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Wiener Morgenzeitung · 1923-05-18 · Heft 1531 (18.5.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1531 (18.5.1923)
Date
1923-05-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1531 Aim, Freitag l&oiie meldete. Lendvay, der vor einer gerichtlichen Berkolgnng nach Italien geflüchtet ist und jetzt vom Gericht kurren-diert wird, hielt eine Rede, in welcher er unter Anderem erklärte: ,Zch -werde so lange nicht ruhen, bis ß den Juden verboten wird, auf den königlich-ungarischen Naatsbahnen zu reisen. Die'ungarischen Bahnen dürfen Juden keine Fahrkarten ausfolgen, sei es denn nach Palästina." Nachher sprach Jvan Hejjas im gleichen Sinne. Sie „Revision" der WWerliste» in Budapest. Aus Budapest wird uns gemeldet Der gegen die Verordnung des Ministers des Innern verstoßende Beschluß des hauptstädtischen Zentralwahlausschusses, das Verzeichnis der irrtümlich in die Wählerliste Aufgenommenen und deshalb aus her Liste Gestrichenen nicht zur öffentlichen Einsichtnahme -ufzulegen, hat die Opposition zu energischem Vorgehen veranlaßt. Es wurde beschlossen, dem Innenminister einen Rekurs »u überreichen. Sollte sich, dieser weigern, den Beschluß zu annullieren, soll die Einberufung der Nationalversammlung gefordert werden; wenn auch diese Aktion nicht das gewünschte Resultat haben sollte, so beabsichtigt die parlamentarische Opposition die völlige passive R e s i st e n z zu ergreifen. Polen. Sie Rozwoi-Hetze. Aus Warschau schreibt man uns: In den letzten ßöochen hat sich die antijüdische Agitation der Rozwoj- ^rgani'ation verschärft. Insbesondere veröffentlicht die in her Provinz erscheinende Rozwoj-Presse Drohungen an die jüdischen Gemeinden. So warnte das in Radom erscheinende Organ des Rozwoj „Odrodzenie" die jüdische Gemeinde und das Rabbinat, bei den anläßlich der Verfassungsfeier veranstalteten Feierlichkeiten zu erscheinen. In der Presse wird die katholische polnische Bevölkerung hufgefordert, die Ehre des christlichen Kreuzes zu retten. Die Presse appelliert an die christliche Bevölkerung, den!^od V j: d liewicz' zu rächen und die jüdischen Geschäfie zu boykottieren, damit die Juden ehestens gezwungen werben, ihre Geschäfte zu schließen und nach Moskau oder Palästina auszuwandern. Die Attentate. Warschau, 17. Mai. (I. C. B.) Wie aus S o s n ofv i c e telegraphiert wird, wurde dort gegen das Lokal des jüdischen SporÜlubs „M a k k a b i" eine Bombe geschleudert, die im Lokal große Verwüstungen anrichtete. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Zwangsmittel gegen Ianzig. Warschau, 16. Mai. Der Ministerrat befaßte sich gestern mit dem Verhältnis.Pölerts zur Freien Stadt D a nzig. Da Polen mit seinen Forderungen kein genügendes Verständnis finden könne, sehe sich die Negierung gezwungen, in der nächsten Zeit alle ihr z »stehenden Mittel anzuwenden, um das Polen znerkannte Souveränitätsrecht zrr sichern. — Es handelt sich bei diesem Streit darum, daß die Stadt Danzig die Beistellung eines Gebäudes für eine polnische Handelsakademie verweigerte. Rundschau. Me Unterredung des englischen König« mit dem Papst über die Mische «attsnale Hsimstiitte. Aus Rom Wird uns gemeldet: Bekanntlich hat der König von England 'bei feinem Besuche in Rom auch dem Vatikan einen Besuch abgestattet. Wie „Messaggero" und „Jdea Nationale" mitteilen, wurde bei dieser Unterredung auch die Palästina-Frage berührt und die Frage der heiligen Stätten ausführlich besprochen. Der König von England habe den Papst ersucht, der Vatikan möge nichts unternehmen, was die Politik der Wiedererrichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte stören könnte. Karra» verhandelt mit Krastin. London, 17. Mai. Lord Curzon und Krass in haben heute im Austvärtigen Amte eine längere Konferenz gehabt, bei der Mae N e i l l und eine Anzahl von Beamten des russischen Departements des Auswärtigen Amtes zugegen waren. Der passive Widerstand im Saarrevier. Saarbrücken, 16. Mar. (Wolff.) Die sogenannte Notverordnung zur Aufvechterhaltuug der Ruhe und Ordnung im Saargebiet ist nach beinahe vierteljähriger Wirksamkeit gestern dem Landesrat, der freigewählten Vertretung der Bevölkerung, zur Begutachtung vorgelegt worden. Nachdem unter Hinweis auf die vor einigen Tagen stattgefundene Debatte im englischen Unterhaus über diesen Gegenstand Redner aller Fraktionen die moralische und rechtliche UnhaltbaMt unk die Absurdität der Verordnung nachgowiesen hatten, gaben die Fraktionen einschließlich der Kommunisten folgende Erklärung äb: Sämtliche Parteien lehnen es als unwürdig ab, zur sogenannten Notverordnung Gutachten abzugeben. Wiener Morgenzeitung. 18. Mai 1923 Seite 8 Ae Lstara vor 8erW. Die Amordnag der Arbetter» Bimester. Im Schwurgerrchtssaäl des Wiener Landesgerichtes hat gestern der Prozeß gegen die vier Angehörigen der monarchistischen Terrorgruppe Ostara! begonnen, die an der Mordaffäre am 17. Februar in Hietzing beteiligt waren. Es wurde damals der sozialdemokratische Betriebsrat der Semperitwerke, Franz Birnecker, erschossen und die Arbeiter Franz Kar tu sch und Wenzel Bednarik schwer verletzt. Die Szene hatte sich nach einer Monarchistenversammlung abgespielt, an der 40 Personen teilgenommen hatten. An dem Ueberfall auf die Arbeiter waren 15 Leute beteiligt, die alle der „Ostära" angehörten; sieben von ihnen waren im Besitz von Schußwaffen, Eisenstangen, Leuchtpistolen und Bajonetten. Diese fünfzehn» die nach der Tat einen Tramwaywagey bestiegen hatten, wurden festgenom-men, später aber wieder freigelassen.' In Haft blieben der 21jährige Schlossergehilfe Johann Czerma k, der 40jährige Postbeamte Franz Opi ela, der 23jährige Geschäftsdiener Fritz B e v e l a q u a, der 26jährige Maurergehilse Gustav Groß und der 41jährige Schriftsteller, früher T h e o l o g e, Franz D i e t l. Czermak, Opiela und Dietl gaben zu, geschossen zu haben, die beiden anderen stellen dies in Abrede, doch liegen gegen sie belastende Zeugenaussagen vor. Die Verhandlung leitet Hofrat Biziste, die Anklage vertritt der leitende Staatsanwalt Hofrat Dr. Panek. Den Ageklagten stehen die Verteidiger Dr. Lohsing, Herdegen und Gemeiner zur Seite, während die Privatbeteiligten durch die Advokaten Dr. Steinitz und Spiel mann jr. vertreten sind. Vorgeladen sind 42 Zeugen, unter ihnen auch die 15 Personen, die nach der Schießerei verhaftet worden waren. Ihre Entlassung aus der Untersuchungshaft war ihnen im Landesgericht 2 in einem Raum mitgeteilt worden, in welchen? sich eine Hakenkreuzfahne befand. Nach Verlesung der sehr eingehenden Anklageschrift 'begann das Verhör der fünf Angeklagten. Cz-ermäk ist wegen DiebistM-es, Opiela