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Jüdische Rundschau · 1929-01-22 · Heft 6 (22.1.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 6 (22.1.1929)
Date
1929-01-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 36 ]UEDTSCHE RUNDSCHAU Nr. 6, 22. T.!929 Dichter, Dramatiker, und zwar einer vom höchsten Range, Es gab dort Leute, die den ganzen ״Nathan“ auswendig kannten, und dabei nicht imstande waren, das Wort laokooc! richtig auszusprechen. Leasings theoretische Untersuchungen Ober die Grenzen der Malerei und Poesie waren ihnen gleichgültig Leasings _ .... ... ___ tandnei ihnen nur wenig Beachtung. Eine Ausnahme bildete die ״Hamburgische Dramaturgie“, die im Ghetto eifrig gelesen wurde, weil sie doch ins dramatische Fach gehört. in Beziehung auf Lessing wahrten sich die Gebildeten im Ghetto ihr eigenes selbständiges Urteil. Durch die Judengasse schritten Mendelssohn und Lessing nicht Hand in Hand, und niemand dachte dort daran, sie die Unsterblichkeit brüderlich teilen zu lassen. Mendelssohn und Lessing standen dort jeder für sich und keiner brauchte vom andern einen Teil der Un- Sterblichkeit wegzunehmen. Daß Lcssing und Mendelssohn Freunde waren, wußten wohl die meisten, aber sie machten nicht viel Aufhebens davon. Daß Lcssing im ״Nathan“ seinem Freunde ein ewiges Denkmal gesetzt hat, das wußten sie ebenfalls, aber auch hiervon machten sie nicht viel Aufhebens. Sie fanden es ganz in der Ordnung, daß der Weise dem Dichter huldigt und daß der Dichter den Weisen ehrt. Daß hier zum erstenmal in Deutschland ein Jude und ein Christ Brüder wurden — über diese merkwürdige Tatsache machten sie sich keine Gedanken. Das Merkwürdigste jedoch ist, daß die Haskalahmenschen, die sonst in jedem Werke eine Moral, einen höheren Sinn suchten, über die Tendenz des ״Nathan“ geradezu achtlos hinweggingen. Im allgemeinen hielten sie den ״Nathan“ für ein schönes, herrliches Buch; daß er auch eine große, herrliche Tat gewesen war, wußten nur wenige, obgleich es den meisten klar war. daß der Kernpunkt der Dichtung in der Ringparabel zu suchen sei. Im Ghetto war übrigens die Meinung verbreitet, Moses Mendelssohn habe einmal aus einem hebräischen Buche die Ringparabel seinem Freunde Lessing vorgelesen und dieser habe sie später in seinem dramatischen Gedicht verwertet. (Für die Ringerzählung gibt Lessing seihst die dritte Novelle in Boccaccios ״Dekameron“ als seine Quelle an; Tat- Sache aber ist, daß die ursprüngliche Fassung in dem Buche ״Schebet Jehuda“ von Rabbi Salomo ibn Verga enthalten ist) Vor allem galt der ״Nathan“ als unübertreffliches Meisterstück Lessingscher Wortkunst. Die Sprache Leasings mit allen ihren Subtilititen, fein zugespitzten Wendungen und geistreich aufgeschlossenen Sätzen — das war ein unbezahlbarer Lecker* bissen für die literarischen Feinschmecker im Ghetto. Und da insbesondere die hebräischen Schriftsteller der Haskalahzeit für Sprachschönhelt empfänglich waren, so suchten sie die Kraft des hebräischen Wortes an Lessings Sprachkunst zu erproben. Kein zweiter deutscher Dichter und Schriftsteller ist so häufig ins Hebräische übersetzt worden wie Lessing. Diese Häufigkeit bezieht sich indessen nicht auf die Zahl der Werke, sondern auf die Zahl der Uebersetzungen. Mit andern Worten: Leasing wurde ins Hebräische nicht viel, sondern vielmal übersetzt. Es ist als eine In der neuhebräischen Literatur seltene Erscheinung zu bezeichnen, daß von einigen dramatischen Werken Lessings je zwei, ja von dem Lustspiel ״Die Juden“ sogar drei hebräische Uebersetzungen vorhanden sind. (Wenn ich nicht irre, sind in der gesamten hebräischen Literatur der Haskalahzeit außer einigen Oedichten Schülers nur noch Mendelsaohns ,Jerusalem“ und Ludwig August Frankls Dichtung ״Der Primator“ je zweimal ins Hebräische übersetzt worden.) Literarhistorisch vielleicht belanglos, zeitgeschichtlich jedoch sicherlich nicht ganz ohne Bedeutung ist die Tatsache, ״• a*B da» allererste, was aus den Werken Lessings ln da» he- ‘׳'Iftisehi'Ä!riÄ1n'׳'a11!