Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 7 (1921)
- Issue
- 4 (4.2.1921)
- Date
- 1921-02-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 28 JÜDISCHE PRESSE Nr. 4 von 15 Millionen Mark aufzubringen. Sobald der nötige Betrag aufgebracht sein wird,* wird die Kommission Weizen kauten. Die Mazzos-Versorgung wird unter der Kontrolle der gesellschaftlichen Institutionen und Kooperativen vor sich gehen. Jüdische Kleinhändler-Delegation beim Finanaminister. Finanzminister Steczkowski empfing am 18. Jänner eine Delegation jüdischer Kleinhändler mit N. Prylucki an der Spitze. Die Delegation wies auf die Nachteile hin, die den Kleinhändlern durch den Zwang zur Sonntagsruhe erwachsen, und auf die hohe Besteuerung, der sie nicht nachkommen können. Die Delegation verlangte, daß bei der Bestimmung verschiedener Abgaben in die Besteuerungskommissionen auch Vertreter der Kleinhändler eintreten sollen. Sie forderte, daß die Regierung den Kleinhändlern einen Kredit gewähre. Es wurden noch andere Fragen erörtert. Der Minister versprach seine Unterstützung. Die Demission ßundsteins. Der Präsident der Warschauer Gemeinde Rundstein hat seine Demission zurückgezogen. Zur Maaao-Frage. In der Warschauer Gemeinde wurde die Mazzo-Frage behandelt und nach Beseitigung aller Schwierigkeiten zeigte es sich, daß der Gemeinde das dazu nötige Kapital — 50 Millionen Mark — fehle. Die Gemeinde beabsichtigt, eine Versammlung wohlhabender Bürger einzuberufen und ihnen die Angelegenheit vorzubringen. Gegen Zwang znm Chillnl Schabbos. In einem Warschauer städtischen Heim für jüdische Kinder wurden Kinder zum Ghillul Schabbos gezwungen. Die jüdischen Einwohner des Hauses, in welchem das städtische Heim untergebracht ist,' erstatteten die Anzeige an das Magistrat, welches sich an den Stadtrat Kirschbraun wandte. Kirschbraun ließ den Intendanten kommen und erklärte ihm, daß man jüdische Kinder nicht verhalten könne, gegen die Tradition ihrer Eltern zu handeln. Der Intendant versprach, daß in Zukunft solches nicht mehr vorkommen werde. Kirschbraun schlug auch vor, ins Kuratorium den orthodoxen Stadtrat Sollberg zu entsenden. Amerika. Festbankett fUr Justice Hartmann. (Orig.-Ber.) Die Mitglieder des Ordens Brith Abraham haben am 28. Dezember 1920 zu Ehren ihres Großmeisters Justice Gustave Hartmann im Hotel Astor in New York ein Festkankett gegeben. Toasmeister war Nathan Strauß. Anwesend waren auch John Knox, William Galder, die Abgeordneten Goldfogte, Siegel u. a. Richter Hartmann (der bekanntlich aus dem alten Ungarn stammt) war Gegenstand begeisterter Ovationen. (Es wird unsere Leser wohl auch interessieren zu erfahren, daß der Generalsekretär dieses größten jüdischen Ordens seit vielen Jahren Mr. Max Holländer ist. der aus Prsov stammt.) Rolland. Kleider für arme Juden Polens. Das holländischjüdische Hilfskomitee hat sich an den polnischen Konsul in Haag mit der Bitte gewendet, ihm bei der Uebersendung von Kleidern für arme Juden in Polen behilflich zu sein. Dank der Intervention des Konsuls, hat eine Speditionsfirma den Transport von 147 Kisten mit Kleidern nach Danzig unentgeltlich besorgt. frattKreicto. Die Jahreskonferenz der franKößischen Zionisten trat am 22. Jänner zusammen. Rußland. Jüdisches Theater. Einem in Warschau eingetroffenen Privatbrief entnimmt der „Najer Hajnt*, daß die Räteregierung eines der größten Moskauer Theater einem jüdischen Theater zur Verfügung stellte. Die Eröffnung dürfte inzwischen schon stattgefunden haben. In Rußland und hauptsächlich in Moskau gäbe es jetzt eine Unzahl von talentierten jüdischen Schauspielern, die ihre künstlerische Ausbildung in der vor zirka einem Jahre gegründeten jüdischen Theaterschule in Motkam gefunden haben. KALENDARIUM. Tag Sohewat Februar Notizen Sonntag 38. 