wegen -bedenklichen Ank-aufes. Bevilaqua wegen Einmengung in eine Amtshandung vorbestraft. Czermak erklärt sich sür teilweise schuldig, alle anderen für nichtschuldig. Der Angeklagte Czermak war seit 1922' arbeitslos ' und gehörte seit November 1922 der von dem gewesenen Oberleutnant Szabo geleiteten Terrorgruppe Ostara' an. der er sich aus monarchistischer U-eberzeugung angesch'lossen hat. Die Waffe hat er von Szaibo bekommen. bezahlt wurde er nicht. Franz Opiela gibt an, aus einer Soldatenfamilie zu stammen. Als die, Mitglieder der Ostara von der Bewaffnung der Arbeiterwehren erfuhren, hatten auch sie Waffen verlangt und sie von Szaibo bekommen. Opiela besaß bereits eine Pistole und einen Waffenpaß. Die Ostara bestand' aus 220 Mann, darunter Burschen, die Szabo nicht kannte und die nie beim Militär waren. Gustav Groß erklärt sich ebenfalls als Monarchist^ Won der Ostara hat er in der Arbeitsvermittlung erfahren. Sie ist ein Selbstschutz- Verband, der in bedrohten Zeiten die Ordnung zu schützen und bei Plünderungen die staatlichen Organe zu ünterstütz en hatte. Am 17. Februar habe ihn ein Mann. den er kennt, aber nicht neuen wolle, mit. den Worten beschimpft: „Ihr schwarzen Rohbuben!" Den Revolver trug Groß unter der Weste. Außerdem hatte er drei Eisenstangen bei sich. Fritz Bevilaqua erwidert auf die Frage des Vorsitzenden, was ihn veranlaßt«, in die Ostara einzutreten, mit erhobener Stimme: „Weil ich ein ü b e r z e uo t e r Monarch: st bin." — B o rs.: Hat man Sie nfftru-iert, welchem Zweck der Wetzband dient? —A n ge kl.: Hauptsächlich um unsere Versam:nI u n g e n zu schsitz en. Ich habe selbst eine Waffe verlangt, erhielt eine Pistole und wurde instruiert, wie^man sie ladet und wie man schießt. — V o r s.: Wo waren Sie damals, als die Versammlung stattfand?— Angekl.: Ich bin mit vier oder fünf Mann hingcgangen und saß gleich bei der Tür. Ich bin dann mit den anderen nach Schluß der Versammlung gemeinsam weggegangen. — Vor s.: Haben Sie bemerkt, daß Ihnen Arbeiter nachgchen? — An ge kl.: Ja, sie sind uns uachgegangen. — Auf weitere Fragen erklärt der Angeklagte, daß >er nur in: strengsten Notfälle schießen durfte und nur, wenn ein Angriff erfolgte und von der Gegenseite geschossen wurde. Franz Drei! war Theo log und wurde 1914 wegen einer Frau suspendiert. Er betätigt sich schriftstellerisch, propagandistisch, war immer Monarchist -und gehört der Partei von der Gründung an. Mitglied der Ostara wurde er über Aufforderung Szabbs. Verhaltungsmaßregeln will er in: allgemeinen nicht erhalten haben. Er persönlich 'besaß einen Revolver und einen Waffenpaß. Auf die Frage, warum er,-den Revolver damals mitgenommen habe, erzählt er von einer S ch l a ch t b e im L e mbacher, wo die Arbeiterwehren eine uationalfoziaWische Versammlung gesprengt haben. — Vors.: Sie reden immer von der Schlacht. — A n ge k l.: Ja, damals soll einer fast totgeschlagen worden sein. Es ist uns damals gesagt worden. u:a n soll mitnehmen, was man an Waffen hat. — Vors.: Plußten Sie nicht', daß polizeilicher Schutz aufgeboten ivar? — A n ge kl.: Ja, aber der hat nicht genügt. Nichtmarxistische Versammlungsteilnehmer sind immer blutiggeschlagen wotzden, und das lasse ich mir nichtohn-e weiteres gefallen. Der Vorsitzende stellt fest, daß Zweifel an den: Geisteszustand Dietls bestanden haben