Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 16 (1937)
- Issue
- 32 (12.8.1937)
- Date
- 1937-08-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 * 1. Beiblatt C.Y7eitunq 12. August 1937 »Seite 3 Ein Jubiläum der jüdischen Gemeinde Dessau In diesem Jahre kann die Jüdische Gemeinde Dessau auf ein 250jähriges Bestehen zurückblicken. Wenn sich auch bereits vor dieser Zeit — zumal während des Dreissigjährigen Krieges — Juden in Dessau wie auch in anderen mitteldeutschen Ortschaften ansiedelten, so ist ein jüdisches Gemeinschaftsleben hier doch erst seit dem Jahre 1668 urkundlich nachweisbar. Zu höchster Entfaltung gelangte die Gemeinde in der Mitte des IS. Jahrhunderts; damals zählte sie annähernd 1000 Seelen. Die starke Zuwanderung der Juden nach Dessau war bedingt durch das Verbot ihrer Niederlassung im nahen Leipzig, so dass auch Juden, die während der Messen in Leipzig starben, zumeist in Dessau beerdigt werden mussten. In Dessau, der Heimatgemeinde Moses Mendelssohns, herrschte bereits frühzeitig ein reges jüdisches Geistesleben. Davon legt die Tatsache Zeugnis ab, dass der Hpffaktor Moses Benjamin Wolff hier im Jahre 1690 eine hebräische Druckerei gründete, in der zahlreiche Werke erschienen. Ein weit deutlicherer Beweis aber für das in der Dessauer jüdischen Gemeinde vorhanden gewesene Bildungsstreben ist die im Jahre 1799 errichtete sog. Franz-Schule, die sich in der pädagogischen Welt hohenAnsehens erfreute undzahlreiche Schüler von weit und breit heranlockte. Sie stand unter Leitung David Frankels, und an ihr wirkten als Lehrer Männer wie Gotthold S a 1 o m o n, Moses P h i - 1 i p p s o n und Josef Wolf. Dieser amtierte auch als Prediger in der Gemeinde und hielt in der Dessauer Synagoge im Jahre 1S0S die erste Predigt in deutscher Sprache. Zur Verbreitung religiöser Aufklärung schuf David Fränkel die Zeitschrift „Sulamith". In neuerer Zeit war die Gemeinde Dessau insofern von besonderen Glücksumständen begünstigt, als die im Jahre 1903 verstorbene Baronin v. Cohn-Oppenheim, Tochter des Hofbankiers Baron Moritz v. Cohn, die der Gemeinde in liebevoller Anhänglichkeit schon zu ihren Lebzeiten bedeutende Zuwendungen gemacht halte, diese testamentarisch zur Miterbin einsetzte. So konnte die " Gemeinde die heute noch vorhandene, allerdings durch die Inflation stark verminderte, milde Stiftung für. Werke allgemein menschlicher Liebe und Fürsorge errichten, aus der Rechts: Neue Synagoge Dessau. — Unten: Geburtszimmer von Moses Mendelssohn Fot. (2) Herbert Scnnenfeld Karl und Manci Novelle von Mala Laaser (@<fjlu|) „Sag mal, was stinkt denn hier so nach Hering"?" fragte sie auf einmal kopfschüttelnd. Karl wurde totenblass. Die Hände rutschten ihm vom Schoss und hingen baumelnd in der Luft. Das Taschentuch flatterte zur Erde und Maoci hob es auf, drehte es zwischen den Fingern und führte es schliesslich mit aufgerissenen Augen zur Nase. Jetzt erst kam Karl wieder zu sich. Er riss ihr das Tuch aus den Händen, schob es zusammengeknüllt in die Hosentasche und lief hastig aus dem Zimmer in die Badestube. Unterdessen blieb Manci mit gerunzelten Brauen auf dem Teppich sitzen und betrachtete forschend eine kleine, schillernde Fischschuppe, die an ihrem linken Ringfinger klebte. Montag in der Mittagspause rief Karl bei Doktor Salinger an. Es meldete sich eine Frau, und zwar mit „Hallo". „Hier Doktor Brinkmann, kann ich bitte Fräulein Schnitter sprechen?" sagte Karl. Die Frau zögerte ein