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Israelitische Annalen · 1840-03-27 · Heft 13 (27.3.1840) · p. Seite 120

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 13 (27.3.1840)
Date
1840-03-27
Page
Seite 120 (sequence 8)
Language
German
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Man nehme das erste beste Stück. Z. B. das, welches die Hasmonäer betrifft: „Ich preise dich, daß du mir gezürnt, und dich wieder besänftigt hast, (22/m!) Du hast.meineFeindinn aber wie Stoppeln im Sturm verwehet. (Hat je der Wind Stoppeln verweht?). Ich beachte (nr2N) und gedenke die Tage der Vorzeit, waS mich betraf durch die, im Gottesbuch verzeichnete. blutige Schuld; die Vorfälle will ich verkünden ohne Lässigkeit (□"!->!< joy). Erzählen will ich die Leiden des rachsüchtigen Antiochus (seine Leiben?)." — Man vergleiche den Ten. S. 15. Das Haupt ließ er abziehen mil dem Mordzeug. (Was heißt hier abziehen?) — S. 18. Darum werden sie dich verzehren, wie ein Feuerheerd (!) — S. 19. Die Jünglinge mögen Diener sein in deinem Hause. (Hier ist innDlfi'D ausgelassen, auch "nmiy nicht richtig übertragen.) Man vergleiche andere Stellen: z. B. 120. Sie (Esther) ließ ihn (Haman) holen, um für ihn die Gluth zu schüren. (DieS hat keinen Sinn, die Anspielung des Textes auf Prov. XXV. 22. giebt einen andern Sinn). Das. Er sann und errichtete einen Pfahl, um daran zu schlagen ihn, der über die Lehre, die ein Baum des Lebens ist, fleißig sann; er beschloß uns den bittern Kelch zu reichen u. s. w. Hier enthält das Deutsche: sa n n (als Wortspiel?) wo im Text zwei verschiedene Ausdrücke sind, dagegen ist das Wortspiel py nicht beachtet, wodurch die ganze Paraphrase matt geworden. Und wo steht uns? — S.135. Es bürstet unsre Seele die Schwelle deines Tempels zu betreten, (im Text -jm2 i^mDD). S. 138. „Was deine Lippen Lauteres gesvrochen, was du (nämlich Gott) in prophetischen Gesichten geredet. Deine gute Verheißung blieb nicht aus, wie du es von je zugesichert." (Weit klarer der Text. In solcher Verbindung lst sicherlich das in prophetischen Gesichten (p]n) reden, nicht der geeignete Ausdruck). S. 184. „Am fünften Tage ließ der Ewige hurtig (!) wimmeln des Meeres Fische u. s. w. Auch in der Zukunft wird der hervorquellende Bach anwachsen, von des Meeres Fischen überfüllt sein en seinem Lauf, und alles Leiblich-Lebende, wovon er wimmelt, wird heilig sein." — Man vergleiche den Text, und wird dann leicht inne, wie der Reimzwang und manche Anspielung, so hier wie sonst häufig, Ausdrücke Hervorrufen, welche in der Uebersetzung höchst schroff und lächerlich lauten, welche daher in einer paraphrasirendenUeberlragung entweder nicht beibehalten werden dürfen, ober erläutert werden müssen. Letzeres geschieht auch mitunter. Was soll aber der Nicht-Kenner mit all den abergläubischen oft höchst kindisch und lächerlich sich ausnehmenden Noten machen, die hier ohne alle Rechtfertigung oder sonstige Anleitung überall hingestellt werben? Sind sie, was der Wortsinn saget, so hat der Uebersetzer an einem Werke gearbeitet, welches den Menschenverstand durchweg verleugnet. Sind sie aber symbolisch zu deuten, so mußte Anleitung dazu gegeben werden. Auf keinen Fall hat also die Uebersetzung einen andern Erfolg zu erwarten, als völlige Verwerfung dieser Lieder und Betrachtungen in liturgischer Hinsicht, und Geringschätzung derselben von Seiten ihres ethischen Werthes. Höchstens also dielet sie dem Gelehrten, welcher mit der Sprache nicht fertig werden kann, eine kleine Erleichterung! Dazu genügte ein einfacher Commentar sind die Nachweisung der Anspielungen! — Literarisch-Kritische Brieft. Gallizien, 14. Februar 1840. — Vor Kurzem erhielt ich bas Werk: Zuk Geschichte d.er jüdischen Poesie von Delitzsch (Leipzig. 