|e1i®n1n1eri^wt1rde, die firzlhiutig von den drei Ringen war. Es ist bezeichnend und wirkt nahezu symbolisch, daß gerade Lessings letzte Toleranz-Botschaft als erstes der neuheorlwchen Literatur einverleibt wurde. Der Uebersetzer hat dem kleinen, Im ganzen vierzehn Seiten umfassenden Büchlein eine recht lange Ueberschrift gegeben. Der Titel, hebräisch und deutsch, lautet: ״Ha-Dathoth weha-Tabaoth m'schulabhoth Ischah ei achotha (Die Religionen und die Ringe, eins ans andere gekettet). Die drei Lessingschen Ringe, 56 ״. und 7. Auftritt des dritten Aufzuges aus ,Nathan der Weise‘. Ins Hebräische übersetzt von M. Berliner“ (Mann• heim 1856). Die Ringparabel für sich, wie ein mächtiger Quader• stein aus dem festgefügten Bau der Dichtung gebrochen, sollte wohl, nach der Absicht des Ueberaetzers, als Lessings Ver• ralchtnia an die Menschheit auch in der Sprache der hebräischen Künder erhalten bleiben. Das erste Werk Lessings, das Ins Hebräische übertragen wurde, war ״Nathan der weise“; die Uebersetzung Ist unter dem Titel ,,Nathan he-Chacham“ (Wien 186׳)) erschienen. Der Uebersetzer, Simon Bacher, der da* Amt eines Sekretärs der Israelitischen Kultusgemeinde in Budapest bekleidete und im Nebenamte sich als hebräischer Dichter betätigte, war ein zu damaliger Zeit anerkannter Meister der hebräischen Sprache. Er hat eine große Anzahl von Werken, zumeist Uebersetzungen aus dem Deutschen und dem Ungarischen, veröffentlicht, darunter auch eine gelungene metrische Uebersetzung des ״Jo• jachin“, Trauerspiel in vier Aufzügen von Ludwig Philippson. Mit seinem ״Nathan he-Chacham“, der in Wien gedruckt wurde, hatte Bacher nicht den erwarteten Erfolg, denn der sonst reiselustige Nathan vermochte im hebräischen Gewände nicht den Weg von der österreichischen Metropole ins östliche Ohetto zu finden. Erst dem bekannten hebräischen Schriftsteller und Dichter Abraham Bär Gottlober blieb es Vorbehalten, dem ״Nathan“ In der neuhebräischen Literatur den ihm gebührenden Ehrenplatz zu verschaffen. Oottlobers Uebersetzung des ״Nathan“ (erschienen in Wien 1874), die sich durch eine schöne, rein biblische Sprache auszeichnet und im Versmaß des Originals, also in fünffüßigen Jamben, abgefaßt ist, fand bei den Kennern und Freunden der hebräischen Sprache und Literatur in kurzer Zeit die weiteste Verbreitung. Sehr lesenswert ist auch die Einleitung, die Gottlober seiner lieber* Setzung vorausschickt; sie enthält nicht nur eine eingehende Würdigung des übersetzten Werkes, sondern auch eine Lebensbeschreibung des Nathandichters, — übrigens die einzige Lessing-Biographic, die in hebräischer Sprache vorhanden ist. Oottlober scheint über Mendelssohn zu Lessing den Weg genommen zu haben. Es war ln der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als sich in den Kreisen der neuhebräischen Schriftsteiler, also gerade bei denen, die sich selbst lange Zeit als die Nachfolger der Mendelssohn-Schule betrachteten, eine starke Gegnerschaft gegen die von den Jüngern Moses Mendelssolms ausgehende Kultur- und Refortnbewegutig bemerkbar machte. Perez Smojensky, der Held der Feder, begründete die erste hebräische Monatsschrift ״Haschachar“ (״Die Morgenröte“) und