Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 14 (2.4.1936)
- Date
- 1936-04-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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bpffMimiüdi kvm.-irn und ' ftrcnn ' rclioiö?. Moses--zeucn . «urr cs. nnmcr im . nu-itcrcn Verlauf der Uunneniwiaeliina. bei den 'Nazarenern. die im allaerneiiirn rin'ifilidu' -cUme bevorzugen, nnrtj Ihm linde und seinem Kcets, die sieli um die Verqeaeinvartiqnnq didliseiien Geschehens duvti] Uebec-tragnug in unsere Zeit öeniuhenc Für den modernen, benmßten, stidischeit KtiMtler betommt die pathotiffl)C Wc-iiitlt von c.'Nvses eine neue Ansehung.: ein Bildvon Ven'er Nrh „'Moses fiept bae- 'gelobte Land 'snt lehr belannt. - Und doch: iinnerriietbar. steht '.der Aivses des Rcic-tset 2lnge!o. - vu-erist ein Grad' von Ersnlltsein der aitßeren Form mit innerem vöehalt, das; mait von einer ^endgültigen Lösung sprechen kann. Tie gewaltige Sitzfignr war für einen größeren Zusaimneithang, für das geplante Grabmal des Papstes Julius IIbestimmt. In einem architektonischen Aufbau sollten 10 Figuren als Träger abstrakter Ideen verbtinden tverden. Diese Art der Figuren-, Verknüpfung, nicht dnreli Teilnahme an einem bestimmten Ereignis, sondern inAmeru eonvc-i^a/iono hat weit pirüekreirlicnde Vorstufen. Moses steht als messianischer Zeuge neben den Propheten in der gotischen Kathedralenplastik und eine solche Urtterhaltung c<ub 8peeie noternitatis toar auch bei dem Moses-Brunnen in Dijon gedacht, der als eines der drei großen Weltwunder nordischer Minist bezeichnet worden ist. Ter Schöpfer Claus S luter (um 1100> ist durch die Verquickung von deutscher Herkunft uitd sranzvsischcm Knlturkreis zu einer ganz einzigartigen Ausdrncksweise gekommen^ Er hat die Anregung für seinen' Mose» betckwort di• Fbutmgnk^ Cemäid» Luter Ury FoU Archiv Sonnen feld (8) % Ä4 ' Moses in dem Iudenviertel gefunden und' ist durch künstlerische Verdichtung und Steigerung von Einzelzügen zu diesem Allgemern« tppüs gekommen, diesem Sinnbild des weilen^ ehrsurchtgebietenden. Willensstärken Führenden. Es liegt nahe, diesen Greis mit den mächtigem.'bocken und dem zum Gürtel wallenden Bart, mit dem rauschenden Gewand, in dessen Faltensprache man siel) einfühlen muß. run die Steigerung im Sinne der Äconumentalität zu verstehen, mit Michel Angelos Werk zu vergleichen. Auch Alichel Angelv gibt ein Charakterbild, eine Verdichtung von Eigenschaften und Handlungen, nicht diechisto-; rische Persönlichkeit in einem bestimmten -Moment. Er gibt eine Steigerung der physischen lind psychischen Möglichkeiten, eine Steigerung durch Ueberlebensgröße, durch die geschwellten Rtnskeln, die die gehemmte, latente Kraft verdeutlichen, eine Potenzierung im Psychischen durch die Willenskraft des heldischen Propheten, der berufen ist, zu regieren und bereit zu zerschmettern, weil auch der Zorn bei ihm ein aufbauender Affekt ist. - Daß dieses Bild von Moses auch im Sinne der gläubigen Juden ist, können zwei Hinweise veranschaulichen. In einer italienischen Haggada von 1.16O befindet sich ein Holzschnitt von Moses,, der sich ganz an Michel Angeld anlehnt — allerdings hat man das Judenhütchen zugefügt — noch eindrucksvoller ist der Bericht von Vasari, dem zeitgenössischen Künstlerbrographen, „daß allsamstäglich die Juden aus dem Ghetto Roms wie die Kranichschwärme ziehen, um ihren Capitano degli Ebrei zu