1836). Mit ^Bewunderung sah ich die Reichhaltigkeit des Materials und die vielseitige jüdische Literaturkunde, welche bei einem Nicht-Juden zu den Seltenheiten gehört. Leider aber sind der Fehler und Irrungen, fast auf jeder Seite, so viele, daß ich um so mehr darüber erstaunte, als der Verf. sich auf Dr. I. Fürst beruft, welcher ihm unmittelbar beigestanden habe. NM hat zwar schon Geiger in der Zeitschrift m. S. 377—383. daS Buch genügenv recensirt und gewürdigt, und eine neue Kritik ist dadurch fast überflüssig, zumal da es nicht unsere Absicht sein kann des Verf. Leistungen zu verkleinern, welcher vielmehr öffentlichen Dank verdient; da inbeß vet~ schiebene wichtige Fehler weiter fortgepflanzt werden mochten, was der Wissenschaft Eintrag thun würbe, so halte ich eS für Pflicht, sie aufzudecken. und rechne darauf, daß der Verf. selbst dieß gut aufnehmen und der Wahrheit die Ehre geben werde, so wie ich gern bereit bin, wenn Hr. D. seine Behauptungen rechlfertigen kann, meine Kritiken zurück zu nehmen. Denn die Wahrheit allein ist mein Ziel *). 0. 55. werden zwei verschiedene Gelehrte, Isaak Luria (geb. 1534), der Kabbalist ChK genannt), und Jakob Mo- Itn (THriD/ gest. 1426) als eine Person gesetzt. Nur der letztere hat die Melodien zu den hohen Festen gemacht, nicht der erstere, wie S. 56 steht. S. 196 wird die Stelle des Thalmud angeführt, wo dargestellt wird, daß der 15te Ab ein Festtag war, an welchem die Frauenzimmer im Freien tanzten u. s. w. Hier heißt es bei Del, Anm. 2: „Statt (mit goldenem Geschmeide) lies't Ulla: nXT2 (mit Hochachtung)." Dieß ist ganz und gar irrig, denn ist ein Stadtname, womit Ulla zudenamt wird, und der Ausdruck hier mTY>2 iOiy gehört gar nicht zum Vorhergehenden, sondern zu der folgenden Periode von ganz anberm Inhalte. Ulla Biroah kommt noch öfter vor. (0.7. y. EsmnVlD)* Doch Fehler dieser Art will ich nicht hervorhcben, um nicht des Buches Werth heradzusetzen, vielmehr will ich manche Urtheile bekämpfen, da wo er den Zustand der Literatur schildert. Zunächst entbehrt das, was er slavische Schule nennt, durchaus alles Grundes. So z. B. behauptete er: Isaak Satanow hätte zuerst die neuere Dichtungsweise begründet und die alte Sprache in ihrer Reinheit hergcstellt (115 und öfter), und bringt die Sprüche Asaph's zum Beweise. Allein Jedermann kennt den Geist dieses Schriftstellers, welcher in allen seinen Büchern nur darnach strebte, bald diesem bald jenem Vorgänger in seinem Style nachzuahmen, als im piy-fldem Charisi, und in den „Sprüchen" der Proverbien/wie jeder aus der Vorrede und den fingirten Approbationen ersehen kann. So wenig wie man den M CH. Luzzato (von dessen Werken schöne Proben in vioo. luiitim 1825 u. 26 stehen), den Neu-Begründer der hebr. Sprache nennen kann, eben so wenig paßt dieß auf jenen. — (Forts, folgt.) *) Wir können indessen nicht umhin, geradezu zu rügen, baß Herr Delitzsch in den jetzt gar zu häufigen Fehler verfällt, sich mit fremden Febern zu schmücken, und die Gerechtigkeit fordert, daß man jedem das Seine vindicire. In seinem Werke hat er mehr den 60 mal geradezu aus Zunz Gottesdienst!. Vorträgen geschöpft, aber nur einigemal nennt er seine Quelle. Alles was dort, S. 32—40 gesagt ist, gehört dieser Quelle an. Mit Unrecht rühmt daher Grässe in der Liter. Gesch. B. 2. S. 425 den großen Fleiß des Verfassers, während er nur abgeschrieben hat, was er fremdem Fleiße verdankte. Noch tadeknswerther erscheint es, wenn Herr Delitzsch in der Derrebe (Xu) sagt, es gäbe keine Vorarbeiten, und er habe keine vor sich gehabt. — Wir würden auch anderweitige Adschreibereien und Mißbrauch von Privat-Mittheilungem womit manche den Schein der Selbstforschung annehmen, hierbei aufzudecken Veranlassung finden, wäre es nickt ein stehender Grundsatz der Annalen, von allem, was die Literatur entwürdigt. gern abzusehen, in der Erwartung, daß dergleichen Unredlichkeit zuletzt sich selbst entlarvt und Sachkennern Anlaß giedt, die ächten Quellen aufzusuchen. D. H. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.

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