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Jüdische Presse · 1932-10-14 · 41 (14.10.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
41 (14.10.1932)
Date
1932-10-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 2. JÜDISCHE PRESSE Nr. 41 Vom Sinne der Sukoh Ans dem ,,Chorti)“ ton S. K. Hirsch. ijÖu sollst eiern JesteA Haus verlassen, unter die LatiBdecke ssrehen und Beitleniken: daß Hastliem, dein G-tt, vieDdg Jahre in «der Wüstenei deine Väter in Hütten wohnen lieh, und in Hütten er1־ hi eilt,!als Er aus Mizrajim sie führte und sich da als erhaltende Vorsehung offenbarte. Auf daß, bist du reich, du inne werdest: daß nicht Reichtum, nicht Besitz, überhaupt nicht stolze iMenschenikünstlichkeit des Lebens sichernder G-tt sei. daß G-tt es sei, G-tt. der auch in Hütten zu erhalten weiß die. die nur vertrauensvoll ihm sich hingdben; — dabei bedenkest, daß ja!auch deinen Reichtum, deine Größe, deine ,Schätze, du nur G־ft' verdankst, und mir so lange haben werdest. alis es G-ttes Wille ׳ist; bedenkst, daß ja wandelnd sei äußeres Geschick und deine eigenen, des reichen Enkdls Väter einst vierzig Jahre lang in der Wüstenei in Hutten wohnten: — gemahnt werdest, darum dich nicht!fesseln zu lassen durch deinen Reichtum und abführen von G-tt. — unter seinem Schutz dich ebenso sicher zu halten in Laubhütte wie unterin steinernen festen Dache: — Gesininnigen fassest, die dich leicht lossagen lassen von aller Bequemlichkeit und• den süßen Banden des Reichtums, um ihm machzu folgen, ging’s!auch durch Oede und: Wüstenei: — und: endlich, ׳auf"daß du auch in deinem reichen Hause nicht auf dieses׳ Hauses Reichtum lind Wohlstand bauest, sondern auf G-tt, der auch durchs ßteindlach in!deine Behiausiing blickt, und dessen Gnade allein es ist. nicht nur daß,du erhieltest, sondern auch daß du behaltest, was du hast: — und so lernest: trotz Reichtum und Fülle nur auf G-tt vertrauen, den Allei!!-Erhalter alles Lebens. Und bist du arm — Jisroel — bist arm und verzweifelt, o, so zieh unters Laube!ach! Verlasse st’llbst noch!dein wetterschiitzendes Dach, mach dich freiwillig noch ärmer und. gedenke: daß in Hütten. G-tt deine Väter in Wüstenei erhielt, derselbe G-tt auch noch lebt,!auch dein G-tt ist, und wie der Sterne Schimmer durch die Laubdecke fällt, also mild sein Auge auch auf dich blickt; siebet dein -1L1e׳iden, siebet deine Tränen, höret deine Seufzer, kennet deine Sorgen — und verläßt dich nicht wie Er die Väter nicht verlassen. — ,Du verzweifelst — weil du arm bist an Gütern, worauf Menschen ihr Leben bauenP Wahrlich! Deine ,»mon“ges׳peisten Väter lernten es in ihren Hüttißb» diaß njchL!n11'Lkiinst.lichej1sMenscJ10nmitteln. der Mensch lebe sein Leben, sondern auf jedem Ausspruch Htaschenns leben könne der Mensch — lind du wolltest es nicht mit ihnen erlernt haben für deinen Zug durch deines Lebens Wüste? Gebe in die Sukoh, Armer, und lerne stark sein und heiter in Leiden und G-tt verfruiien, der'auch in Hütten und Wüsten erhält. Sinti Sie geistig oder körperlich ermüdet? Massieren Sie ■Ihren Körper! Dies geschieht am erfolgreichsten mit unverdünntem Franzbranntwein Alpa. Eine solche ׳Massage verbessert den Blutkreislauf, stärkt die Muskeln und erfrischt die Nerven, beraten Sie sich mit Ihrem Arzte über die Art der Massage .