untersuchung. Es wurde fest ge stellt, daß die Agence Havas den vollständigen Text nach Budapest abgegeben habe- und daß auch unterwegs keine Verstümmelung der Depesche erfolgte. Diese konnte ausschließlich in Budapest verübt werden. Aus Grund dieser Feststellung richtete nun die Agence Havas eine Depesche an das Ungarische Telegraphen-KorresPondenzbureau und forderte von diesem die Veröffentlichung einer Erklärung in dem Sinne, daß die Agence Havas an der Verstümmelung keine Schuld trage, weil die fehlenden Teile des Textes in Budapest unterschlagen worden sind. Das Ungarische TelegraPhen-Korrespondenzbureau hat diese Richtigstellung bis heute abends nicht veröffentlicht. Das Ungarische Telegraphen-Korresponderizbureau ist in dieser Sache eigentlich gedeckt, weil die Verstümmelung des Textes nicht eigenmächtig von chm, sondern über Anordnung des M i n i st e r r a t s p r ä s i d i u m s vorgenommen worden ist. Infolge dieses Zwischenfalles gilt die Stelle des Presse-, chefs Dr. A n g y a n für erschüttert. Ein.Teil .der Presse greift ihn seit Tagen wegen dieser Angelegenheit und auch wegen anderen dilettantischen Fehlern an. Rundschau. bin rotzalWsches Komplott in Frankreich. Paris, 1. Jum. (Havas.) In wohlunierrichietn Kreisen wivd versichert, daß die polizeiliche Hausdurchsuchung bei dem Camebtt du Roh, der den Abgeordneten Moutot überfallen hatte, zur Aufdeckung wichtiger Dokumente geführt habe. Es handle sich hierbei um.den ausrüHrerischen Plan einer royakisti scheu Agitation in ganz Frankreich und um eine Liste von Persvulichkeiten, die an der Bewegung teilnchmen sollten. Sie notionalea MinorMen im litauischen Sejm. Kowno, 2. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die Exekutive des jüdischen Nationalrates hat eine Plenarsitzung des jüdischen Nationalrates einberufen, um die Taktik der jüdischen Abgeordneten im Sejm zu besprechen. In den nächsten Tagen erfolgt die Konstituierung des Jüdischen Klubs. Zum Vorsitzenden wird voraussichtlich Abgeordneter Rosenbaum gewählt werden. Die Abgeordneten der naüonalen Minderheiten dürften einen freien VerbandsämtlicherKlubsder nationalen Minderheiten schaffen, um im Sejm einheitlich vorzugehen. Tagesbericht. Rabbi Samuel Mohilewers MfnndzwomWer Todestag. (1824—1898.) Heule vor 25 Jahren, ist. einer der ersten .Schöpfer der modernen jüdischen Renaissancebswegung, Rabbi Samuel Mohilewer, gestorben. Samuel Mohilewer zählte zu den ersten zionistischen Vorkämpfern in Rußland. Wir finden ihn noch lange vor der Chibath-Zionbewegung in den Reihen jener» die. für die Kolmristerung der Juden in Erez Israel eine Propaganda entfalteten. Im Jahre 1882 begründete er in Warschau den ersten Verein, i>er zionistische Ziele verfolgte, und dem dann zahlreiche weitere Gründungen folgten. Als dann PinSker auf der Kattowrtzer Konferenz (1884) den Zusammenschluß der Chowewe-Zion-Organisation vollzog, half ihm Mohilewer, der auf der Konferenz eine nicht rmbedeuteude Rolle spielt« und den Altersvorsitz führte. Ein besonderes Verdienst erwarb er sich um den Ausbau der Kolonie Petach-Tikwah. Um das Jahr 1890 begründete er in Bialystok die Gesellschaft „Menuchah w'nachlah, die in R echolbo th Terrain erwarb. Als Herzls „Judenstaat" erschien» folgte der greise Mohilewer begeistert seinem Rufe. Er zählte