6. Altjüdischer Halbfeiertag (Antiochus Rückzug) — Tod des Schemen Rokeach 27. Schewat 5597 Montag 29. 7. Tod Rabbi Saul Kaiisch 6481 — Tod Rabbi Arje Leb Lewoi Brody (Lew Arje) 5578 Dienstag 80. 8. r Rosch Ghodesch I. Ende des Sommers in Palästina nach Talmud Bowo Mezio 106, b — Tossafot Jomtow wird Rabbiner von Krakau 5404 — Tod R. David Konen Klausrabbi Brody Mittwoch Adar I 1. 9. Bosch Chodesch II. Aufruf für Schekel -~ Jecheskels Epistel gegen Pharao — 1 Wintertag in Palästina (Talmud s. o.) — Tod Ibn Esra 4887 ~ Tod des „Schach" Holleschau 6428 — Tod R. Samuel (Olas Tomid) Hamburg 5460 Donnerstag 2. 10. Schowewim VII. — Tod R. Gabriel (Prag) Metz 6478 - Tod R. Isak Eisik Uszpjca (Schwiegervater des Schaare Thora) 5548 — Tod R. J. Algasi, Jerusalem 5662 Freitag 3. * 11. Einweihung des Tempels unter Esra — Tod R. Abraham S. Heilprin, Hamburg 6522 — Tod R. Mordechar Jofe (Lewusch), Posen 5377 — Tod R. Noa Gh. Zewi, Altona 5562 Samstag 4. 12. Teruma. Begräbnis des Maharam Rothenburg nach 14jähriger Kerkerhaft, Worms 5067 — Tod Acha bar Huna 4265 ' Der Hoiat'Adar ist der zwölfte im Monatskalender und der sechste im Jahreskalender; er hat 29 oder 80 Tage im hebräischen Schaltjahre, wo noch ein zweiter Monat (Adar II oder We-adar) eingeschaltet wird. Das heurige Jahr ist ein solches Schaltjahr. Das Sternbild des Monats Adar bilden Fische. Der 1. Adar fällt zwischen dem 1. Februar und 2. März, in gewohnlichen Jahren nur am Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag, in Schaltjahren fällt nur der 1. Adar II an solchen Tagen. Zur Zeit, als der Neumond noch bei Sich verkündet wurde, haben die Boten das Betdins Jerusalem verlassen, um die Exulanten zu belehren, wann der Neumond zu heiligen ist, damit sie Purim zur rechten Zeit halten mögen (Talmud, Roschhasch I. 3). „Wenn Adar eingeht, mehre man die Freuden" (Talmud, Taanis 29). Er galt für den Glücksmonat Israels, in welchem jede, besonders geschäftliche Initiative glückt. In frommen Häusern schrieb man obigen Satz auf die Türe. Die Bachurim der Preßburger Jeschiba versicherten, daß man da die Nummern IT, 77, welche den Zahlenwert der Worte Maseltow darstellen, mit unfehlbarem Glücke in die Lotterie setzen könne. Am 1. Adar wurde (zur Zeit des Tempels) der Aufruf wegen Schekolim und Kilajim gemacht. Josephus behauptet, daß Moses am 1. Adar gestorben wäre. Alle Fest- und Fasttage des Monats Adar, der besonders an altjtidischen Halbfeiertagen reich ist, werden in Schaltjahren, wie das heurige^ im Monate We-adar gefeiert. Ebenso die Barmizwa-Feiern. Hiebei ist folgender eigentümliche Fall möglich: Wenn der Knabe A am 29. Adar eines Schaltjahrs geboren wurde und der Knabe\B am folgenden Tag am 1. We-adar, so wird der um einen Tag früher geborene Knabe A, falls sein Barmizwa-Jahr ein gewöhnliches ist, um 128 T^ge später Barmizwa (als sein um einen Tag jüngerer Altersgenosse. A wird am 29. Adar Barmizwa und B am 1. Adar! (Schulchan aruch 51, 10.) Taschbaz schreibt vor, dafi diejenigen, welche zur Jahrzeit des Vaters fasten und Kadisch sagen, mögen falls der Vater im Adar gestorben ist, im ersten Jahre (wenn es auch ein Schaltjahr ist) im Adar I Jahrzeit halten, in. den übrigen Jahren aber im Adar II. R. Jakob Heilprin im Nachlaß Jakow erklärt dies damit, daß der Talmud bei der Vergeltung im Jenseits von zwölf Monaten Frist spricht, nicht von einem Jahre, daher sind im ersten Jahre nur zwölf Monate zu rechnen. €i$enfdl$püne. Irren gilt für menschlich, die