leitete darin einen heftigen Kampf gegen Mendelssohn und seine Schule ein. Gottlober war ein Verehrer Moses Mendelssohns — bereits 1864 gab er eine hebräische Uebersetzung des ״Jerusalem“ heraus — und konnte und wollte dem Kampfe gegen seinen ״Lehrer Moses“ nicht müßig Zusehen. Er beeilte sich, ebenfalls eine hebräische Monatsschrift ״Haboker or“ (״Der leuchtende Morgen“) zu begründen״ mit dem au&gesprochenen Zweck, Moses Mendelssohn und seine Schule zu verteidigen. Die andauernde Beschäftigung mit Moses Mendelssohn mochte ihn wohl zu Lessing geführt haben. In der erwähnten Einleitung zu ״Nathan“ wird auch die Freundschaft zwischen Leasing und Mendelssohn ziemlich breitgetreten, und man hat oft beim Lesen das Gefühl, als wollte Gottlober damit sagen: Seht euch einmal den Moses Mendelssohn an! Was für ein wackerer Mann muß doch unser Moses gewesen sein, wenn ihn ein Lcssing, der Größte seiner Zeit, seiner Freundschaft würdigte! Das zweite lessingsche Werk in hebräischer Uebersetzung ist der ״Phiiotas“; dieses Trauerspiel wurde von J. B. Fab kowitsch, einem getauften luden, übertragen und führt hebräisch den Titel ״AWnadahh“ (Odessa 1168). Lessings Ju-!;endwerk ״Die Juden“ wurde zuerst von lakob simon Kahn ns Heb*t.if$he. .uberMtzt ■und unter׳ dam Titel r.Hal*hwilm“ veröffentlicht (Warschau 185ל), unter dem gleichen. Titel gab Zwi Eleasar Teller eine zweite Uebertragung heraus (Wien 1881); die dritte von Seff Kaplan besorgte Uebersetzung trägt die Aufschrift ״Haibhri“ und ist in Warschau 1894 erschienen. Das Lustspiel ״Der Freigeist“ — hebräisch: ״Chonen wenothen“ — hat Don Kohn, das Trauerspiel ״Miß Sara Sampson“ — hebräisch: ״Sarah bath Schimschon“ — Israel Frankel übertragen; diese beiden Uebersetzungen sind 1886 erschienen. Im Jahre 1902 hat Moses Reichersohn in New York Lessings Fabeln ״Mischle Lessing“ herausgegeben. 1)1)i1f11nm(ru1)i:üiüTi111f1m111111t11[1111numm1mn11jnt11117nim1nu1m1T111n1nm11m1n!1n1M1u11u1iumuM 111u11111u1f11u1tu11[Ttm1M1T1n[1tn111rt1111t11!n111(11M1m»1׳TH11un1Ttnt11t11r111111mitt11jion11111m11[1un1nt11th11t1i1Hn1111111n111j1nnt1111niM111M1n7riT Berliner Jüdische Gemeinde Um den *Pakt“ zwischen Liberalen und Volkspartei Die Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde vom 17. Januar nahm einen bewegten, stellenweise stürmischen Verlauf. Der zweite Punkt der Tagesordnung, die Wahl der Vorsitzenden und der Schriftführer, wurde vertagt. Landesgerichtsrat Rau hatte in diesem Sinne namens des Ausschusses referiert und zum Ausdruck gebracht, daß die Aussetzung der Wahl vom juristischen Standpunkte aus vielleicht als statufenvvldrig angesehen werden könnte. Trotzdem glaubte der Ausschuß, diesen Antrag stellen zu müssen, weil einige für die Lösung dieser Frage im besonderen Maße wichtige Mitglieder der Versammlung in der Ausschußsitzung gefehlt haben. Sollten Bedenken darüber bestehen, daß die in der heutigen Sitzung gefaßten Beschlüsse unter einem illegalen Vorsitz zustande gekommen sind, so könne man die Gegenstände der heutigen Tagesordnung, nach erfolgter Wah! des Vorsitzenden, der Ver- Sammlung neuerdings zur Ratifikation voriegen. Professor Türk sprach sich gegen die Vertagung aus, weil die in Frage kommenden Herren, welche in der Ausschußsitzung gefehlt haben, in der Sitzung erschienen seien. Die Ab- Stimmung ergab eine Mehrheit für den Ausschußantrag, die sich aus Mitgliedern aller Fraktionen zusammensetzte. M, A. L o e b (konservativ) sprach hierai^zu seiner Anfrage betreffend die Subventionierung der Grundschule der Talmud- Torah Knesseth Jisroel. Er führte bei der Begründung seiner