Weilchen. „Fräulein Schnitter arbeitet hier schon seit dem 1. Februar nicht mehr. Mein Mann hat damals seine Praxis aufgegeben und hält sich momentan in Tibet auf. Tut mir leid, Ihnen nicht einmal die Adresse von Fräulein Schnitter sagen zu können." — Karl stand fassungslos in der Fernsprechzelle. Was war geschehen? Warum belog Manci ihn, und wo verbrachte sie ihre Tage und ihre Nächte? Er sah nach der Uhr. Vielleicht war sie jetzt überhaupt zu Hanse? Wer weiss, was sie dazu bewog, ihn während der Wochentage von sich fern zu halten. Er stürzte ins Freie, pfiff einem Taxi und liess sich in ihre Wohnung fahren. : faulem Schnittes ist yon eines gutes Stunde in5 den Dienst gegangen sagte die Wirtin bedauernd. „Vielleicht gehen Sie einmal bei ihr vorbei, Herr Doktor, wenn es eilig ist." „Ja, natürlich, furchtbar gern", stammelte Karl ausser sich, „nur leider, — in der Aufregung weiss ich die Adresse nicht mehr so genau." Die alte Frau sah ihn prüfend an. „Ich weiss ja auch nichts Bestimmtes", meinte sie dann vorsichtig, „nur mein Schwager erzählte neulich, er hätte sie kürzlich bei Waskow in der Motzstrasse am Büff — im —, na, in der Schankstube gesehen. Vielleicht fragen Sie doch da mal nach!" „Wenn sie in den Dienst gegangen ist, kann sie doch nicht in einer Kneipe sein!" schrie Karl zornig. „Ach, das kann schon vorkommen", meinte die Alte zweideutig, „sehen Sie mal zu, vielleicht erwischen Sie sie!" Waskow, Motzstrasse, Kneipe Dienst, Manci — in Karls Kopf, ging alles durcheinander. Er stürmte die Treppe hinunter, rief von neuem ein Taxi an und fuhr in die Motzstrasse. Frau Salomon, die Wirtin, aber ahnte Böses. Eilig lief sie ans Telephon, rief bei „Waskow" an und fragte nach Fräulein Schnitter. Manci wurde gerufen und erfuhr, dass Doktor BrinkmamTdringend nach ihr gefragt hätte. „Es scheint etwas passiert zu sein", sagte Frau Salomon gutherzig mahnend. Dass er unterwegs zu Waskow war, hielt sie richtiger, für sich zu behalten. — Während Karl im Auto sass, erbat sich Manci, zu Tode erschrocken, eine kurzen Urlaub von ihrer Chefin. Auch sie sprang in ein Taxi und liess sich in die Brinkmannsche Wohnung fahren. Frau Brinkmann öffnete und erschrak heftig, als sie Manci in einem Zustand schrecklichster Erregung vor sich sah.; «fes M--8^-&--^&-^mi*Brß4 weithin reicher Segen entströmte. Diese Stiftung ermöglichte der Gemeinde die Errichtung einer neuen prächtigen Synagoge, eines geräumigen Gemeindehauses und einer würdigen Friedhofskapelle. Dr. W. Aus den Gemeinden Bremen Dem Jahresbericht der Israelitischen Gemeinde in Bremen sind statistische Angaben über den Bevölkerungsstand der Gemeinde zu entnehmen. Die Gemeinde, beruhend auf freiwilliger Mitgliedschaft, umfasste am 1. Januar 1936"~216 beitragzahlende Mitglieder, von denen 23 im Laufe des Jahres auswanderten bzw. verzogen. Der Zuwachs durch Binnenwanderung und Neuaufnahmen betrug 28. Ende 1936 hatte die Gemeinde somit 221 Mitglieder. Die gesamte jüdische Bevölkerung in Bremen bestand am 1. Januar 1936 aus 1231 Personen. Von ihnen wanderten 80 Personen aus. Der Verlust durch Binnenwanderung betrug 86 Personen. Unter Einrechnung der Todesfälle betrug der Bevölkerungsabgang 1936 186 Personen. Der Zuwachs durch Binnenwanderung umfasste 136 Personen. Insgesamt kamen im 'Jahre 1936 vier Geburten vror. Am 31. Dezember 1936 wohnten danach 1185 Juden in Bremen (1. Januar 1936: 1231). Die Zahl der Juden in Bremen betrug am 1. April 1170 und am 1. Juli 1135. > Königsberg