Wahrheit sagen für unmenschlieh. Siu guter Agudist muß vor allem ein1 guter Mensch sein. So sei denn Aguda ein Prüfstein; was echt ist, reibt sich darauf Sölden ab, was ihn anschwärzt beweist nur, daß es seihst Jsch ist. Es ist noch Aufgabe der Geschichtsforschung festzustellen, ob das Ghetto von innen oder außen verriegelt war. -Merkwürdig, wo eine Hand die andere wäschjt, werden die Hände immer schmutziger, und wo einer dem anderen stets den Kopf wäscht, gewinnt die Reinlichkeit auch nicht viel. Die Sache der mittclsiandshücbc des „Joint". Die Entstehungsgeschichte dieser leidigen Affaire sei hier aufs Einfachste dargestellt. Einige Personen machten den hier weilenden Rabbi D. Frankel auf % das auffällif e Aussehen des zur Verteilung gelangten Joint-Oeles aufmerksam und verlangten eine Analyse. Dieser sendete eine Probe an das weiterhin genannte Institut und erhielt folgende böse Analyse: Warenprüfunffs-Anstalt des allgemeinen österreichischen Apotheker-Vereines Wien, IX., Spitalgasse 91. L. Nr. 1064 Wien, am 14. Dezember 1920. Herrn Rabbiner David Frankel Wien. Die «iogtisadte Fettprobe wurde Ihrem Auftrage gemäß untersucht. Dieselbe besitzt eine Verseifungszahl von 192*5, eine Refraktometeranzeige von 57-°5/40°. Nach den Konstanten und der Geschmacksprobe liegt kein reines Pflanzenfett vor, da der Verdacht auf Beimengung von Schweinefett oder Gänsefett obwaltet. > Hochachtungsvoll Autorisierte Warenprtifungsanstalt. Diese Analyse wurde dem Herrn Rabbiner S. Fürst vorgelegt. Jedermann wird begreifen, mit welchen Gefühlen ein Rabbiner, der von der heiligen Pflicht seines Amtes erfüllt ist, dieser schweren Gewissensfrage gegenüberstehen muß. Einerseits das unbedingte Vertrauen zu. den ehrwürdigen Kollegen Rabbiner Dr. Klein und Rabbiner Margulies in New York, der innige Wunsch, das edle Werk des „Joint" nicht zu beeinträchtigen, und vor allem das Widerstreben, daran glauben zu wollen, daß er bisher selbst einen schweren Ds3*l bW3Ö wohl unbewußt verschuldet habe, andererseits die eiserne Pflicht, jeder Möglichkeit eines 'solchen schweren abzuschneiden, ohne Rücksicht auf seine eigene oder andere Empfindlichkeit. Rabbiner Fürst entschloß sich, eine zweite Probe aus dem Oel der Mittelstandsküche selbst zu machen . . ..Hier geschah ein Fehler von einer anderen Seite, der unbesprochen bleiben soll. Auf diese zweite Probe erfolgte folgende Analyse: Ware nprtifwigs-Anstalt des allgemeinen österreichischen Apot heker- Vereines Wien, IX., Spitalgasse 81 L. Nr. 1186 7 Wien, am 20. Dezember 1920. Herrn Branntwein er Wien Die eingesandten beiden Oelproben a) Tinteuttaseue, 6) Flasche wurden Ihrem Auftrage, entsprechend untersucht. Dieselben besitzen: Signo: Große Flasche: Eine Verseifungszahl von 2185, eine Refraktometeranzeige von 66-5. Signo: Tintenflasche: Eine Verseifungszahl vor 212*0, eine Refraktometeranzeige von 66*5. Die angeführten Konstanten und auch die Geschmacksproben weisen darauf hin, daß keine reinen Pflanzenöle, sondera vielmehr Gemische mit tierischem Fette vorliegen. Hochachtungsvoll Autorisierte Warenprüfungsanatalt. Nun konnte nichts anderes geschehen, als daß Rabbiner Fürst das schwere rYPITlK mit < seinem Namen nicht mehr decken konnte. Dies alles geschah mit schwerem und — reinem Herzen. Dort, wo Herr Rabbiner Fürst direkte nntttfil hatte — in der amerikanischen Kinderküche — hat er, SlttDÖ "ftsrh die Geschirre kaschern lassen „und ließ von jedem Fasse eine Analyse machen. Die "unbedeutenden Kosten und Mühen, die von der Leitung der amerikanischen Kinderküche bereitwilligst geleistet wurden — was bedeuten sie gegenüber dem Bewußtsein