Anfrage aus, daß die Zurücksetzung dieser konservativen Schule wohl eine Folge de» zwischen Volkspartei und den Liberalen abgeschlossenen Paktes sein müsse, von dem man in der ״Jüdisch-liberalen Zeitung־‘ lesen konnte, M. A. Loeb besprach dann auf Grund der Veröffentlichung der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“ den angeb'khen Pakt und die einzelnen Punkte, welche nach diesen Angaben zwischen Volkspartei und Liberalen vereinbart fein sollen. Er warf der Volkspartet vor, daß sie diese Verhandlungen ohne־ Wissen der Konservativen und der Mittelpartei geführt habe. Be• sonders scharfe Kritik übte er an dem angeblichen Uebereinkommen über die Zulassung der Aufhebung der Geschiechtertrennung in der Synagoge Prinz-Regentenstraße und über die Bewilligung von Mitteln für den Bau einer Synagoge für die Reformgemeinde im Westen Berlins. Was das Ueber- Einkommen anbetrifft, die Mandatsdauer der Repräseniantenversammlung im Jahre 1933 zu beenden, erklärte Loeb, sei das für ihn in keiner Weise bindend. (Zwischenruf Professor Türk’s: ״Dann werden eben 23 Mitglieder der Repräsentantenvcrsammlung ihre Mandate niederlegen und Sie allein hier im Saale sitzen.“ Loch antwortet: ״Nein, drei Leute werden hier sitzen bleiben.“) Loeb erklärte es auch als abwegig, gerade die hebräische Universität zu dotieren. Man sollte die Mittel lieber dafür aufwenden, daß in Palästina jüdische Kinder den Missionsschulen entrissen werden. R.-A. Dr. Klee (JOd. Volkspartei) erwiderte, nachdem Dr. Koilenscher namens des Vorstandes festgestellt hatte, daß die Regelung der Frage der Schule der Knesseth Jisroel im Einvernehmen mit dem Vorstande der Schule getroffen worden sei, auf Loebs Angriffe. Er stellte zunächst fest, daß Loeb sich mit Unrecht als den einzigen legitimen Vertreter der konservativen Interessen betrachte. Die in Frage komjnende Schule sei mit viel größerem Rechte als eine zionistische Schule denn als nur konservative zu bezeichnen, da die Mehrheit der dort lernenden Kinder und der dort lehrenden Personen misrachistisch und zionistisch ist. Was den angebliehen Pakt mit den Liberalen anbelangt, so sei es eine falsche Darstellung, wenn man überhaupt von einem ״Pakte“ spreche. Es handelt sieh um ein gentiemen’s agreement bezüglich eines kurzfristigen Arbeitsprogramms. Ueber diese Verhandlungen seien Mitteipartei und konservative fortlaufend informiert worden. Herr Loeb hat Unrecht, wenn er so tut, als ob er von der ganzen Sache erst aus der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“ erfahren hätte. Die Verbandjungen sind unter Billigung und Anregung des Kommendenratea Simon (Mittelpartei) geführt worden. Die Volkspartei habe in keiner Welse Irgend etwas getan, was den bestehen* den Bindungen widerspricht oder programmatisch ihrer sonst!- gen Haltung zuwiderläuft. Zwei Angelegenheiten sind der Volkspartei über alles wichtig: Jüdische Schule und Palästina. Auf beiden Gebieten hätte man bei der liberalen Seite durch die Verhandlungen ein Entgegenkommen erzielt und dieser programmatischen Errungenschaften wegen hat man sich mit der Abkürzung der Mandatsdauer einverstanden erklärt, im Gefühle, daß die Volkspartei Neuwahlen nicht zu scheuen brauche und daß juristisch die Mandatsdauer zweifellos bis zum Jahre 1933 zu laufen habe. Durch die Kon- Zession der Volkspartei auf diesem Gebiete werde es mögßch sein, die Landesverbandssvahleti und die Gemeindewahlen in Berlin gleichzeitig durchzuführen- Was die Frage der Trennung der Oesehlechter in der Prinz-Regentenstrafie anbelangt, so hat sich die Volkspartei damit einverstanden