• Bestellkarfien sind der dieswöchigeu Ausgabe für jene Empfän* ger der ״Jüdischen Presse“ beigelegt, welche das Blatt in den letzten Wochen gratis zugeschickt erhielten, ohne es bis heute abonniert zu haben. Es liegt im Interesse dieser Leser, die Karte sofort übzusenden, damit in der Zusendung des Blatte? keine Unterbrechung cintritt. . Die Verwaltung der ״Jüdischen Presse“. Ein Beitrag 2t1m Köheleth-Problem, Ob die Welt mit ihren zähltosen Erscheinungen, ob das Auf und Nieder des täglichen Lebens einen Fortschritt zitm Ewigkeitsgipfel darstellt oder ob die mannigfaltigen sichtbaren und unsichtbaren Kräfte nur ein nutzloses Spiel geheimnisvoller Energien sind, ist für die Frage entscheidend, ob das Leben lebenswert ״ewig“ oder vergänglich ״eitel“ ist. Wenn das Laub irri Herbst von den Bäumen fällt, und Glanz und Wärme in der Natur zu schwinden beginiit, neigt der Mensch leicht dazu, die Frage nach Sinn und Ziel des Lebens pessimistisch zu behandeln. Es entspricht so ganz der menschlichen Geistcshaltung, wenn zum Ausgang des alljährlichen Festeszyklus das Buch ״Koheleth“ gelesen wird, das wehmütig entsagend mit dem ״hakaul hewcl“ — ״alles ist eitel“ beginnt, während das Frühlingsfest unseres Volkes mit Schirhaschirim, dem Lied aller Lieder, mit ■dem jubelnden Ueberschwang einer weltbcjahendeu Seele gefeiert wird. Aber niemals hätten die Weisen unseres Volkes, wie der Talmud berichtet, das Buch des ״Predigers“ in die heiligen Schriften eingcreiht, wenn in ihm der positive Sinn der Welt bezweifelt oder gar verneint worden wäre. Allzustark ist der Gegensatz zwischen den genannten Eingangsworten und dem Grundspruch, den der Allmächtige selbst als Siegel auf sein Schöpfungswerk gelegt. ״Gut ist die Welt, sehr gut“. Alle Versuche, *eine einheitliche Gedankenlinie in dem dunklen Buche aufzuzeigen, müssen deshalb der Erkenntnis dienen, daß diese Eingangsworte nicht das Thema darstcllcn, das bewiesen werden soll,. sondern eine Widerlegung erfahren muß, und in der Tat sind die Gedanken, Klagen und Seufzer des großen Denkers, der von der Höhe eines taten- und erkenntnisreichen Lebens in alle Tiefen des menschlichen Lebens hineinleuchtet, von dem unbeirrbaren Wahrheitsdrang getragen, die Wurzel des Leides zu erkennen; und ebenso stark lebt in ihm der leidenschaftliche Wille, jene Schatten zu zerstreuen, die über der Welt gelagert sind. Oftmals leuchtet es aus dem Fierzen auf, wenn Koheleth eine Stufe erklommen hat, auf der das Licht heller strahlt als die Finsternis, die ihn umgibt. Diese Bilder sind Marksteine für jeden denkenden Menschen, der gleich ihm den Weg aus dem Dunkel sucht. ״Alles hat G-tt schön gemacht zu seiner Zeit“ (Kap. 3, Vers 11) und auch den ״Ewigkeitsgedanken“ hat er uns in die Seele gesenkt, ohne den clcr Mensch nicht die. .Harmonie findet, die das Werk G-ttes von Anfang bis Ende erfüllt. Sind diese Worte nicht Umschreibung jenes Urteiles, das G-tt selbst am ersten Schöpfungstage gefällt hat? Wiederholt greift Koheleth diesen Gedanken auf: Ttn 3, Zyklus (Kap, 7—9) bejaht er die ״Gradheit“ der. Welt mit unzweideutigem Wort. Gefunden habe ich, daß das was G-tt geschaffen hat, gut und edel ist, sie aber, die Menschen, sie suchen Theorien und zimmern aus der Gottcswelt eine andere, minder gute, böse (s. 7, 29). Die Philosophen vieler Völker lehren did einfache große Wahrheit, daß in der Welt die Keime, aber auch nur die Keime all dessen geborgen sind, was dem Glück und dem Ewigkeitsfortschritt der Menschen dient. Mit dem Willen zur Tat, mit der Betätigung selbst können YVeltschmerz und Weltverneinung überwunden werden. So ergibt sich als letzte Wahrheit diese Schlußfolgerung aus dem ganzen Werk in schlichter Größe: Geh mit Ehrfurcht an die Welt, und die Lebensaufgaben heran und wirke für G-tt im Sinne seiner Gebote und zage nicht, denn G-tt ist dein Richter. Nicht grübelndes Betrachten über die Geheimnisse des Lebens führen den Menschen hinauf, sondern tätiges Wirken im Lichte und im Dienste von G-ttes Wahrheit. Ein Wort des Gaon von Wilna zu Koheleth soll in diesem Zusammenhang als Stütze herangezogen werden. Im Talmud wird gefragt: Welches ist eigentlich der Ruhepunkt, den der Denker aus den bangen Zweifeln seiner Seele für sich ersehnte, wenn er ausruft: wese hojo chelek mikol amoli — ״und das war mein Gewinn von allen meinen Mühen!