i. Pr. Die Zahl der wahlberechtigten Gemeindemitglieder der Synagogengemeinde Königsberg betrug am 10. April 2133. In der Zeit vom 10. April bis 10. Juli sind an Zugängen 14 Personen, an Abgängen 83 wahlberechtigte Personen zu verzeichnen (davon 17 durch Tod. 66 durch Fortzug). Die Gemeinde hatte daher am 10. Juli nur noch 2064 wahlberechtigte Gemeindemitglieder. Die Minderjährigen umfassten am 10. April 464 Seelen. Hier "betrugen die Zugänge im zweiten Quartal 1937 8 (darunter eine Geburt), die Abgänge 49. Die Gemeinde hatte daher am 10. Juli nur noch 423 minderjährige Gemeindemitglieder. Demzufolge umfaßte die Königsberger Synagogengemeinde am 10. Juli 2487 "Seelen" (gegenüber 2846 am 10. Juli 1936). Konstanz Kürzlich fand aus Anlass der Wiederherstellung der fast vor Jahresfrist in Brand geratenen Synagoge in- Konstanz ein schlichter Festakt statt. Der neuernannte Bezirksrabbiner, Stadtrabbiner Dr. Siegfried Scheuermann, Freiburg i. Br., übergab die neugeweihte Synagoge der Gemeinde mit Segensworten. Der Gemeindevorsteher, Rechtsanwalt Moritz Bloch, nahm mit bewegten Worten das Gotteshaus in die Obhut der Gemeinde. Die Grüsse des Oberrats der Israeliten Badens überbrachte Konferenz- und Stadtrabbiner Dr. Hugo Schiff, Karlsruhe, und dankte den Baumeistern und Handwerkern, den Synagogenräten und vor allem dem Kantor und Lehrer Bravraa n n. Ihm verlieh der Oberrat in Anerkennung seiner Pflichterfüllung den ehrenvollen „Chower"- Titel. Sodann hielt Dr. Schiff die Festpredigt. Schneidemühl Die Gemeinde Schneidemühl ist durch den Heimgang ihres langjährigen Vorsitzenden, sagte sie angstvoll. „Lauf doch rasch einmal hinüber ins Geschäft und frage nach ihm, es ist ganz nah, am Rhesaplatz, "Meyer u. Sohn, ein kleines Fischgeschäft auf der linken Seite." In der Aufregung fiel ihr viel zu spät ein, dass Karl ihr das Versprechen abverlangt hatte, niemals zu Manci über seine Tätigkeit am Ladentisch zu reden. Nun wollte sie Manci zurückrufen, aber sie war schon die Treppe hinunter und aus dem Hause. Man müsste jetzt, um die Gleichzeitigkeit der folgenden Begebnisse zu wahren, zwei Handlungen, wie es zuweilen auf der Bühne geschieht, nebeneinander spielen lassen. Aber das ist schwer für jemand, der nur Worte und keine Bühne zur Verfügung hat. Jedenfalls geschah es fast im gleichen Augenblick, dass Manci bei Meyer nach Karl und Karl bei Waskow nach Manci fragte. „Der Doktor ist zu Mittag," sagte Fischhändler Meyer herzensfreundlich, „wenn Sie warten möchten, Fräulein, in ner halben Stunde ist er da!" „Die Manci ist eben 'mal für ein Weilchen von der Theke," sagte Frau Waskowa her^ensfreundlich, „wenn Sie warten möchten, junger Mann, sie muss jeden Augenblick zurück sein!" Aber weder der junge Mann noch das Fräulein hatten Zeit zu warten. „Schlimmes kann nicht passiert sein," dachte Manci, als sie, wieder per Droschke, in die Motzstrasse zurückfuhr. „Der Mutter Brinkmann geht es gut. Der Chef hat ihn nicht an die Luft gesetzt — Meyer & Sohn, See- und Fluss-Fischhandlung! Daher also hatte es gestern so penetrant nach Heringen aus dem Taschentuch'gerochen! Armer Karl, armer, tüchtiger, verrückter Junge!" „Manci!" dachte Karl, als er, wieder per Droschke, mit nüchternem . Magen zum RhesagMz züröcMührj „arines tftebjtiges_ Wann und wo finden Sie Rat? I/inlssrhein Aachen Bonn Koblenz Bad Krexusiiach Trier Idar-Oberstein Gemeindehaus. Fromenadenstrasse 21, am 24. August,!6^s Ins IS Uhr. Im Büro von Rechtsanwalt Dr. Herrmanns, Meckenheimer Strasse 64. am 18. August, 17—lSVs Uhr. Gemeindehaus, Florinsmaikt 11, am 17. August, 16—17V* Uhr. Gemeindehaus. Adolf - Hitler Platz 11. am 25. August, llVa bis 13 Uhr. Im Büro Ton Rechtsanwalt Dr. Voremberg, Adolf - Hitler - Strasse 9. am 18. Augast, llio—13 Uhr. Gemeindehaus (Svnagoge), 25- August, Uli—13 Uhr. Hessen-Sassau und Hessen Glessen Limburg Worms 17. u. 31. August, 10—13 Uhr, Gemeindehaus. Lonysir. 