zu den ersten, die die Einberufung des ersten Basier Kongresses begrüßten. Infolge seiner Krankheit konnte er am Kongreß selbst nicht teilnehmen, deshalb entsandte er seinen Enkel, Dr. Josef Mohilewer, der jetzt in Jerusalem wohnt, mit einem speziellen Schreiben an den Kongreß, in dem er die Aufmerksamkeit des Kongresses auf eine Reihe aktueller Fragen des Jischuw lenkte und die Entfaltung einer großzügigen Propaganda verengte. Ebenso sollte der Kongreße von der „Jea" fordern, daß sie den GvößtM ihres Vermögens für Kolvrvifaiionszwecke in Palästina verwende. Im Briese vertrat er auch den Standpunkt, daß mit der politischen zugleich eine praktische Tätigkeit in Palästina geführt werden müsse. Als ihn der Kongreß in das Aktionskomitee wählte, schickte Dr. Herz! einen speziellen Delegierten — Dr. Wilenski — zu ihm mit dem Ersuchen, das Mandat cmzunehmen. Mohilewer stellte sich ganz in ddn Dienst der Bewegung. An bet Bralhstoker Konferenz, die die Grundlage für die zionistische Organisation in Rußland legte, nahm er aktiven Anteil. Am 19. Siwcm 6668 (1898) schied Mohilewer, der zu den edelsten Gestalten.des Judentums im 19. Jahrhundert zählte, aus dem Leben. Der 13. UmMenkongreß ln Karlsbad. Mitteilungen des Kongreßbureaus, Karlsbad, Schiitzenhaus. 1. Tribüne n-(G a st-)K arten. Zum bevorstehenden 13. Kongreß findet eine Vcr* teilung der Tvibütten-(Gast-)Karten durch das Kongreßbureau an Eiuzelpersonen nicht statt. Die Tribünenkarten werden vielmehr für jed^s Land lediglich durch die Zentralen der L a n d e s v e r b ä n de, bez'w. durch die L a n d e s b n r e a u s der Sonder v e rbände ausgegeben. Wer also TribünenkarLen bestellen will, hat sich unverzüglich mit Ver in Betracht kommenden Lan-! desorganisation in Verbindung zu setzen. Personen, die bereits Bestellungen an das Kongreß-- bureau gerichtet haben, wollen diese bei dem für sie in Betracht kommenden Landes-, bezw. Sondervevband, umgehend nochmals einreichen. Doppelbestellungen, das heißt, Kartenbestellung bei zwei oder mehreren Organisationen, sind unzulässig. Es sind zwei Gruppen von Karten geschaffen worden, die sich aus die beiden vom Kongreß Voraussicht-: lich in Anspruch genommenen Wochen von Montag den 6. bis Samstag den 11. August einschließlich, und von Sonntag den 12. August bis Kongreßschluß erstrecken werden. Stehplatzkarten werden im Vorverkauf nur für die gesamte Dauer des Kongresses ansgegoben. Die Preise betragen: Loge (1. Rang), 1. Reihe: 800 tschech. K. für die gesamte Kongreßdauer, 400 (vom 6. bis 11. August), und eben so viel vorn 12. August bis Schluß. Balkon (2. Rang), 1. Reihe und L o g e 2. Reihe: 600, 300, 300. Balkon 2. Reche und Parterre 1. Reihe: 400, 200, 200. Uebrige Sitzplätze: 200, 100, 100. Stehplätze: 30 tschech. K. Bestellungen auf Tribünenkarten müssen bis spä t<5 st e ns 15. Juni bei den Landesverbänden oder den Landesbureaus der Sondervevbände eingelausen sein. L ogis. Voranmeldungen für Logis sind direkt an das Kon-, greßbureau, und zwar spätestens bis 28. Juni d. I. zw richten. (Angabe von Personen, Zeit und Preisen.) Gruppen von Personen, die den Kongreß zu besuchen beabsichtigen und gemeinsames billiges Quartier wünschen, werden um entsprechende Mitteilung ersucht. Reisegepäck-Versicherung. Das Kongreßbureau hat durch eine Abrnachung