“ Zwei der größten Talmudweisen, Rayv und. Samuel disputierten darüber, was hier wohl gemeint war. Der eine meinte, das war der Kelch, der anflere sagte, das war der Stab. Eine dunkle Stelle, die der Aufklärung bedarf. . Viel hat Salomo, der Verfasser dreier Bücher der heiligen Schrift clem jüdischen Volke und der Welt gegeben. Wir verdanken ihm eines der schwersten Bücher, das uns in die Tiefen des geistigen Lehens führt, aber auch Schir-haschirim, das in glutvollen Farben den Spalt in eine ganz andere Welt öffnet und Mischle, das Buch zahlloser Erkenntnisse. Ein solches Schaffen in Weisheit und G-ttcsfurcht läßt die Frage nach Zweck und Bedeutüttg eines solchen Lebens überflüssig erscheinen. Und denhoch,wurde sie gestellt: Und wfenn unsere Weisen meinen, daß bei der .Betrachtung von ״Kelch“ und ״Stab“ ihm das Währe innere Glück zuteil wurde, so wollet! wir der Abfässting des Gaon diese beiden Symbole den Hinweis geben, daß theoretische Weisheit und Wahrheit, so, tief und weltumspannend sie auch sein mögen, dem großen König nicht das Gtückgefühl bereiteten, ״wie jene beiden praktischen Mizwoth, die‘ nach alter Ueberlieferung Salomo selbst im jüdischen Volk angeregt hat. Mit dem ״Kelch" ist die Pflicht des Händewaschens vor jeder Mahlzeit umschrieben, mit dem ״Stab“ die Mizwoh von Erub-Chazeros und beide hat das jüdische Volk in seiner Gesamtheit angenommen. Verständlich also, daß der weise König bei dem Gedanken an diese beiden Ergebnisse seines Lebens ein wahres Glücksgefühl empfand, das ihm über bittere Stunden und Erfahrungen seines Lebens hinweghalf. Dr. S. A. Zum Jahrsseittage des'Buczaczer Raw זצ״ל Zum 7. Male jährt sich am ersten Tage Sakkos die Jahrzeit eines Großen, eines jener wenigen, die in gleich großem Maße Gelehrsamkeit, tiefe Weisheit, große Welt- und Menschenkenntnis in sich vereinigen mul deshalb von aller Welt als Manhigim anerkannt werden — die Jahrzeit des Buczaczer Raws. Zehn Jahre hat er in Wien gewirkt mul eine ganze Reihe Talmitle Cluicliomim zählen sieh stolz zu seinen Talmidim. Hier Proben seiner großen Gelehrsamkeit zu erbringen, wäre überflüssig, eine große. Anzahl Response» werden ewig Zeugnis seines großen Könnens bleiben. Ein glühender Anhänger der selbst ä n d i g e u Orthodoxie, nahm er regen Anteil an der großen Assiföli in Preßiburg im Jahre 5681, die die bekannte Resolution faßte, nur Jeschiwos, die Profanes nicht in ihrem Programm haben, zu unterstützen. So ging es ihm sehr nahe, daß gerade in Preßburg,■ der Geburtsstätte des Trennungsgedankens, sieh eine iVlisrachi gegründet hatte. Mit folgendem Gleichnis äußerte er seine Meinung über den Misrachi: Bei einem Gastgeber, einem Amlioorez, hatte eia Raw Quartier genommen. Nacht für Nacht hörte der Gastgeber den' Raw die Mittornachtsklagc verrichten, ohne eine Erklärung für das Weinen und Klagen zu finden. Eines Nachts faßte er Herz und bat tim Aufklärung. 