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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1929-05-01 · 9 (5.1929) · p. Seite 294

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
7 (1928-1929)
Issue
9 (5.1929)
Date
1929-05-01
Page
Seite 294 (sequence 10)
Language
German
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Epoche überreich an brennenden Fragen war. Ebensowenig bietet der „iVieassel" ein Bild des jüdischen Lebens zu jener Zeit. Am stärksten vertreten sind Dichtung, Biographie und Bibelexegese. Im Allgemeinen liegt die hohe Bedeutung der „/Vieasfim" mehr auf dem kulturgeschichtlichen als dem literarisch-wissenschaftlichen Gebiet. In der Propagierung der Aufklärungs-Tendenzen hat der „Sammler", der zuweilen auch einen deutschen Teil enthielt eine gewisse Wandlung durchgemacht. 'Ton und Charakter sind zunächst durchaus gemäßigt. Im Sinne Mendelssohns und Wesselys der Hauptträger der neuen Ausklärungs-Jdeale, wird eine Synthese von Judentum und Fortschritt erstrebt. Mit der Verlegung der Zeitschrift nach Berlin im Jahre 1788 tritt ein merklicher Umschwung ein. Der Ton wird radikaler, aggressiver. Die .lVleaskirn' Schule entfremdete sich dadurch in steigendem Matze den breiten, tradltionstreuen Volksschichten des deutschen Judentums, und es begann ein Krisenzustand. 179l wurde die Zeitschrift für drei Jahre unterbrochen. Der VII. Band zog sich durch einen Zeitraum von vier Jahren, 1794-97, hin. Dann folgte eine zwölfjährige Unterb-echung. 18l>9 unternahm es Schalom Kohen. den „Sammler" zu erneuern. Drei Jahrgänge sind unter seiner Redaktion erschienen : 1809 in Berlin, 1810 in Altona, 1811 in Dessau. Infolge des Niederganges des Hebräischen in Deutschland mußte die Zeitschrift dann endgültig eingestellt werden. Es ist historisch bemerkenswert, daß dies unrmttelvar vor der Judenemanzipation in Preußen geschah. Die zehn Bände des „/vieassek", die u. a. auch Beiträge von Moses Mendelssohn, Hartwig Wesseln, Solomon Maimon, Davd Franca Mendes, Jsak Satanow, Jehuda Löb, Ben Seew, Baruch Lindau und David Friedrichsfeld entHallen, sind ein bedeutsames kulturgeschichtliches Erzeugnis. Ter um ihn gruppierte K-eis hat die neue Geistesentw cklung des Judentums eingeleitet. Er hat jene Bewegung hervorgebracht, die einen Jahrhunderte währenden Stillstand ablöste: D e „Haskala" tAufklärung), die von Deutschland ausging und sich nach Ost und West ausbreitete. Immanuel na-komi. Von Dr. ^rtnur Sakkeim. Der grökte weltliebs?oet im jüdlseben Italien -war IinmanueI den Sslomo ka - Romi, ein ungöttlieber Zeitgenosse Dantes. Lr wurde um 1270 2u Rom geboren und starb in k'ermo 1330. Sein Vater. Salomo den ^ekutiel, gekörte einer von alters der in Italien verwurzelten Kamills, Nkroni, an. Von 6er Nuttsr — ^usta — spriebt Immanuel mit sonderliebem Rreis. Nur wen ixe Daten wissen wir vom Lebensweg des Diebters. und diese T^in xnnieisi aus äen Berken erschlossen, ^usvornebmen und begütertem Hause stammend, erbielt Immanuel eins unbedingt glän2ende Bildung. I?r studierte mit ernstglübender triebe l'bora und talmudisclies Lekrikttum, aber auen „prokanss" bissen: I^edixin, I^latbematik, Astronomie, vor allem und mit gründ- Heilster Betlisscnbeit Hüdisebe. arabisobo und grieobisebe Rbilosonbis. Ilnvergleieblieb intensiv wirkte auk ibn <Zas Weltbild des I^Iaimoniäes. äen Immanuel kür den allerbesten Rubrer durek die Naebt 6er Sebreoknisss, auk den Rkaden und Höhepunkten des Dissens erklärt; für ein strablsndes^ Liebt, das alles