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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1892-03-11 · N° 11. (11.3.1892) · p. Seite 43

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
21 (1892)
Issue
N° 11. (11.3.1892)
Date
1892-03-11
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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suobuag nicht widerstehen, dies? nachzu&hmen. Pnrim fallt gewöhnlich in der Zeit des Frühling*• anfanges nnd wurde znm Carneval der Jaden. In Itali en pflegten sich die jüdischen Flinder am Parim reihenweise anfznstellen und 8ioh di.nn Nüsse zuzuwerten, während die Erwachsenen mil Tannenzweigen in der Band durch die Strassen fuhre n oder um eine Puppe tanzten, welche Haman vors eilte, wobei sie lärmten oder auf Hörnern bliesen, und welche sie dann mit einer gewissen Feierlichheit auf einem Scheiterhaufen verbrannten. Solch* tjllerSch<*rz war indess weder neu nooh selten Im Talmul finden wir rcLon, wie bei Ilochzeitsbelusbigungen sogar Rabbiner mit 3 Stöcken Kunststücke nachten, indem sie dieselben in die Höhe warfen und dann wieder anffingen. Ebenso finden wir beim Feste des Wasserschöptens am Laubhüttenfeste, wie labbi Simeon ben Oamaliel 8 Fackeln nacheinander so gesohiokt in die Höbe warf und wieder auffing, dass keine die andere berührte. Diese Art von Belästigungen hatte nun während des Mittelalters bei der Parimteier ihre Höhe erreicht. Am Purim war Alles, oder doch fast Alles gestattet; so dachte nämlich die grosse Menge. Mau machte sich über die'Rabbi’s lustig, trag seltsame Masken und verkleidete sich. Letzteres wurde Uber, neoenbei gesagt, von einigen Rabbinern streng verpönt und war ein Hauptgrund ihres Widerwillens gegen das Theater, in welchen Männer in Fraaenkleidera auftraten. Hierbei ist zu bemerken, dass in Griechenland keine Schauspielerinnen auf traten, wje dieses auch früher in England der Fall war. ätuke die Rollen der ״Julia“ spsare schrieb und ״Ophelia* für Knaben, welche immer die Frauenrollen spielten Hieraus geht nun hervor, d&68 diejenigen, welohe diu ljebertretnqg des biblischen Verbotes: ״Ein Mann!oll sich nicht in daB Gewand einer Fraa kleiden“ verbiadern wollten, eich nothwendig gegen die Theater den 16., ja sogar noch des 17. Jahrhunderts anssprechen n assten. Unter andern war aaoh dieses einer der Gründe, aus welchem die englischen Puritaner während der Republik für mehrere Jahre die Theater 80hl0*8en. Am Purim wollten aber die Jade 1 ihren Froh• sinn nicht veriäagnen nnd das Verlange 1 naou Parimbe)n8tigungen war daher ein stttrmisolies nnd allgemeines. Einem so dringlichen Verlange ג konnte nun auf die Dauer die Gewährung nioht versagt bleiben und eine Reihe von Purimspielen verdat kt demselben ihr Entstehen. Eines dieser •Spiele, welches sich der grössten Beliebtheit ertreaeie und noch heute am Parim oft zur Aufführung kommt, war das Schauspiel ״Ester uud Ahasveros“, welches zuerst 1708 erschien. Diese« Spiel folgt der biblisohen Erzählung, enthält aber manohe schalen Witze und ausserdem auoh in• decente Einschiebsel, in Folge dessen-idie jüdisoben Autoritäten die AafiÜhrnng dieses Stüqkes oft verboten baben. Ein anderes sehr beliebtes Spiel s׳ar ״Joseph׳* Verkauf*, lu diesem lag viel mehrPoesin uud durohaus nichts, was gegen den Anstaud vursiiess. Die komische Bolle des Stüokes vertritt ein ML um, Namens ״Pökelhering*,. Diener uud Fautotam Poiphar׳*, des Obersten der egyptisiheu Leibwache. Pökelhering trat in einem lächerlichen vielfarbigen Ansage aut und die mitwirkenden Schauspieler wa ׳en jüdische Studenten aas Prag und Hamburg. Di*• übrigens