verehren." Ein Sederabend bei Marannen Als einer der ersten jüdischen Aerzte in Wilna war am Ende des 17. Jahrhunderts Dr. Aron Gordon, der Stammvater der angesehenen Wiluaer Familie Gordon, tätig. Dader Weg zur Hochschule seinerzeit in Polen und in Litauen den Inden versperrt war und Gordon unbedingt studieren wollte, begab er sich nach Italien. Er absolvierte . die medizinische Fakultät in Padua und kehrte daun nach Litauen zurück, tim sich als Arzt in Wilna niederzulasseu. lieber seine Rückkehr aus Padua nach Wilna erzählte der Wiluaer Rabbiner Israel Gordon. ein Urenkel des Arztes, folgende, geradezu legendär änmutcnde Episode: Nachdem Aron Gordon sein medizinisches Studium in. Padua mit der Erlangung der Doktorwürde beendet hatte, unternahm er die weite Rückreise in seine Vaterstadt - Wilna. Kaum hatte jedoch das Schiff, das ihn in die Heimat bringen sollte, den italienischen Hasen verlassen, als ein - schwerer Orkan über die italienische Küste zog und das Schiss in die spanischen Gewässer verschlug, wo es tagelang leck herumtrieb und schließlich an einem Felsufer gänzlich zertrümmert 'wurde. Nur wenigen Schiffsbrüchigen gelang es, sich zu retten, darunter auch Aron-Gordon.'Als er nach vielem Her- ' umirren an einem Hafen anlaugte, bemerkte er. daß er siel) in einer spanischen Stadt befand. Er tvußte. daß uaeli der.Austreibung der Juden im Jahre 1-192 diesen unter Todesstrafe der Aufenthalt in Spanien verboten war. Dazu kam noch, daß er keinerlei Mittel zum Leben besaß. So irrte er, gezwungen. seineil Glanbeil' zu verheimlichen, in der spanischen Stadt umher. Besondere Sorge illachte ihm das nab ende Pesfäch-Fest. da er als frommer Jude den Seder gern unter Juden gefeiert hatte. Es war ihm nun bekannt, daß in Spanien noch viele Mar Minen lebten, die im geheimen die jüdischen Feiertage und besonders die Seder-Abende streng durchfülirten. Er daelite lange darüber nach, wie er ans feiner kritiseiieil Lage heraustäme, bis ihm schließlich ein rettender . Gedanke einsiel. Am Rüsttag vor Pessach begab er sieh Zllm Gemüseularkt iiild stellte siet) vor die Körbe einer Grüilwarenhöterin. bei der inan das Grün.- lind-.Krä!!ler'eng für den Sedertiseb einkauseil niußte. Plöntieli fiel il)in ein großer Herr.auf. der.mit seinem Diener aus einer schönen Kutsche stieg. Er folgte ihm und sah. daß er tatsächlich Grünzeug für den Sedertisch einfaune. Als liuil der Herr wieder in.-seinem Plagen stieg, lief Gordon ihm nach, bis der Wagen vor einer großen Villa stehen blieb. Gleich daraus ließ der Arzt sieh benn Hausherrn melden lind erzählte, ihm, als sie beide allein waren, von seinem Unglücksfall: ..Auch du bist Jude, so wie ich", schloß er seiile Erzäl)lling. ..heute ist der 'Nüsttag des Pessach,' undich bitte - dich, rrm dic^Er- 'laubnis. an diesem Festtag an deinem Tisch weilen zli dürfen, damit ich nicht auf der Straße, vor Hluiger vergehe." Anfangs tat der Hausherr so. als wüßte, er nicht, was der Fremde eigentlich roünfche. Aber schließlich, als Gordon ihmseine He-rlunft lind Schicliale icachlvies. gab er /zu. daß er ein Ptaranne sch. lucd chal'in den jlltlgeil litauischen Arzt freundlich bei sich aus?