Dunkle, Verborgene unä Dämmsrgraue erbellt. Uaimonides ist!bm der ewige ^ukstieg. der Xu-l^nde-Denksr unä Vollender. Dessen rettende ^nalvtik ist sin übermäebtiges Bündnis 2wisobev Hellas unä ^uäa; äesssn kübns Magnisse, äesssn äsnkerisobs Vostaltungen bat Immanuel gloriii2iert. Doob gab sieb 6er Lernenäs unä ^eräenäe auob avokalvvtiseksr Nvstik bin. kanä ein bsrxlielies, persönliebes Verbältnis 2U kabbalistiseben Lüebern: äem Ssker ^exirab un6 6em Lsbir. unä kannte vermutlieb aucb äas 6amals gsraäo aukgetauebto Xompenäium wog^näer lvaballa. äen Sobar. ^us .jener Bewunderung un6 Begeisterung entstand sin ^ugendwerk Immanuels: von 6er Nvstik äss Iiebräiselien ^lpbabets. Das Bueb selbst ist verlorengegangen: aber äer?rolog da2u warä in äie poetiseben ^Verks aufgenommen. Sebon in trüber Tugend Zeigte Immanuel eine völlig undardarisebe Neigun? unä Liede 2ur Roesis. Hr gad sieb viel mit Versteebnik, stiege äes V^ortss, Kultus äer Normen? ad. Und 6a er ausge2eiobnet Rebräiseb konnte un6 lebendiges Interesse am ^.rabiseben. Lateinisoben unä Italieniseben nabm, desebäkti?ts er sieb gern un6 auss-isbig mit äen Berken .iüdisober, ebristliober un6 aradiseber Diebter. Lr buldigts äen Nusen. desalZ eine entbusiastisobe ^.rbsitslisbs unä ein grandioses 1/alent. Das vielseitige Humanistenwissen seines ^labrbunderts vsr ibra woblvertraut. In äer römiseben Gemeinde bekleidete er ein merkwürdiges ^mt. Leine Rtliebt war es, Bittsobrikten an äie Regierung ab2ukasssn un6 in keisrliobsn?Kllsv sobwungvolls Reden 2U balten. Durob IcllnstUok, blendend und graziös gssobriedene italienisebs Lonetts wurde er auob. unter den Dieb.- tern und Oelsbrten des obristlieben Italiens intimer dskannt. Hin l?reund Dantes, Losons, der aueb 2U Immanuel svmpatbigierende Leaienungen unterbislt, nennt diesen in einem Lonett ,.dio Isebendo Leels". ^.us besagtem Sonett, das Losons an Immanuel im lodes^abre Dantes sebiokte, dem ^ntwortsonstt Immanuels und noob 2wsi Lriskgsdiobten, die Losong und der?oet Oino aneinander riebteten, gebt die versönliebe Bekanntsebakt Dantes mit Immanuel bervor. Od sieb die beiden in Rom, wo Dante im ^abre 1300 weilte, oder in Verona, am Hoks des ()angrovde Nealigsr, kennen lernten, stebt niobt kest. Der in Immanuels Diebtung ..Ha-I'oketb w'ba-l^den" sudtil untergebraebts Lrudsr Daniel ist wabrsobeinlieb niemand sonst als Dante. Immanuel wurde in der beimatlioben römiseben Gemeinde geliebt und gssebät2t; ab->r auob wn?sn seiner spontanen und sebarken Epigramme gsbalZt und gekürobtet. ^Vl°! er. sebon in vorgerüokten «labren. sieb kür sin^n freund verbürgt batts und b»i dieser (Zplegenbsit sein Vermögen sinbükte. degannen die 'Wlderi-aeber ibn als einen ..gottlosen, unmoraliscben Nenseben" 2u vsrkolgen. ^.uk solebe /^rt?e2wungen. verliek Immanuel Rom und 20?. mit äonneltsm Unglück. ö>r ^Vrmut und der vergilbenden .labrs. delastet, unstet in Italien umber. Heber diese Not und Lebieksalsnoin d^riebtet er in wob1?sstalt^ten Versen. Unterkunkt. reiebe?öräerun? kanä äer Roet dsi einem südiseben <?önnsr in l?ermo. Da>? dunt^ I^eb^n im Hause dieses ^rei?edi?^n desebreibt Immanuel in l^uebtenäen l^arb<-n. Hier erkäbrt er ä!s ^nrssnm?. seine xalilreieb^n unä vielgeliebten Di^btunggn 2U sammeln unä 2U!-i>btgn. was ibm geraä^u s^bwer tlel: äenn sie waren ..wie äie Xinäer Israels verstreut". Niebt o^ns auk das Kelisinbeitsbedürsnis unä die kimstlerisebsn RatseblS?s sein»g lVlä2ens 2U lausebsn, rib->?-arbc>itet-> und ordnete Immanuel die (5esta1t^nreide seiner I.i^der unä f?