jedem U7tt?n vorgebeugt zu haben! Nun erhalten wir folgende Zuschrift seitens der hiesigen Leitung des „Joint", die wir bereitwilligst veröffentlichen, ohne daran einen Kommentar zu knüpfen, da rituelle Entscheidungen nicht von der öffentlichen Meinung getroffen werden können und das Rabbinat der Adas Jisroel-Gemeinde sich nicht auf diesem Wege auseinandersetzen kann. Wir verweisen nun noch auf eine andere von berufenerer Seite geäußerten Meinung in dieser Nummer. Joint Distribution Committee of the American fände for Jewish war Sufferers Vienna Branch. Wien, 31. Jänner 1921. Sehr geehrte Redaktion! Wir ersuchen höflichst, in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes an geeigneter Stelle nachstehende Mitteilung zur Veröffentlichung bringen zu wollen: In der letzten Zeit sind gegen die Kaschruth des uns vor zirka zehn Monaten aus Amerika gesandten, zur Abgabe an die notleidende jüdische Bevölkerung, bedürftige Kranke und gemeinnützige, rituell geführte Kuchenbetriebe, verwendeten Oeles Bedenken erhoben wurden. Die bezüglichen Gerüchte stützen sich auf ein Gutachten eines privaten Laboratoriums, wonach das Oel angeblich kein reines Pflanzenfett ist, sondern tierische Bestandteile enthält. — Trotzdem wir seinerzeit einen Hechscher der bekannten amerikanischen Rabbiner Dr. Philipp Klein und L. Z. Margolies erhalten haben, wonach das gegenständliche Oel nicht nur koscher, sondern auch passahkoscher ist, trotzdem ferner über unsere neuerliche Anfrage seitens der genannten Rabbiner die Auskunft erteilt wurde, daßjjedes einzelne zur Versendung an uns gelangte Faß einer geirauen Analyse unterzogen worden ist, obwohl wir seitdem kein anderes Oel erhalten und verwendet haben und trotzdem schließlich infolge der besonderen Bezeichnung unserer Oelfässer eine Verwechslung ausgeschlossen ist, haben wir uns zufolge der erwähnten Gerüchte veranlaßt gesehen, eine Klärung herbeizuführen. Wir haben daher eine Analyse des bei uns in Verwendung stehenden Oeles durch die staatliche Allgemeine Untersuchungsanstalt für Lebensmittel veranlaßt und hat die genaue, auf exakte wissenschaftliche Methode gestützte Untersuchung ergeben, daß unser Oel reines Pflanzenfett ohne Beimengung irgendwelcher tierischer Bestandteile enthält. — Dasselbe Ergebnis haben die auf Veranlassung anderer Küchenbetriebe durch dieselbe Anstalt, sowie das chemisch-mikroskopische Laboratorium dqs Prof. Dr. Jolles, sowie die seitens des Rabbinates der israelitischen Kultusgemeinde Wien bei der Staatsgewerbeschule veranlaßte, unter Anwendung eines speziellen (sogenannten Bömerschein-Veri'ahrens) vorgenommenen Analyse gezeitigt. Sämtliche Proben wurden von dem zuständigen rituellen Aufsehern, die letztere persönlich von seiner Ehrwürden Herrn Rabbiner Meier Mayersohn entnommen. und den Leitern der erwähnten Institute übergeben. Obwohl die Befunde der hervorragendsten Laboratorien vollkommen ausreichten, um jeden Zweifel an der Kaschruth des Oeles auszuschließen, wurde überdies das Gutachten des eingangserwähnten privaten Laboratoriums, welches Anlaß zu den beunruhigenden Gerüchten gegeben hat, der Allgemeinen Untersuchungsanstalt für Lebensmittel und dem in thoratreuen Kreisen großes Ansehen genießenden Herrn Dr. der Chemie Siegmund Silberstein zur Ueberprüfung vorgelegt. Die uns zugekommenen Entscheidungen lauten übereinstimmend dahin, daß das Gutachten einer Kritik nicht standhalten kann und vollständig haltlos ist. Bei dieser Sachlage hat das Rabbinat der israelitischen Kultuägemeinde Wien das Oel als vollkommen einwandfrei anerkannt und den bezüglichen Hechscher öffentlich verlautbart.