Baohurim oder Studenten au der Auffüiirang dieses Stüokes sich betheiligten, kann durobaai nioht befremden, denn es war', dieses der allgemei le Gebrauoti jen?r Zeit. So wurden auch die Klosteratii oke oft von Kindern unter Leitung von Mönchen und Nonnen, ja sogar von Studenten unter Aufsicht der Geistlioheu gespielt. Das vorerwähnte ״ Ahasverosspiel* wurde auoh im Jahre 1710 zu Prag von den Schülern des berühmten David Oppenheimer unter Instrumentalbegleitaug aufgefährt. Ausser dem Stüoke ״Joseph’8 Verkauf־* spielte dieselbe Gesellschaft anoh noch das. Stück״David und Goliath“ 14 Tage vor und 14 Tage nach Purim. Am Eingänge znm Theater waren 2 Soldaten znm Abhalten der Meng» postirt. Es wohnten nämlich aach viele Christen der Vorstellung bei, we88• halb der Magistrat fernere Aufführungen bei Strafe von 20 Thalern verbot. Wie sehr das Ahasverosspiel den Jaden gefiel, dürfte wohl daraus hervorgetan, dass man es sogar im Drnok er* hainen liess. Das* selbe Stück kam auch in Metz zur Anffihraag aad viele der Aotears, welohe früher schon bei dessen Aufführung in Frankfurt mitgewirkt hatten, reisten za demselben Zwecke aaoh nach Metz*). Hieraas resaltirt also, dass es zn jener Zeit schon wandernde jüdischeSchaaspielertrappen gab; aaoh im Anfänge unseres Jahrhunderts begegnen wir einer wandernden jüdischen Operngesellschaft, welohe in verschiedenen Städten Hollands anftrat. Sie führte klassische Opern mit deutschem Texte auf and trag grossen Beifall davon. Aas der Posse des deutschen Diohters Voss ״Jüdisches Concert in Krakaa“ (1826) scheint h ervorzngehen, das wandernde jüdische dohaaspielertrappen zn jener Zeit nioht mehr ungewöhnlich waren. Heute gehören 8ie mit zur Regel. - Randbemerkungen zum ״JQdischen Utteratur-BIatt" Herzlichen Dank, hochgeehrter Herr Redaotear, für die herzliche Theil&ahme, die Sie mir in Nr. 9 Ihres ge80hätzten Blattes beweisen.**) In meiner Zurückgezogenheit in Görz lese ipb Ihr Litteratur-Blatt mit mehr gespannter Aufmerksamkeit, da ich nioht von Berufs-Geschäften gestört werde. In Folge dessen finde ich über den Inhalt desselben Manches za bemerken, das weiter verbreitet an werden vordient. So lese ich in Nr. 9 des ״ Littentar-Blattes“ swei Aufsätze, die mich za folgender Mittheilang anregen. Es sind der Sohlass des Artikels: ״Die Teufelsidee und das Jadeuthum“ and der Anfang der Untersuohang über ״Elischa Ben Abaja-Acher.'* Herr Dr. Steckei maoher handelt von dem Engel• namen Samael. Dazu bemerke ich, das* alle Namen von Engeln, wohlthaenden nnd schädigenden, welch» mit ״el“ endigen, späteren Ursprünge' sind. So findet man z. B. in den Hechalöi im 3. Tneile meines Betka- Alidrasoh, eine grosse Anzahl solcher Engelnamen mit ״el“ am Ende. Die alten Engelnamen ״Miohae 1, Gabriel nnd Raphael“ sind nur als Vorbilder für später» *) Sohn dt, welchem obige Em»lheitea entnommen ein! sagt: ״Rin Jode tbeüte mir im Vertrauen mit, daee man Jus» Spiel nie, aaoh nicht in bessern Zeit .n, wieder auf!obren wüidey da kan ״«*• do»«s«1 Auffahrung viel mehr Meneouen sterbe» eie einst £* eei diaaee ein Zeichen daa göttlich«« Zmaez, denn Oott kenn keia-n Gefallen haben na ״Pokeinsriug" «Mt eeinen tollen Streiche•. Die Geeaasocebieee dar Jaden fMM diese jedoch nicht eehr lange. *Aid 18. Mai feierten die in Prag das Geb ortsfest des Rrimten XeopoWvon OmKWpjj. daroh groaaartige, brillante Aatzägs uud theatralische WO•* steilangen. . - - —— - ״, **j 0er betteSa1.de Artikel iit aas ViriitÄ fa äien Wootie״ schrift'* gerathea, er sollte im ״Litteratarbl.־‘ etahen. (Msd^

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