^6lebte.?u?ork>imter?rosa — vielleiobt 2wise^>en den d->iäen freunden —?esnbrte Dialo?s sinä eingestreut. Verse von äer (angeblieben?) Ver^ass^ebakt äes (?önn»rs weräen 2it!ert. Die Sammlung ergab avktund- 2wan2i? ^dsebnitte. Immanuel stebt am ^us?ang des N'ttelalters und an de??ebw»1le einer neuen X^it In xzein^r Xun°-t und Re^Fsiniis-ti^kit versebm«l2en barmoniseb Einflüsse der beiden grol?°n Kulturen und ^Velt2eitender arabiseb-snaniseb-iüdisoben einerseits und der itali^nisob-dantesk-bn msnist isobsn ank der anderen Seite. Immanuel ist ein treuer Se^Mer d"S erw)lblten Naimonideg unä sue>it eine ^enKeZtsde/.iesnmg, ein« ^nnA^^rnng an das g^lie^e Ilr^rinTiin äureb erkenntni?- mälZig-'S Eindringen in da? Vv^°sen d°r Gottl^it. D-'S Mi?s-'n ist ,'lirr, de?- v^eg. der ii den Himmel, wi« in iedes anä->5? I^and der?!»>in!-n<>bt. kübrt. I?ier ist l^rü^renai^pkin^e in I'ro'-a und in Versen. Und w»nn Immanuel i"b»r die 7!er°-t«rnng Jerusalems klas-t. klingt es minder naob Aioniden und naeb ^etindn d-i-I^evi, als nae>i?>->traroa, der — mutatis mutandis — die Zerstörung Roms »klagt. In d»r eru'soben Dielitun? ..Ha-toketr, w' b a -1? d e n", di-, 2weife1--^^>ne unter dem gewaltis-en l^inäruek d^r ..D i.v i n a. Oom media". ab°r gn°? einem gnnn anders geriebtr»ten l'emnerament ^o^^lirieb^n wurde. nrakti?iert I-nmanuel alle s>^nto in den böllise>i»n l^kubl. die?-ioli bei ^,ek,2ei^en a'"-°> ^bli^Miek Körnerl>>ben Rc>1ustigiingc>n binga^en. naeb Ve.rv^^lkommnung d"r Seele und de-, G»istex! Keine Sorge tru?en:?r»lebe. di° das ^iss^n k'"r u^erflü>-°-ig od-^r unsinnig bi"1t"n. .^ber aueb .sene, die den Wert dorW>i°-bc>it Kannten — drien. barban^e^ genug, nielit in ibrem l ieble wandeln wollten, oder die von ibn->n erwordene ledendige V^issen°-e^>akt and^r-^n mi^^u^eil^n N'ebt kilr nöti? bielten. wandern bei Immanuel (wie >>oi Iinn^e) in den l'-'rtarus. Immanuels Xultus der Vi^eltliebkeit und I>Nog.g der I^orm vertrug sieb mit der Religion minder al«? mit de? VVi?sen°-(;dakt. darin er di-> <?rund1?,g6 für 1?rkenntni°! des Se>>n^e.rs und d»r nnab-;»linsren Natur, ^nnäbernn? an Rottes /^ll-Sein und äH-I>nre>>dringen?ab. Darum mae>te er kei'ien IInter°e^ied V.wiseben d°n Vertretei-n der un^erscbied1ien»n religiö5-en Vorstellungen. In einem itnlieniseb geformten Sonett verkündet der Diester- ..^e^ d?n kein guter .lüde. dr>^b aueb kein S-,ra7-ene und fo^e den bristen ni^bt naeb." DieweN nun Dante, d«r I.^brs d«r Xir^'ienvZ-ter gemAlZ. keine ungetanste Seele ins Raradies einläßt. nffnM Imm-,nu«1. unmittelaltei-üed tolerant, die l^ore de«, ^aradiessg vor allen Niebtiuden. die an den ein2igen s?r»tt. gls-ul>en. n<?-»r auob nur den einen Urgrund, die bewegende Hrsaobg des V^eltalls snnebmen und anerkennen. Immanuels. Oedanken manife?t'eren sieb külin urid impulsiv; für i°ne?eit berkömmlieber Intoleranz, beü-onders unbefangen und kilbn. Im Raradies begegnet der Hellsiebtige unbekannten Nennern die glan2umgepen. sedier die Sonne verdunkeln. Sein Begleiter Daniel erläutert ibm das erstaunliede?bAnr>mon: ..I?s sind die guten Nensoben unter den ^.ndersgl^'u^igsn: sie srreiebten bobe Stufen auf der Leiter d->K s-ottgsliebten Dissens und des un trüglieben Kensodentums. M't ibrer s-eginfelten Vernunft er-, korsebten sie Ibn. der sie ersobakfen. Nsobdem alle Religionen von ibnsn erkundet waren, nayddsm diese V^sissn fanden. dalZ sÄmtliobs Glaudensrioktungen das eigene (?ssiobt ktlr ws.br und

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