111 bewegten Worten schilderte ihm der Raw die einstige Pracht und den schließlichen Untergang Jerusalems, so daß der Gastgeber vor .Rührung in Tränen ausbrach und sich nicht beruhigen ließ. Um ihn zu trösten, erzählte ihm der Raw schließlich von der Erlösung von Moschiach in so lebenden Farben,, daß beide eine große Freude ergriff. In .ihrer Freude tranken sie sich lechajftn zu und begannen zu tanzen. Der Lärm lockte auch die übrigen ׳Hausbewohner herbei, die sich an den! Tanz beteiligten, schließlich tanzten Mägde und Knechte, jüdische und uichtijiidische auch mit. Als nun der Raw sich umsah, bemerkte er, was aus seiner wirkliehen Simcho geworden war. Einhalt z׳u gebieten war nicht ׳mehr möglich, so tat er das Vernünftigste — er schlich unbemerkt uns dem Saal. — ״Es‘ hat ja eine Gruppe Chowcwe Zijou gegeben“, fühlte der Buczaczer Raw aus, ״die es ehrlich gemeint haben, aber im Lajife der Zeit haben sieb unjiidische Elemente zugeschlossen und da gibt es für die Jereim nur einen Ausweg — schleunigst den gefährlichen Kreis verlassen.“ LJeher den Fleiß im T.lioralcrnen, der sehr stark im Nachlassen war, ließ er viel hören. So erzählte er vom Wilnacr Gaon״ ,daß er am Rüßttagc von Jom-Kippur in der Hand einen Zettel haltend, bitterlich zu weinen pflegte. Seine Talmidim trachteten ■begreiflicherweise., den fuhalt des Zettels kennenzulernen. Als am Simchas- Thora ׳fröhliche Stimmung־ herrschte, wagte!Reb Chaim VVoloziuer mich dem Inhalt des Zettels zu fragen. Der Gaon zeigte den Zettel, der mehrere Punkte aufwies, sonst aber ganz leer war. ״Die Punkte“, erklärte der» Gaon, ׳״bedeuten die Minuten, die ich im abgelaufenen Jahre unnütz verbracht habe.“ Und der Buczaczer!Raw bemerkte, R'Chaim hat versichert, daß nie 60 .Punkte auf {lern Zettel waren, also während eines Jahres hatte der Gaon 11 i c h t eine S 11111 d e 1111- 11iitz verbracht!! Ein anderes Mal berichtete er vom Bruder Raw, der, als ihm einst das Lernen ärztlich ver-• boten war, aus rief., ״Robbe, ich habe .schon vier Tage nicht gelernt, ich'.bin ein ganzer Am-lmorez!“ — 80״ Jahre“, führte der Bucziuzer Raw aus, ״hat dev Broder Raw gelernt und nach vier Tagen Unterbrechung nennt er sich Am-hoorcz, was müssen wir' erst für Am-haaraziin sein, die wir so wenig lernen.“ ויי | FEUILLETON ■ Wie Reb Ahron einen geschichtlich wichtigen Augenblick versäumte. .* (Fortsetzung.) ,,Guten Morgen, Reb Ahron , rief der stets heitere,, zu Witzeleien-.geneigte Reb ׳Maciiel seinem Glaubensbruder zu, ״wie hast dugeschlafen? Gehst du jetzt iiadli den! süßen Salbbat, einem süßen Geschäfte entgegen? Was sagst du, Freunderl, ,übrigens!zu unserer ״Gaß“? Da geht’s ja׳ .zu wie in Wien.!Nichts wie Volksvertreter und• Politik und das Geld liegt auf der Straße.'Werden sieh wirklich einige unserer Leute helfen. Was diese Deputierten nur für ein Quartierclicii bezahlen? Großartig. Ich hätte auch einen ■aüfnelimen sollen, aber wie kann ich so einem noblen Herrn zümutcn, er soll auf meiner Ofenbank liegen, auf der ich mich am liebsten selbst ״au&streeke“; besonders tue ich das gern am Freitag abend, du‘ weißt ja,!lieber Re;b Ahr011; und da summe ,ich mir so gerne die Rosch-!Haschunoh- und JqimKippur-Lieclel vor, ein JJocligenuß, auf den ich jitch'f verzichten will. Aber \\4s sagst du, Ahröü, Brüzu uns Juden? Wir werden jetzt groß werden, -fünf Juden sind“ in dem neuen Reichstag, und jetzt weiden sie reden, und wir Juden werden auch .Rechte bekomtneu, wir werden jetzt, wie man sagt, auch wie Menschen behandeU werden, Wir werden jetzt bekammpn Glaubensfreiheit. Was sagst du dazu?!Siehst du, 4br alte Gott Israels lebt noch, er hat lange Ueberdruß iÜliabt au seinem Volke, aber jetzt gedenkt er unser weder. Jetzt wird uus das Schalet besser schmecken.