erklärt, daß eia Gutachten der Rabbiner eingeholt werde und daß alsdann den Mitgliedern der Volkspartef auf Grund dieses Gutachtens die Abstimmung freigegeben werde. In Sach« der Synagoge für die Reformgemefnde Hege eine VemFlehtuag der jüdischen Gemeinde Berlin seit dem Jahre 1924 vor, der Reform gemeinde bei Erwerb eines Grundstückes für den Bau einer Synagoge behilflich zu sein. Diese Hi'fe könne sich nur in einem Geldbeitrag ausdrücken, der jedoch begrenzt sein muß. Vorsitzender des Vorstandes Georg Kareski bestätigt an Hand der Akten die Angaben Klees über die Angelegenheit der Synagoge der Reformgemeinde. Im Laufe der weiteren Debatte erklärte Professor Türk, daß in den letzten zwei Jahren die Mitteipartei eine klägliche Rolle gespielt habe. Die Liberalen haben sich bei den Ver- Handlungen mit der Volkspartei nichts vergeben und haben zweifellos eine Konzession in der Msndatsdauer erreicht Die Ucbernahme der Schule sei notwendig gewesen, well man sonst diese hätte subventionieren müssen, ohne die Möglichkeit zu haben, auf sie Einfluß zu nehmen. Die Zustimmung, einen Lehrstuhl der jüdischen Gemeinde an der hebräische« Universität in Jerusalem zu schaffen, sei kompensiert durch den Verzicht der Vofkspartei, eine Unterstützung des Keren Ha- Jeasod von der Gemeinde in dieser Legislaturperiode zu verlangen. Dr. Weiße verlas das seinerzeit abgeschlossene Abkommen zwischen Volkspartei und Mittelpartei und erklärte, daß die Verhandlungen der Volkspartei mit den liberalen diesem Abkommen widersprechen. Nach weiteren Ansprachen von Dr. Klee, Rau und Koilenscher verlas M- A, Loeb nachstehende Erklärung: ln ihrer Nummer 2 gibt die ״Jüdisch-liberale Zeitung“ Kenntnis von einem Abkommen zwischen der liberalen Frak• tion und der Volkspartei, durch das beide Parteien unter Umgehung des geordneten Geschäftsganges wie der übrigen Parteien sich über eine Reihe wichtiger im Laufe der nächsten Zeit zu treffender Entscheidungen verständigt haben. Es handelt sich nach dem genannten Blatte um: Dauer des Mandates der Repräsentantenversammlung (Ab* lauf für 1930 vorgesehen), Aufhebung der Trennung der Geschlechter ln der Synagoge Prinz-Regentenstraßej Bau einer Synagoge für die Reformgemeinde tisw. usw. Gegen diese, dem Sinn und Wort unserer Gemeinde- Verfassung widersprechende Ausschaltung der Gesamtheit der Repräsentantenversammlung, die so schwerwiegende Ent- Scheidungen der Kontrolle und dem Lichte der Qeffentlichkeit entzieht, legen die Unterzeichneten Vertreter der konservativen una Mittelpartei hiermit Protest ein. Sie glauben, ihren Wählern und sich selbst die Erklärung schuldig zu sein, daß sie sich bei allen künftigen Beratungen ln jeder Hinsicht vollkommen freie Hand lassen. gez. Dr. Julius Stern, Dr. Weiße, M. A. Loeb. Nach Behandlung von Anfragen Goslars betreffend Schaffung von Dezentralisationsmaßnahmen für die Anmeldung von Trauungen und Beerdigungen und betreffend Bereitstellung von Mitteln zur Einführung von Schulspeisungen sowie einiger anderer Inferpellatlonen wurde die öffentliche Sitzung Sowohl in de« Ausführungen Dr. Klees wie auch in den Ansprachen Prof, Türke und des Liberalen Rosenthal wurde auf die ״Jüdisch-liberale Zeitung“ und besonders auf den Aufsatz Bezug genommen, der den Anlaß zu Loebs Interpellation gegeben hatte. Dr. Klee hob hervor, daß die Redaktion der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“ bei Besprechung der Wahl Ksreskis zum erste« Vorsitzenden der Gemeinde gegen Kareski wiederum den Vorwurf erhoben habe, Kareski hätte als Wahlkommissär der Gemeinde bei den Repräsentantenwahlen 1926 seine