Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 21 (13.3.1934)
- Date
- 1934-03-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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4. Jahrgang Nummer 21 3flöifd)«lUictfllc 5cifimfl Beilage _ 13. März 1934 Eine Stätte der Erinnerungen Berlins ältester jüdischer Friedhof Die Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, jetzt „Jüdisches Museum“, wird oft als einzigartige .Sammelstätte jüdischer Erinnerungen genannt, hauptsächlich wohl im Hinblick auf die vielen Kultgegenstände, die früheren Generationen die Stunden der Weihe bereiteten. Aller außer dieser Sammelstätte gibt es hoch eine andere — hier ist der Tod der große Sammler, aber die Erinnerungen sprechen vielleicht noch eindrucksvoller zu uns als im Hause Oranienburger Straße. Gemeint ist der älteste jüdische Begräbnisplatz. Dieser Friedhof befindet sich hinter dem jüdischen Altersheim in der Großen Hamburger Straße 26 und reicht in seinen Uranfängen bis ins ausgehende 17. Jahrhundert, zurück. Im Jahre 1826 fand die letzte. Bestattung auf diesem Friedhofe statt, der 1672 eröffnet wurde. Heute noch umfaßt der malerische, inmitten hoher Häuser gelegene Friedhot gegen 2800 Denkmäler und mit ihnen ein bedeutsames Stück der Geschichte Berlins. Das noch vorhandene Denkmal des hier zuerst' Bestatteten mit dem Namen Gumprecht blickt also auf ein Alter von 262 Jahren zurück! Berühmte Lehrer des Judentums und weithin bekannte Gelehrte wie Moses Mendelssohn und dessen Freund der Freigeist Satanow, welcher in der Ecke des Friedhofes bestattet liegt, weiterhin der Arithmetiken Wolff Rechenmeister (gest. 1798), der Freund Lessings, von diesem als der,’Derwisch in dem unvergänglichen Werk „Nathan der' Weise“ verewigt, sind hier im Tode vereint. Wir finden die Gräber der Eltern und des: Gatten von Henriette Herz, einer ge- ■ borenen de Lemos, des Philosophen und Verfassers des „Leviathan“, Df. Saul Ascher. Wieviel Menschen ruhen hier, die für die Geschichte - Berlins von großer Bedeutung waren! Es treten uns die. Namen der Familie Itzig (Hitzig) entgegen,' deren Urahn Daniel Itzig der Pferdelieferant König Friedrich Wilhelm I. war. Ebenso ruht hier der bekannte Münzentrepeneur Friedrichs des Großen, Veitei Ephraim, und der Krösus Berlins aus der Zeit der französischen Fremdherrschaft, Li M. Wulff. Er war mütterlicherseits der Großvater Giacomo Meyerbeers und soll mehrere 1000 Taler für die besondere Ehre gezahlt haben, nach seinem Tode in die erste Reihe der „obenan“ Bestatteten zu gelangen. Nicht nur historisch, sondern auch künstlerisch sind viele Grabmäler dieses alten Begräbnisplatzes bemerkenswert. Wir finden eine Reihe barocker Epitaphien, welche kunsthistorisch leider noch keine Würdigung erfahren haben. Von ihnen fallen sogenannte ■ Kastengräber des 18. Jahrhunderts auf, plastischen Schmuck in Form von ruhenden Löwen abweisend. Stelenförmige Grabsteine mit gewölbter Inschrifttafel zeigen ebenfalls zum guten Teil ausgesprochen künstlerische Formen, und es wäre interessant, den Meister-dieser Kunstwerke ausfindig zu machen. Unter besonderem Schutze steht das Grab Moses-Mendelssohns, des großen Philosophen. Von einem Gitter umfriedet, hat er in der- Ehrenreihe der hier Bestatteten seinen Platz gefunden ... Auf dem kulturgeschichtlich so interessanten Begräbnisplatze sollen im Laufe der Jahrhunderte gegen 12 000 Beerdigungen stattgefunden haben; denn er diente auch auswärtigen jüdischen Gemeinden zu Begräbnisstätten. Die Renovierung vieler Gräber und die systematische Aufzeichnung der Grabsteine ist das Verdienst des in den achtziger Jahren verstorbenen Inspektors Landshut. K. L. Die Sederabende des Berliner Religiös-liberalen Vereins Die „Vereinigung für das religiös-liberale, Juden- - tum, Ortsgruppe Berlin“ gibt noch einmal die von ihr veranstalteten Sederabende bekannt; seit der letzten Veröffentlichung sind neue hinzugekommen. Bisher sind folgende Abende in Aussicht genommen: im;Westen; Kleiststr. 