und er daraufhin untersucht wurde. ,ßon einer Zeugin," sagt der Vorsitzende zun: Angeklagten. „ist ein Brief vorgelegt worden, worin Sie schreiben, daß Sie bestimmt Papst werden". dt nge kl.: So bestimmt ist 'das nicht. Es war mehr eine Phantasie^ Als Schriftsteller muß m-annatürlich P h a n t a s i e besitzen. Bors. <zum Angeklagten Czermak): Als Sie das Wirtshaus verließen, haben Sie-sich eine Eisenstange mitgenommen. Wozu? — Angekl.: Weil ich niemand schwer verletzen wollte. Von: Revolver wollte ich womöglich keffven Gebrauch machen. Ich stieg in den ersten Beiwagen und sah, twift; meine Parteifreunde in den zweiten Beiwagen einstiegeil. —' Bors.: Was geschah nun? —Angekl.: Unter uns istdavon-- gesprochen worden, baß die Leute uns auf dem Wege überfallen-, werten. — Vors.: Bis zuin nächsten Halten des Magens sind Sie aber anstandslos gefahren? — Angekl.: Ja. als der Wagen hielt, hat. plötzlich ein Schuß gekracht und mir hat jemand einen Schlag auf den Kopf versetzt. — Bors.: Von wo ist geschossen worden? — Angekl.: Von unten, von der Straße aus. — Vors.: Wir werden aber von Zeugen hören, daß von unten u i ch t geschossen wurde. Aus welchem Anlaß halben Sie nun doch geschossen, da Sie zu Ihrem Schutz -ja eine Eisenstange hatten? — Angekl.: Die Eisenstange hatte ich im Gedränge verloren. Ich konnte mir, als die Leute an mich herandrängt-en, nicht mehr helfen, ich mußte schießen. Ich habe dir Waffe wagrecht gehalten, denn verletzen wollte ich niemanden. — Vors.: Haben Sie gehört, daß^guch andere Leute geschossen haben? — Angekl.: Jawohl, auch andere haben geschossen, ich selbst habe nur drei bis vier Schreckschüsse abgegeben. — Vors.: Sie hatten auch zwei Ladestreifen mit se sieben Patronen erhalten. Nachher fand man 'bei Ihnen nur mehr einen Ladestreifen. Sie müssen also s i e -b e n Schüsse abgegeben halben. — Angekl.: Nein, die Streifen waren nicht voll gewesen. — Bors.: Hielten Sie die Situation für so bedrohlich, -daß Sie schießen mußten? — A u g e k l.: Jawohl, ein Haufe hat, -mit Waffen in der Hand, gegen uns he-ran ged rängt und hat auf uns losge-sch lagen. Das Zeugenveirhör. Am Nachmittag begann das Zeuigeuverlhör. Der erste Zeuge, der Gastwirt Georg Zchetner, i-nbesser Lokal die B-rsammlung staitsan-d, gibt an, daß zu der Versammlung etwa 30 bis '35 Personen gekommen seien, bei denen er keinerlei Waffen gesehen habe. Von einer beabsichtigten Sprengung habe er nichts gehör:. Arnold Dworacek, ein Drechslerg-ehilfe, hatte, wie e> angibt, Birnecker, als er zu Zehetu-er giüg, aus der Straße getroffen, und ihn und andere, die mit ihm waren, vor den Gefahren gewarnt, die entstünden, wenn sie sich in die Mon-- archistenvers-ammllunig begeben. Dennoch sei er selbst auch in das Lokal des Z-ehet-ner hineingegangeu- Vor dem Lokal stande.n drei Leute, die ihn fixiert! hätten, und einer hcube gejagt! »Den dort, den Starken, nehmen wir aufs Korn." Und einzweiter: „D-enen iverdenwir es zeigen." Die näWen Zeugen s.nd Mitglieder drr Ostara. Der 23jährig-e Spengl-erHehilfe Karl Kotal sagt aus, er set mit einigen Kollegen zusammen Avisoposten vor dem Tor gewesen. — Bors.: Hätten Sie irgeüdein-e Waffe, Gummiknüttel oder Revolver? — Zeuge: Nei-n, nichts. Ich hätte nur die Versammlung verständ-igen sollen, wenn Gegner kommen. — Staatsanw.: Sie waren einige Monate bei