Amtspflichten verletzt. Dieser Vorwurf bildete schon einmal den Gegenstand einer Privatklage Kareskis gegen den Redakteur der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“, Ing. Bruno Woyda. Der Beklagte Woyda zog vor der Verhandlung seine Vorwürfe mit dem Ausdrucke der Entschu Idigung zurück, worauf ihm Kareski ״aus der Zange gelassen habe“. Trotzdem wage es die ״Jüdisch-liberale Zeitung“, dieselben völlig unbegründeten Besehuldlgungen gegen Kareski zu wiederhole«. Prof. Türk erklärte, daß er den Aufsatz in der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“ bedauere, mit deren Redaktion er nicht solidarisch sei und die nicht mit der liberalen Fraktion der jüdischen ״ ,Gemeind• I« .ein« Topf׳ geworfen werden dürfe, ■ Auch Rosenthal erklärte ausdrücklich, daß die liberale Friktion keinen Einfluß auf die Redaktion der ״Jü• disch•liberalen Zeitung“ nehme, und daß die genannte Zeitung nicht das Sprachrohr der Liberalen in der Gemeinde sei. *׳׳ Zu der von Loeb am Schlüsse unseres Berichtes erwähnten Erklärung erfahren wir nach Schluß der Redaktion: Geheimrat Julius Stern hat seine Unterschrift unter der Erklärung zurückgezogen mit der Motivierung, daß ihn die Autführungen Dr. Klees von der Loyalität der Volkspartei überzeugt hätten. Der zweite mittelpartefliche Repräsentant Dr. Weiße erklärte, daß er den Text der verlesenen Erklärung nicht mehr voll zu billigen vermöge und darum für eine Aenderung und Milderung dieses Textes sorgen werde. Dadurch erscheinen die Folgerungen, welche man aus der abgegebenen Erklärung ziehen könnte, in einem ganz anderen Lichte. Das Ergebais der Dresdner CeneladewaUeB (Drahtbericht der ״Jüd. Rundschau“.) Bei den Gemeindewahlen am 20. d. M. sind von insgesamt 1116 Wählern 920 Stimmen abgegeben worden, davon ungültige für die Vorstands wählen 50, für die Wahl der Oemeindeverordneten 39. Für die Wahl zum Vorstand entfielen von 898 Stimmen auf die Liberalen 415, Volkspartei 36t, Volksvereinigung 122. Es erhielten demnach Sitze im Vorstand: die Liberalen 3, Volkspartei 2* die Volksvereinigung 0. Für die Wahl der Gemeindeverordneten wurden insgesamt 862 Stimmen abgegeben, davon entfielen auf die Liberalen 397, auf die Volkspartei 355 und auf die Volks• Vereinigung 113• Es erhielten Sitze: die Liberalen 7, die Volkspartei 6 und die Volksvereinigung 2. Infolge der Beteiligung der ״Volksverdnigung“ an den Wahlen ist es demnach nicht gelungen, die liberale Majorität zu brechen, obwohl die Liberalen ln der Minorität blieben, Die Ban-Bewegung in PHisIlaa Die Ziffern der Kapitalien, die in Palästina in Bauten investiert wurden, lassen deutlich den engen Zusammenhang zwischen der jüdischen Immigration und der Baubewegung In den Städten erkennen. Nach einer Tabelle, die I. Sy man nach den Ziffern des ״Commercla! Bulletin“ im ״Dawar“ zusammengestellt hat, wurden in den palästinensischen Städten folgende Beträge ln Bauten Investiert: Jahr Betrag (Pfund) 1924 . 897.000 1925 ... , .2.058 000 1026 , .1-141.000 1927 . . . . . 770,000 Die nachfolgende Tabelle veranschaulicht die Verteilung dieser Beträge auf die einzelnen Städte (alles in Pfund); 1924 1925 1925 1927 Tel-Awiw 418,000 Jerusalem 287,000 Jaffa 66,000 Haifa 58,000 in anderen Städten 68,000 1.473,000 278.000 50.000 233,000 403.000 413 000 149,000 165,000 50.000 114,000 160,000 80,000 90,000 135,(KW 177,000 im Laufe der letzten vier fahre ist in Palästina ein Betrag von nahezu fünf Millionen Pfund in Bauten (Häuser, Büro• bauten, Hotels, gemeinnützige Institutionen usw.) investiert worden.

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