-/Abends führte er ilm ein . unterirdisches Gewölbe des Hallies. das -prächtig für die Sedertaiel bereitet lvar. Die Frau, der älteste Sohlt und viele Verwandle' des Gastgebers nahmen aM Seder teil, der 'eierlich nach'allen Regeln ' des Ritlls dnrcbge'nhrt 'wurde. . Gordon blieb lloch mehrere Tage nach dem Festtag im Hause. Als er sich aus die Seimreise vorberertete,. hals ihm dieser, ein chifs zu bekommen, und beschenkte ihn reichlich. So verließ Gordon die hilfreichen Marannen und trat die weite Reise an mit besonderen Gefühlen und Gedanken über das seltsame Erlebnis. Er erreichte Wilna ohne weiteren Zwischenfall, und bis an sein Lebensende gedachte er des unter so merkwürdigen Umständen verlebten Seders. Is^svl Bergmann Aufschrei aus dem Kreis der Leserinnen Bei uns gibt es eine Familienszenel Und' weil Sie. sehr verehrte C.-D.-Zeitung, diesmal die mittelbare Veranlasfling find, fasse ich den Atnt. 'Sze zlim Richter uild Schlichter anzurufen. Die Sache ist nämlich so: — doch halt, zuerst muß Ich mich Ihnen wohl vorstellen. Wie ich heiße, tut nichts zur Sache, daß ich aber eher über als unter achtunddreißig Jahre alt bin, ist bedauerlicherweise deshalb von Bedeutung, weil diese ominöse Ziffer Ihnen in biefertt Fall einen Zeitabschnitt umreißcn soll, in dem man in so manchen westlich gelegenen ' jüdischen Häusern von Käschern und Chamez wenig wußte. Hinzuzccfügen wäre noch meine sechzehn- . jährige Tochter, vvrwurssschwer und dräuend wie eine Gewitterwolke gegen mein jüdisches Unwissen gerichtet, und außerdem mein bestürzter und hilfloser Gatte,. der unter Aufbietung / der letzten Kräfte seinen Schreibtisch vor besagter Tochter . verteidigt. Die Situation ist kritisch, ich stehle mich zur ' Seite, Sie um Hilfe zu bitten. Im Zimmer nebenan schwenkt die Tochter ein Zeitungsblatt wie eine Kriegssahne, es ist das dritte Beiblatt der C. - V.- Zeitung vom 26. März 1936: das „Blatt der jüdischen Frau". Und somit bin ich auf den Ilern meiner Angelegenheit gekommen. „Da? "HauS wird pessachlich" steht als große Ucbcrschrist auf dem Zcitungsdlatt, und es folgen die Vorschriften, die eine Hausfrau bis zu der Feier des Sederabends zu erfüllen hat. Ich muß Ihnen gestehen, daß ich sie zcierst nur mit dem Interesse gelesen habe, mit dem man alte Sagen liest, mit der gewissen Rührung und Verwunderung. mit der man von den Bräuchen und Sitten der Ilraynen hört, kurz, cs wäre mir schwerlich eingefallen, daß ich diese Vorschriften für mich in die Praxis nmietzen könnte, sie für meinen Haushalt befolgen müßte. Anders meine Tochter. Als sie sich darüber getröstet hatte, daß wir schon sehr viel Zeit verloren hätten und nicht schon im Winter/die rote Rüb'ensuppc nngefetzt und GUnse» schmalz in besonderen Gesäßen gesammelt haßen, begann sic die Wohnung ans den Kopf zu stellen. Und sing mit der Sciienlauge an und besorgte für ibr Taschengeld einen grvßen neuen Keifel zum Käschern. Ich hatte gegen alles nichts einzuweuden — was soll man auch gegen so ein großangclegtes Großreinemachen einzuweuden haben —. und nach und nach kam auch noch zusätzliei, die mir bisher unbekannte Freude dazu, allen diesen- Verrichtungen einen guten, höheren Sinn zu unterstellen, sie als Shmbol aufzusafsen lind als Art Zeremonie auszuübcn. Aber trotz allem kann mau auch dann nur ein gewisses Maß erfüllen, cmd daS Zulernen, ich möchtettrbcr liebersagen, das ..Zusühlen" in diesen Dingen geht, ivenn man. in dem Alter ist. wo man sich bisweilen einzubildcn vermag, daß man schon reif und im gewissen Sinne seine Ausäcauungen im tveientlichen fertig hatl nicht sorasch und nicht so vloniich. Meiner Tochter