mit einer erstklassigen, international organisierten Reisige-', Päck-Versicheruäkgsgesellschast eine eigene Abteilung für Reisegepäck-Versicherung eingerichtet, worauf alle Kongreß-, teilnehmer (Delegierte, Gäste, Journalisten ufw.), beson-; ders aufmerksam gemacht werden', mit dom Ersuchen, ihre- Gepäckversicherung durch das Kongreßbureau abschließend zu wollen, da der erzielte Reingewinn zionistischen Zwecken zufällt. Die Versicherungsanmeldung geschieht mittels einer Postkarte, die vor der Abreise an die Versicherungsabteilung des Kongreßbureaus zu richten ist, und folgenden Wortlaut haben soll: . ] Ich versichere hiermit durch die Devsichermvgsab-! teilung des Kongreßbureaus des 13. Zwulsienkougvessis! mein Reisegepäck ans tschech. K. . . . , Die Versicherung! soll am. . beginnen und durch (30, 40, 46, 90) Tagej lausen Den entfallenden Prämienbetrag von tschech. K....! verpflichte ich mich, im KongrMureau sofort nach meiner! Ankunft zu erlegen. Unterschrift und genaue Adresse. Künstler-Ent w-ürHe. Das Kongrchbureau fordert hiermit alle Mischen Künstler aus, ihm möglichst umgebend, spätestens jedoch! bis zum 25. Juni, Entwürfe einzmelchen für: 1. ein De-! legiertenabzeichen, 2. eine oder mchttzre oMelle Kongreß-! karten. : Das Delegiertenabseichen soll die Form einer Ab-! zeichennadel haben, und außer dem zu verwendendett Symbol, Emblem oder dergleichen in geeigneter Form! einen Hinweis aus den 13. Kongreß, möglichst unter Be-, rücksichtignng hebräischer Zeichen, enthalten. ' Für die Kongrcßkarten ist die Wahl des Sujets frei-i gegeben. Mer and Mae. Der englische Ministerpräsident Baldwiu, der bö» kanntlich zu den Konservativen zählt, hat mit seiner politi-- schen Weltanschauung, die in den englischen Familien Tra-^i dition ist, im Kreise seiner Familie kein Glück. Baldwin,! das Haupt der Konservativen Partei in England, hat näm-! lich einen Sohn, welcher — Sozialist ist. Und gerade als' Sozialist macht der junge Baldwin in den Kreisen der Ar-! . peiterparteien von sich ebenso viel reden, wie sein Vater als Ministerpräsident. Denn der junge Baldwin hat erst! vor kurzem einen heftigen Angriff gegen die Arbeiterpartei' gerichtet, welcher er Inkonsequenz in ihrer Anschauung vor-: warf, da sie, obwohl theoretisch zur zweiten Internationale! gehörend, in der Praxis sich der dritten Internationale zu-< neigt. Die dritte Jnternatiollale aber hält der junge Bald-: Win in ihrer Anschauung für reaktionär, weil sie die Frei-! heit ersticke und das öffentliche Recht mit Füßen trete. Dies! hat Herr Badwin junior am eigenen Leibe erfahren müssen.! Er war nämlich Armeeinstruktor in Armenien.j Als die Boschewiken ins Land kamenwurde er zusammen! mit vielen Sozialrevolutionären und Sozialisten, die der! zweiten Internationale angehören, ins Gefängnis ge-! worfen. Dort erlebte er die furchtbaren Greuel der Bol-> schewiken, welche durch die Hinrichtung von 75 armenischen! Sozialisten gekrönt wurden.'Dem jungen Baldwin, welchem! das gleiche Los drohte, gelang es, zuentsl i^e h e n und ins> Kaukasus gebiet zu , kommen. Dort fiel er jedoch im Jahre 1920 in Alexandropol den Türken in die^Hände, welche ihn ins Gefängnis warfen und wie eincft Schwerverbrecher behandelten. Er war in Eisen>geMssett^

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