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Die Welt · 1897-07-23 · 8 (23.7.1897) · p. 15

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Journal
Die Welt
Volume
1 (1897)
Issue
8 (23.7.1897)
Article
Einer jüdischen Antisemitin
Date
1897-07-23
Page
15 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 8. JDietsMC Seite 15. lichen Nachbarn abgucken. Dieses öde Hinschielen nach den Anderen, diese Angst vor sich selbst erzeugte in den Gemüthern der Judenfrauen eine Leere, die a nsgesüllt sein will. Sie suchten nun durch den Culrus des Jchs, durch die Pflege der eigenen Person einen Inhalt in ihr Leben zu bringen. Die Folge ist: starke Neigung zu ausfallendem Luxus an Stelle von edlerem Comfort, Lust an Schmuck und kräftigen Farben, an seichter Wortwitzelei und endlich ein stetes Selbstbeobachten in Bezug auf das Körperliche, demzufolge häufige kleine Gesundheitsstörungen, die in theueren Badeorten curirt werden sollen. Schließlich erfaßt die besseren Naturen das Gefühl der Leere mit solcher Gewalt, daß sie als Unverstandene, Hysterische, als Nervenkranke durchs Leben schleichen — sich und den Anderen zur Qual." „Aber, lieber Freund, jetzt werden Sie komisch! Sie ordinircn Wohl Judenthum als Heilmittel gegen Nervenschwäche. Ha, ha, ha!" „Lachen Sie mich aus, meine Verehrte, aber hören Sie mich an! Versuchen Sie es nur einmal, lassen Sie sich von dem stolzen Kraftgesühl erheben, einem Volke anzugehören, das um idealer Güter willen, dem einzigen, einigen Gotte zu Ehren, alle Martern der Seele und des Körpers Jahrtausende hindurch siegreich Überstunden hat, fühlen Sie sich als Glied dieser eisernen Kette und wie Stahl wird es Ihre Nerven mitspannen. Sie werden im Leben, in der Kunst, in der Literatur nicht Nervenkitzel suchen, sondern ehrliche, kräftige Empfindung. Und denken Sie daran, daß jüdische Mütter jene Männer in die Welt setzten, von deren ethischen Principien unsere ganze Cultur zehrt; denken Sie daran, daß auch Sie Kinder haben und ein neuer Inhalt wird ihr Leben erfrischen." „Erziehen Sie Ihre Kinder zu Juden, meine Gnädige, zu solchen Juden, auf die stolz zu sein wir Ursache haben und nicht zu gedankenlosen Antisemiten, die jede Gelegenheit wahrnehmen, um sich von ihrem Volke davonzuschleichen. Denn sehen Sie, meine Gnädige, wenn erst die jüdischen Antisemiten aussterben, dann wird es auch keinen christlichen geben! lind darum, — ohne Groll und Rancune — bessern Sie sich!" 8t. -. Die Bücherwelt. Major Conder über Palästina. „Völlig cultivirt, würde das Land nicht nur seine Bevölkerung unterhalten, sondern noch viel Getreide zum Export erübrigen, welches leicht mit dem russischen Getreide und dem von Indien concurriren könnte. Ich bin in den Bauernhöfen des Bechuana-Landes gewesen und in denjenigen des westlichen Transvaal; ich bin durch die Karoo gereist und . bis zu den Grenzen der Kalchari- Wüste, aber es scheint mir ausgemacht, daß diese neuen Gebiete für englische Colonisation bezüglich der Fruchtbarkeit und des Wasserreichthums sich mit Palästina nicht messen können." . .. (Aus Major Conder's gedrucktem Vortrage „Jüdische Colonien in Palästina". London 1892). Jsch Jehndi: Sichron Zion. Kolomea 1896. Verlag des „Haam" 28 S. (jüdisch-deutsch). Während man in assimilatorischen Kreisen bestrebt ist, den Zionismus als eine dem messianischen Glauben des Judenthums widersprechende Bewegung zu verschreien, ohne jedoch, wie es selbstverständlich ist, auch nur einen einzigen Beweis dafür aus der jüdischen Literatur erbringen zu können, ist es den wahrhaft, nach alter Weise, frommen Juden gelungen, aus der talmudisch-rabbinischen Literatur der ganzen Diaspora, durch Hunderte von Citaten, das Gegentheil zu beweisen. Die bedeutendsten und frömmsten Rabbiner des Ostens, denen man zumindest so viel jüdisch-religiöses Gefühl zumuthen darf, als der deutsche Rabbinerverband vielleicht gar niemals beansprucht hat, haben diese Ciiate in dem bekannten Buche „Schiwas Zion" zusammengetragen, aus dem dieses, für die Agitation in Galizien vorzüglich geeignete Büchlein einen kleinen Auszug bildet. Wir finden in demselben gar merkwürdige Dinge, welche unsere