geht es aber bei ihren eitern entschieden zu langsam. Und ich r höre sie erregtim Nachbarzimmer sprechen. Ganz um'on'l vernäiert, ihr mein Nkann, daß er niemal» während seiner Arbeit ein Butterbrot gegefsen Habe, daß also kein Chamez zwischen seinen Aktenbündeln möglich sei. Es nützt nichts, sie geht den Akten doch zu Leibe. Und verlangt weiter, daß der Kaufvertrag abgeschlossen^ werde, wegen des ungekascherten Gerätes. Eine Akte ist inzwischen in einen Kübel Wasser gefallen. Mein Mann hat etwas gerufen, was stch nicht -wiederholen will, die Stimme meiner Tochter droht umzukippen, zu allem liegt es mir schwer auf der Seele, ob mir auch die Mazzeloksch, deren .Rezept Sie veröffentlichten, und die auch die Familie insoweit vorübergehend einigte,' in dem jeder einzelne einverstanden war, sie dem Sederessen einzufügen, gelingen werden. Ich wage meine Tochter gar nicht zu fragen, wie viel Gäste sie zu dem Abend eingeladen hat; aber Sie, verehrte C.-V.-Zeitung, will ich fragen,. wie ich meinen Mann und meine Tochter wieder versöhnen soll. Im Augenblick scheint jeder Versuch aussichtslos. wegen der nassen Akte, auch wegen des andauernd schrillenden Telephons, öas immer eine neue Zusage eines Gastes für öen Abend versichert. Für umgehende?tntwort wäre ich Jlsnen sehr verbunden. Ihr« langjährige Leserin. P. S. Trotz allem freue-Ich mich auf den - Sederabend wie ein Kind, das etwas Meues unb Schönes kennenlernen soll. Das wollte ich nur hinzuslgen, damit Sie meinen Brief nicht mißverstehen, und damit Sie wissen, wie dankbar ich Ihnen bin, daß Sie mir zu alledem verholfest Oie neue Pessach - Haggada Die Pessach-Haggada ist gewiß kein neues Buch, sie befindet st>h wohl in jedem jüdischen Haus, sie ist populär wie nur irgendein Werk, und doch ist die neue Ausgabe, die der Schocken-Verlag jetzt vorlegt, etwas Ungewöhnliches, etwas Neuartiges und Schönes. Während die üblichen Ausgaben nur eben den hebräischen Text, daneben die deutsche Uebersetzung — die meist nicht viel wert ist — und allenfalls in Raschischrist einige wenige Regieberüerkungen und davon deutsch wieder nur lakonische Verkürzungen enthalten, bringt die neue Haggada von E. D. Goldschmidt zum Text kerne, vollständige Verdeutschung, sondern nur bestimmte Stücke, zum übrigen aber einen ausführlichen Kommentar in deutschev Sprache. Der Zweck ist klar: die unkommentierte. wenngleich übersetzte Haggada ist nur eine Handhabe zur quasi mechanischen Abhaltung des Seder, diese hier ist Anleitung zur verständigen- und selbständigen Verrichtung. In einer knappen Einleitung wird zunächst der Inhalt der Haggada, ihre Geschichte Und die Bedeutung der Pessach-Symbole dargestcllt, dann die Einrichtung des Seder- Disches beschrieben, der Verlauf des Seders -nach einem populären Werkspruch berichtet und schließlich Sprache und Text der Haggada kurz, abererschöpfend bis ins philologische Detail untersucht. Dann folgt die . Haggada selbst, der Text hebräisch, der Kommentar deutsch, in diesen durch besondere Druckanordnung kenntlich, ist die Uebertragnng der wesentlichen Sätze hineingearbeitet. Der Kommentar erklärt das Wesen, die Geschichte, den Sinn des Textes und der bei der Verlesung vorzunehmenden Handlungen, berücksichtigt die verschiedenen landesüblichen Sonderbränche und die divergierenden Tcntüngen . aller maßgeblichen Kommentatoren voni Maimonides, Raschi, Alfaßi bis zum Gaon von