der Ostara. Hatte man Ihnen etwas versprochen? — Zeuger Mein Kollege Bauer, der mich einges-ührt hat, hat mir gesagtwir werden etwas bekommen, aber Wir haben nichts gekriegt — Vors.: Wußten Sie, was für eine politische Richtung dir Ostara hat? — Zeuge: Halbwegs Hab ich 's gewicht. — Vors.: Waren Sie - nun- Mitglied aus UeiberFeuigung oder weil Sie Geld erwarteten? — Zeuge: . Ans Überzeugung macht' ich grgd net sagen. (.Wterkeit.) Den Zeugen- 'Karl Thür n fragt der Vorsitzende: AM welchen: Anlaß sind Sie zur Ostara gegantgen? — Zeuge: Ich war schon acht Monate arbeitslos, , Partei toaimir Nebensache, ich w-ollt<5 eine A r b e i t oder. einen Verdie n st. — V-ors.: Was für eine Aufgabe hatten Sie an jenem ' Abend. — Zeuge: Ich war auch Avisoiposteu beim Tor, de sich aber kein Feind zeigte, bin ich ins'Kino gegangen (Heiterkeit.) —'St a'ats>an'w.: Ist es tzichtiiA. daß die Mitglieder der Ostara einen Eid abgelegt haben'? — Zeuge: JcUvohl, in der M a r i e n k i r ch t i n Her ü als hat uns der Sz-abo beeidet. Wir haben ihm Treue gelobt. — Staatsanw.: Das soll ein ziemlich strenges Gelöbnis gewesen sein? — Zeuge: Jawohl, er hat gesagt, ich soll auch e i-n rück en, wenn ich-Zeit -Hab'. (Heiterkeit.) Der Atjährige Bäckergehilfe Franz Czerny gibt an, der Angeklagte Groß hätte ihn mit Hinweis au>s die Mo-n« archistenversammluug gesagt: „Die Sozialdeilnokraten kam-; men immer mehr aus Ruder. Mich riührt keiner an-, ich halb« mein Kracherl." Er, Zeuge, habe ihn: erwidert: „Gehn S' dort hinauf, wo Sü hingehören, in die Versammlung!" und sich von ihn: abgewendet. S-icherhcit-swachinspvktor Ernst Brnckmüller sagt, cs sei kein Versuch unternommen worden, die Mona-rchistenversam-mlung zu spregen. Der Ataschinenschlosser Johann- Stachl, der sich in der Gesellschaft des getöteten Betriebsrates Birnecker befunden hat, wird hierauf au'f Antrag des Verteidigers Dr. Lohsing vereidigt. Der Zeuge schildert die Fahrt auf dem. Straßenbahnwagen. Während der Fahrt sahen wir, -daß ö-itf der rückwärtigen Plattform des ersten Beiwagens Lcute der Ostara standen,- die G u mm i kn ü t t el drohend gegen uns schwangen. Weil wir merkten, daß sie uns heraussorderuwollten, stiegen wir bei der nächsten Haltestelle Ms. Dort sahen wir, daß vier bis fünf Leute inein Handgemenge gerate: waren. Dann fielensofort Schüsse,- und ich sah einen großen Mann -auf der- Plattform au -einem langen Revolver Schüsse aUcuern. Ich duckte mich und M-chte-te um die- Eck-e. Da sah ich noch m: letzten Augenblick, wie mir der Mann von der Plafi-sorm des Wagens u a chs ch o ß. — V-ors.: Wie hat -der Mann ausgesehen, der geschossen hat? — Zeuge: Es war ein großer-,'starker Mann mit einen: schwarzen Winterrock und schwarzem Hut. — Vors.: Befindet er sich unter den Angeklagten? Ans Derfiigung des Vorsitzenden erheben sich sämtliche Angeklagte, die der Zeuge mustert, und dann, auf. B ev ilaq u-a weisend, sagt: „Dieser ko nute-es sein" — Bors.: Haben- Sie noch andere Personen auf der Plattf-oru: gesehen, -die geschossen haben? — Zeuge: Nein,- ich hörte ungefähr acht Schüsse fallen. Später, als -dev W-agenzug sich wieder in Bewegung fetzte, fielen noch oi-ne Anzahl Schüsse. Ich sah dann den Birnecker lan-g-ausgestreckt auf den: Bodenliegen. GROSSE OKKASION Regenmttntei , . 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