4. 24. August. 15—17 Uhr. Wernnr-Senger-Str. 13 bei' Albert Metzger. 26. Auciist. 15—17 Uhr. Gemeindehaus. Hintere Judengasse 2. arorddeutschland Hamburg-Altona Hannover Benerkestr. 2. Montac—Freitag, 10—13 Uhr (Tel.: 33 50 71). 17. und 31. August, 12 bis 14 und 16—17 Uhr. Georgstrasse 14. II. Mitteldeutschland Magdeburg: IS. August. IG—10 Uhr, hei Max Sabatzky. König?tr. 15. II. Lehrer i. »R. Isidor Lewin, in Trauer versetzt worden. Lewin war 45 Jahre lang als Lehrer tätig, in den Jahren 1898—1910 als Leiter der jüdischen Volksschule Schneidemühl. Bis zuletzt, gehörte er dem C. V. in treuer Anhänglichkeit an. Die Gemeinde verliert in ihm einen ihrer Besten. Die Beisetzung erfolgte in Berlin. Die Gemeinde Schneidemühl gedachte seiner in einer Trauerfeier in der Synagoge, bei der Bezirksrabbiner Dr. Fritz Plotke und namens des Gemeindevorstandes Justizrat Alex Soldin sprachen. * Stettin Bei den Zahlen über die Bevölkerungsbewegung in der Synagogengemeinde Stettin im zweiten Vierteljahr 1937 treten wiederum die Ziffern über die Binnen- und Auswanderung hervor. Die Zahl der Zuzüge betrug 41, die der Fortzüge 83 42 Zugänge stehen 95 Abgängen durch Tod und Fortzüge gegenüber. Somit ist ein Bevölkerungsverlust von 53 Personen eingetreten. Ende 1936 zählte die Gemeinde 1936 Mitglieder, am 1. April 1937 1903, 1. April 1170 und am 1. Juni 1135. * Der Synodalausschuss hat auf einer Tagung dem Oberrat der Israeliten Badens die Ermächtigung erteilt, Gemeinden aufzulösen, die weniger als 20 Mitglieder haben. Der Verkauf der Synagogen aufgelöster Gemeinden soll hinausgeschoben werden, solange noch regelmässige Gottesdienste in ihnen stattfinden. Die Vereinigung der Rabbiner in Baden hat beschlossen, zu Ehren von Professor Dr. Nathan Stein, der vor kurzem als Präsident verrücktes Geschöpf!" Ihm fiel jener Februartag ein, an welchem sie ihn einmal um Kleingeld gebeten hatte. „Wahrscheinlich hat sie damals einfach Hunger gehabt, und sich nur geschämt, mir die Wahrheit zu sagen. Wenn man keine Arbeit und kein Geld hat, zum Teufel, dann wird man eben Thekenfräulein bei Waskow! Deshalb braucht man sich doch nicht zu schämen oder wochenlang herumzuschwindeln " Er vergass, dass er selber geschwindelt und sich geschämt hatte, und er konnte nicht wissen, dass Manci nur um seinetwillen gelogen hatte. Am Abend dieses Tages zog Karl Brinkmann seinen Smoking an. Seine Mutter sah ihm zu und konnte nicht begreifen, warum er gerade heute, am Tag, da Manci erfahren hatte, denket* Sie A&tm: Wer uns neue Abonnenten zuführt, hilft am Ausbau unserer C.-V.-Zeitung mit Geben Sie diesen Bestellzettel weiter. Senden Sie mir bis auf Widerruf die C-V.-Zeitung 33 Pfennig zahle ich für den Monaf September^ bei Vorlage der Postquittung an den Briefträger. Die beiden letzten Augnst-Numrhern erhalte ich kostenlos. Name:__.___ Orh______ Strasse:_.____ Datum:_______ Ausschneiden und mit 3 Pfq. frankiert lOder auch unfrankiert) senden an: C.-V.-Zeitung, Vertrieb, Berlin W15, Emser Strasse 42. Telefon : 928141.