10, Bne-Briss-Loge (Tel.: B 4 Bavaria 3421). Preitag, 30. März, abends 8.15 Uhr..Trockenes Gecjeck 3RM. Im Bedarfsfälle Abhaltung des zweiten. ■ Sederabends. in Wilmersdorf: „Landhaus“, Kaiserallee 42 (Ecke Berliner Straße) (Tel. H 7 Wilmersdorf 0198). Freitag, 30. März, abends 8.15 Uhr. Trockenes Gedeck 3,— RM. Hotel „König von Portugal“, Berlin C 2, Burgstr. 16 (Tel.: E 2 Küpfergraben 1525). Freitag, 30. und Sonnabend 31. März, abends 8,15 Uhr. Trockenes Gedeck 2.50 RM. Die Sederabende werden von gut ausgebildeten Kantoren geleitet. Die verabfolgten Speisen sind erstklassig zubereitet. Für eine würdige Feier wird gesorgt werden. ' Anmeldungen werden bereits jetzt von den obigen Stellen sowie die Vereinigung für das religiösliberale Judentum, Ortsgruppe Berlin, Charlottenburg' 2, Bleibtreustr. 45 (Tel.: Bismarck 4958) ent-, gegengenommen. ön de* flauen Synagoget - WlendeC&&oftn6 ySCias* - Wenn heute die Kiiiistlerhilfe, also die Jüdische Gemeinde, m der größten Berliner Synagoge eine Aufführung des Meiidelssohnschen „Elias“ veranstaltet, so wird damit die Frage nach dem Wesen, insbesondere nach der religiösen-Art dieses Werkes, in lu-soridcrenrMalle akut. Mendelssohn ist bekanntlich von seinen Eltern inr Christentum erzogen worden, und er hat seinen protestantischen Glauben mit der ilun eigenen religiösen Innigkeit angehangen. Ist Mendelssohn in die allgemeine deutsche Musikentwicklung leicht ein/ureiheii, so begegnet die Frage nach dem Jüdischen in seine^Kunst großen Schwierigkeiten. Dali uns-manche melodische Wendung, mancher Mollakkord „jüdisch" klingt, will noch nicht viel besagen. Und doch hat gerade Mendelssolm nicht mir auf die Kirchenmusik, sondern auch wie kein Zweiter auf die, mehrstimmige Synagogemnusik des späteren 19. Jahrhunderts einen außerordentlichen Einfluß ausgeübt. — Ober all diesem Für und Wider, aut das hier nur einmal hingewiesen werden sollte, darf man jedenfalls nicht vergessen, daß der EliajeC zuni Größten Mendelssolmsehen Schaffens gehörend, ein musikalisches Kunstwerk von ganz hohem Ränge da Kunstwerk, das auch im Religiösen stark ist; vielU.cm m der Intensität, mit der Mendelssohn gerade diesen. Stoff erfaßt hat, so etwas wie jüdisches Erbteil spürbar. Die Aufführung in der Neuen Synagoge gestaltete sieh - zu einem der festlichsten Ereignisse im jüdischen Musikleben dieses Winters. Das Hauptverdienst daran gebührt wohl dem Dirigenten Leo Kopf, der mit seiner Chorvcreinigimg wirlich Hervorragendes leistete. Auch der jüdischen Orchester" Vereinigung, die, abgesehen von einigen Bläscrkalamitätcii, recht klangschön spielte, war Kopf im allgemeinen ein guter Führer; einen ernstlichen Mangel bildete nur die Begleitung =r der Gesangssoll. Alexander Kipnis gab der Titelpartie die ganze Fülle und, Schönheit seines Organs'und traf auch ausarucksmäßig den rechten Ton. Paula Lindberg sang die Altpartie mit gewohnter Innerlichkeit: die Tenorsoll waren bei Max Mansfeld gut aufgehoben. In den'kleineren ' Partleen leisteten Allee Uelsenberg, Allee Hannes-C&aslerer, Mariequita Secken und Else Löwen Gutes. An der Orgel wirkte Erwin J o s p e als stilvoller Begleiter. Der starke Eindruck, den die im Ganzen hochstehende Aufführung hinterließ, möge den Beteiligten ein Ansporn sein, uns bald wieder solche Veranstaltung zu schaffen! ’ F. floefi ein Synagoganßon$e\t Die Jüdische Gemeinde Berlin, Abteilung Winterhilfe, veranstaltete in der Synagoge Lindenstraßc ein Konzert von den vom Winterhilfswerk Betreuten. Der Abend wurde mit einem Orgelkonzert, klangschön gespielt von. Ludwig Allmann, eingeleitet. Es folgte die Ansprache des Leiters der Winterhilfe, Gundersheim. Rolf Nilbers, von Grete p-!* *-—=-Klavier IEmtl Stockfisch p^;h.8pokcn. Kupfapslandamm flftO Im Hause -- 1 IKrafft-Zigarren ■ Friedrich Kunize H 'BSüS&Üis Schnelles und akkurat« motorwasenerei uHimersflon Marie Pullpalf Ptitterel, Bardlntnipln. BarL-Wllmirsdorf, Uhlandstr. 98-99 nahe Wilhelmsaue. Tel. H 7 Wllmersd. 3426 Lieferung u. Abholung fr. Haus Wäscherei Gerewltz NEON lEUCHTROHREN INDUSTRIE EIEKTROWERKSTJETTEN Spezialfabrik v.Leuchtröhren - Eigene Laboratorien u. Glasbläserei Rep. elektr. Apparate und Maschinen - Moderne Lichtreklamen Berlin N 54, Schönhauser Allee 6-7 - Fernspr. D1 Norden 0783. PoUtermöbel - Dekorationen . 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