“ 'v: ״Beruhige dich, lieber Machel“, also begann nun Reb Ahron bedächtig, ״und rede nicht so rasch von Glaubensfreiheit und allen den‘ anderen schönen Dingen. Ich glaube, cs wird mehr eine Unglaubcnsfreilieit entstehen, wuniu s׳ie wunden denn neuen G-ttesdicust ein füll reu mit Gesang. Audi ״ohne Chor“ kann man G-tt aimifen, und er erhört den Armen.!Mir ist ein alter׳ ß-aal Tefillah, der mit Andacht betet,, lieber, als ein Kantor, der nur will, man soll ihm Beifall klatschen. Und wrcnn du meinst, wir Juden wurden!in der Zukunft weniger zu dulden haben, so irrst du dich. Alle Prodiger der Welt wuiricn e> dem Pöbel nicht abbringen; in .unsdie Juden zu sehen, wuiciie sie hassen und verfolgen müssen. Man wird uns, wie du sagst; Rechte geben, aber auf dem Papiere nur werden sie stehen, sonst wurden wir Unrecht zu dulden, haben, und ־ die Rechte wird man links liegen lassen, das ist ׳meine Meinung•; wir wurden ej nicht mehr erleben, aber ich sage dir, Reb Machel, unsere Enkel, die ׳wurden aufseufzen und sprechen: Unsere Großväter hatten cs dqc-h besser, die wußten, sie seien Juden, und hätten nichts zu fordern und an nichts zu denken, als au ihr Judentum, uns sagt man, ihr seid freie!Männer und Bürger und Gleichberechtigte, und überall stößt man uus weg ־und will von uns nichts wissen. Ich sage Dir, Re[) Y|ae|1cl, unsere Enkel wurde 11 sieh sehr Unglück- ' lieh' fühlen, bei' ' aller1 Gleichberechtigung,‘ die“ keine Gleichheit sein wird und kein Recht, sondern nur Ungleichheit und Unrecht,“ — Also prophezeite Reb Ahron schon wieder im Tone eines Jeremias, während Reb Machel still lächelnd zuhörte, war er doch der jüngere, der dein Alten Ehrfurcht־ schuldete. —• ״lieber 4hron“, so (begann er nun, ״du siehst alles, schwarz, auch‘wenn die Sonne am Jlimm’el die Welt beleuchtet, Glaubst, du, die Welt kann 'immer stille ‘stehen? Bleibe nicht stehen, ,wenn alles .nuk| um dich her vorwärtsgeht,— Wir Jüdeii vyären immer bei den Fdrtschfeitehden. Und wir ■werden es auch Jetzt sein.“ ״Mägen sieh deine Verheißungen erfüllen, lieber ■Machel, und möge es uns der große G-tt noch erleben lassen, daß wir sehen unser Israel wandeln im Lichte der Freiheit; möge •aber die Freiheit nicht schädigen unseren heiligen Glauben, für den unsere Vorfahren gelebt und gelitten, geduldet und gestritten haben.“ ״!Amen,“ erwiderte kräftig darauf Reb Machel, und es war, als würden sich die gekrümmten Rücken enVporlieben zum himmlischen Sonnenlichte, als würden die trüben Augen erhellt werden vor überirdischem Glanze, als würden die Geister erleuchtet werden ׳von dem ■jungen,Lichte der Freiheit, die Gemüter sich erquicken durch die Aussieht •auf eine bessere Zukunft. So gingen nun die ■beiden Männer ihrem Tagewerk nach und trafen am Abend im Dorfwirtsluuis zusammen, wo sie sieh ihre Geschäftseiiebnisse erzählten und dann ilir schlichtes Nachtmahl oiunahmeu, das aus schwarzem Brot und Käse־ bestand, den sie vom Hause sich mitgenommen; ein mächtiges Glas Milch, das vor jedem von ihnen stund, sollte ihren'Durst löse htm. Dann wr01lten sie,sich auf ■der Streu ansstreckeu, die für sie bereitet war. — Aber noch zitterte das Gespräch: in i|111eu nach, c|as sie am Morgen gehalten juitten. — ״Möchtest.. Du hi‘eht“y sö! begann‘T1üii:dör -optimistische R'eb' Macnek ״möchtest Dü nicht, ■lieber Ahron, auch so .einer Sitzung des Reichstages bohvahneu, der nun in unserer lieben Stadt abgehaiten wird. 'Es'wird, wie ich hörte, etwras Wichtiges am nächsten Sabbat verhandelt werden. Es gölten gTöße Dinge in unserem Vaterland vor. Wie D׳u weißt, ist der gütige Kaiser Ferdinand in Olmütz, mir scheint, er sieht auch ein, daß eine neue Zeit eine jüngere Kraft braucht. Teil 11a.be so etwas reden gehört, Sabbat, uatür;. dich nach Schul, werden wir zusammen in den Reichstag gehen und zuhören; rf-ie sie reden und verhandeln« Ich möchte sie ayich gerne sqhen, unsere Leut, wie sie dort sitzen und mitreclep. Wir’ haben es doch weif ge*-׳ *

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