Wilna, ohne aber darum auf eigene Aenßerstngen zu verzichten. Um die Art des Kommentars zu bezeichnen, zitieren wir die Stelle im Anfang, wo von den vier Söhnen die Rede ist. Goldschmidt übersetzt statt „Söhne": Kinder, eine notwendige Korrektur der durch das in den verbreitetsten Haggadot übliche Bild entstandenen Fehlvörstcllung, und bei ihm heißt der Passus über den „Bosewicht" (S?i!n) deutsch: „Wie fragt oas böse Kino? Was sollte ach dieser Dienst! Euch (sagt er), nicht auch ihm selbst! Nun, so wie er sich aus der Gesamtheit ausschließt.(und damit Gott verleugnet), io mache auch du ihm die Zähne stumpf und antworte ihm (mit Exodus XIII.,,8): Deswegect hat Gott es mir getan, als ich aus Aegypten zog: mir. nicht ihm. Wäre er dort gewesen, er tvärc nicht erlöst worden." Nun Goldschmidts Kommentar: „Beweis für die Schlechtigkeit des Fragenden ist das (dem Wortsinn nach ganz harmlose) [eudj], womit er sich selbst sozusagen als nicht zugehörig bezeichn net; dieFragk hat nunmehr einen geringschätzigen Ton erhalten. (Änm.: Besonders drastisch im jerusalemischen Talmud: was für eine Mühe macht ihr uns hier jedes Jahr!" ■HpSD "IL21 ist Zusatz der Mechilta, wo übrigens die Antwort viel wirkungsvoller in der zweiten Person erteilt ist.) ‘IBS „er hat die Grundtatsache nicht anerkannt"-, d. h. Gott verleugnet. IW kirr nnpn „gib ihm eine scharfe Antwort, daß sein Biß unwirksam werde"/diese Antwort wird in der angeführten Stelle gesunden, indem i^, (nur) genau so prägnant gefaßt wird, wie vorher VSH (euch)?' Ausführlich erörtert Goldschmidt die gesamte Haggada, was besonders, dankenswert bei den auch im deutschen Ritus üblichen Liedern erscheint, die aus nicht ganz leicht verständlichen Zusammenstellungen biblischer Ereignisse entstanden sind. Am Schluß folgen einige Gesänge, die in Pemen, Tripolis. Bagdad, Avignon gesungen werden, aber auch sonst ist gewissermaßen die gesamte jüdische Welt berücksichtigt, bis zu den in Ceylon und Cochin üblichen Bräuchen. Goldschmidts Arbeit ist mustergültig und herrlich. Besonders reizvoll ist eine Uebcrraschung dieser Haggada, die vollständige Uebersetzung nicht nur der Hnllel-Psalmen, sondern auch eines Segens, eines Hymnus und vor allem des Tischgebets durch Martin Bube r. Dies Gebet ist einmal, vor sechzehn Jahren, von Franz R o s e n z w e i g übertragen, wordetr und unter dem Titel „Der Tischdank" erschienen, es war einer der ersten Versuche Rosenzweigs in dieser Richtung, die dann zu der gemeinschaftlichen Bibelverdeutschung führen sollte. Es war, wie Rosenzweig später, 1927, schrieb, die erste Etappe. Jehuda?Haleoys die zweite, die Bibel die dritte: „Daher bin ich heut vom Tischdank so weit, oder-noch tocitcr,; wie ich 1920 beim Erscheinen des Hegel von dem war." Es wäre deshalb unbillig, die Bubersche Nebertragnng von 1936 gegen die Rosenzweigsche von 1920 zu stellen; .Rosenzweig, wenn er heute noch lebte, würde - jetzt vielleicht eine- -Uebertragu-ng geschachsw haben, die der Buberschen ähnlicher wäre als seiner eigenen von 1920. Diese ist eine Dich» tnng. obwohl kein Wort hinzugedichtet ist, ein Hymnus mit erhabenem Tonfall, mit einer gewissermaßen gesteigerten, bewußt großtönigen Sprache. Die Bubersche Fiktion ist schlich, ter, prosaischer, dank- und gebethaster, Icifcr: „Ich war jung, alt auch bin ich worden, und sah wie einen Bewährten verlassen und seinen Samen suchend nach Brot." l. h.