westlichen Religionsbeschützer entweder nicht gesehen, oder mit Absicht Überrehen wollen. So z. B. daß man „am Sabbath einen Vertrag darf schreiben lassen, sobald es sich um das Erwerben von Boden im heiligen Lande handelt" (Gitin 86); „Jerusalem (= der Tempel) könne nicht eher erbaut werden, bevor die Juden aus der Diaspora sich dort wieder eingesunden haben" (Tanchuma 58). „Mit der Zustimmung der Regierungen werden die Juden in ihr Land zurückkehren" (Nachmanides zu „Hohes Lied" 5, 12) „Wenn es uns gut geht, glauben wir ein neues „Jerusalem" gefunden zu haben, deshalb folgen auf gute Zeiten fürchterliche Verfolgungen wie in Spanien rc. . . . Israel ist nicht alleiniges Besitzthum Gottes, sondern auch sein heiliger Boden ist das Erbe Gottes; die Thora (stets Religion) hängt von beiden ab: vom Volke Gottes auf dem Boden Gottes! Wer das eine verwirft, hat auch das andere verleugnet" (Jacob Emden) „Nur in euerem Lande seid ihr sicher, niemals aber in fremden Ländern" (Midrasch zu Levit. 26) rc. rc. Wenn das Büchlein nicht mit jüdischen Typen gedruckt wäre, würden wir es so manchem „deutschen Bürger mosaischer Confcssion" zur Verseuchung s iner „religiösen" Bedenken gerne anempfehlen. M. B. Das zionistische Sammelwerk in r u s s i s ch e r Sprache „Zarja" (Morgenröthe), welches zu Ende des. Sommers erscheinen und dem Andenken W. L. Bermrnn's gewidmet sein wird, hat folgenden Inhalt: 1. Dem Andenken W. L. Bermann's (Gedicht) von L. Jaffe; 2. W. L. Bermann (biographische Skizze) von M. L. Lilienblum; 3. Die Wiedergeburtsidee und ihr neuester Vertreter (Ueber das Buch „Al parascliath derachim“ von Achad-Haam) von Joseph Klausner; 4. An Zion (Gedicht) von Ch- Singer; 5. Sabbath- Abenddämmerung (Skizze) von L. Rubinow; 6. In den Meerestiefen (Poöm) von I. L. G o r d o n (aus dem Hebräischen übersetzt von L. Jaffe; 7. Ein königlicher Traum (über die Herz lösche Broschüre „Der Judenstaat") von F. Lippschütz; 8. Eine Reise nach Palästina im Jahre 2030 von L. Lebinsky (aus dem hebräischen übersetzt von L. I.); 9. Neue Lieder von Marie SPrinz ak; 10.'Zeitklänge (Novelle) von L. Peretz; 11. W. L. Bermann in Palästina von Hemdah Ben-Jehudah; 12. Neues Leben (Gedicht) von L. Borissow; 13. „Nicht durch Kraft, sondern durch Geist" (über die Berliner Palästina-Ausstellung) von Saul Tschernichowsky; 14. Die jüdischen Colonien in Palästina von N. Sloustsch; 15. Genaues^ Verzeichniß der besten zionistischen Schriften von Beth-Zion; 16. Einiges über W. M. Bermann von Dr. S. Skomorowsky. In allen Angelegenheiten der „Z a r j a" wolle man sich an Joseph Klausner in Heidelberg, Plöckstraße 85, wenden. — Wir machen auf das im Verlage von Hermann Haacke in Leipzig erschienene epochemachende philosophische Werk „Metaphysik" von Dr. I. Rülf aufmerksam, in dem der Verfasser auf dem Boden der wissenschaftlichen Erfahrung den Aufbau eines die gesummten philosophischen Ideen des Jahrhunderts zusammenfassenden Systems durchführt. Die „Metaphystik" hat in ausführlichen -Recensionen von Gerhard v. Amyntor, Eduard v. Hartman, Dr. Moritz Brasch u. A. die schmeichelhafteste Würdigung erfahren. Es gliedert sich in drei Theile: I. Wissenschaft des Weltgedankens; II. Wissenschaft der Gedankenwelt; III. Wissenschaft der Krafteinheit. Uriel Acosta Erzählung von I. Zangwill. II. Theil: Urtel Acosta. (7. Fortsetzung.) Wenn er in die Wohnung des Arztes gieng, mußte er dort Glaubensgenossen antreffen. Vielleicht würde sein vergessener Name für die jüngere Generation keine furchtbare Bedeutung haben; aber Dom Diegos Freunde würden sich sicherlich unter den Alten befinden. Nein, er selbst mußte Dom Diego sagen, daß er ein Aussätziger, ein Paria sei. Aber da dies eine ewige Trennung bedeuten konnte, sollte es nicht ohne eine letzte Zusammenkunft geschehen. Er schickte Peter mit einem Briefe an den Arzt und bat um die Erlaubniß, seine Gastfreundschaft am selben Abende zu erwidern. Nachdem der Arzt die Einladung für sich und feine Tochter angenommen hatte, ließ Uriel eine Scheuerfrau kommen, die Wohnzimmer in dem großen, spinnwebenbezogenen Hau>c wurden gescheuert und

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