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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-04-01 · Heft 14 (1.4.1892) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 14 (1.4.1892)
Date
1892-04-01
Page
Seite 168 (sequence 12)
Language
German
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168 Sprechsaal. Hochgeehrter Herr Redakteur! Qux Beantwortung der Frage: „Welche Hilfskräfte sind dem von Baron Hirsch ernannten Generaldirektor zur Organisation der jüdischen .Kolonien in Argentinien erforderlich," gestatte ich mir folgende Vorschläge zu machen. 1. Ein intelligenter, tüchtiger und erfahrener Landwirth, der zugleich bewährter Fachmann auf dem Gebiete der Kolonisation ist. Auf einen ji'ldischen Landwirth, welcher als hervorragender Kolonisator von kompetenter Seite anerkannt ist und dessen Kolonien zu besuchen ich Gelegenheit hatte, habe ich vor einiger Zeit unter Vorlegung genügenden Materials den Vorsitzenden des Hamburger Komitees, Herrn M. W. Hinrichsen, aufmerksam gemacht, welcher wohl dieser Frage noch näher treten wird, um eventuell diese Angelegenheit deur Baron Hirsch resp. dessen Generaldirektor zu unterbreiten. 2. Ein angesehener, gebildeter, religiöser, russisch-jüdischer Kaufmann (womöglich auch Landwirth) als Vertrauensmann seiner Landsleute und Beirath des Generaldirektors in Organisations- und Verwaltungsfrageu. 3. Ein wissenschaftlich gebildeter, der russischen, deutschen uitb englischen Sprache mächtiger Rabbiner, der in Rußland amtirt hatte und bei den russischen Glaubensgenossen geniigende Autorität besitzt, wie beispielsweise Dr. Philipp Klein, Rabbiner, New-Aork, den frühern Rabbiner der jüdischen Gemeinde zu Libau (Rußland). Dem Rabbiner würde auch die Organisation des Schulwesens obliegen. In: klebrigen halte ich für zweckmäßig: 1. Daß in der ersten Zeit nur solche russisch-jüdische Auswanderer zur Ansiedlung in Argentinien angenommen werden sollten, welche an schwere körperliche Arbeiten bereits gewöhnt sind, was fest zu stellen die Aufgabe eines in der russischen Grenzstadt Kowno zu gründenden Kontrolkomitees sein müßte, welches über die bisherige Beschäftigung, Aufführung und Verhältnisse eines jeden Bewerbers Erkundigungen einzuziehen hätte, mit dies an das Komitee in Hamburg zu berichten. Erst nach erfolgter Zustimmung des letzteren Komitees dürften die Auswanderer die Reise nach Argentinien von ihrer Heimath aus antreten. 2. Daß zur Förderung der Kolonisationssache ein „Verein zur Ausbildung russisch-jüdischer Landwirthe", etwa mit dem Sitze in Breslau, gegründet wird, der sich zur Aufgabe machen sollte, intelligente, wohlhabende, russisch-jüdische junge Leute als landwirthschaftliche Eleven, sowie gut empfohlene, kräftige, russische Juden der Arbeiterklasse als Arbeiter auf den jüdischen Landgütern in Deutschland und Oesterreich- Ungarn unterzubriugeti. Von den betreffenden Negierungen würde sicherlich der zeitweise Aufenthalt der Genannten auf Landgütern gestattet werden. 3. Daß die Einwanderer nicht gleich nach ihrer Ankunft in Argentinien selbstständig angesiedelt werden, sondern daß sie zuerst auf größeren Kolonisationsgütern als Arbeiter beschäftigt werden und nur nach Absolvirung einer gewissen Lehr- und Probezeit jedem eine seiner Tüchtigkeit und Leistungsfähigkeit entsprechende Parzelle Land zur Selbstbewirthschaftutrg übergeben wird. Fraustadt bei Posen, den 22. März. Dr. S. Papilsky- Geehrter Herr Kollege! Der verdienstvolle Biograph von Moses Mendelssohn behauptet in einer Zuschrift an Sie, der von mir erwähnte Brief des Philosophen an seine Braut, den ich in der gemeinten Lebensbeschreibung Kayserlings vermißte, befände sich auf S. 122) wörtlich mitgetheilt. Wie gern ich auch Herrn Rabbiner Dr .Kayserling gefällig bin, so bedauere ich, ihm diesmal nicht Recht geben zu können. Wer die Schrift „Moses Mendelssohn"! von Dr. M. Kayserling (1862) durchblättert und S. 123 ff. liest, wird j sich von der Wahrheit meiner Behauptung überzeugen. Wohl aber ist j der betreffende Brief, wie ich mich soeben überzeuge, in der zweiten Auflage! enthalten, und darin lese ich die Bemerkung Kapserlings, daß Tr. Adolf Jellinek es war, welcher das Schreiben, den Brief zum ersten! Mal v e r ö f f e n t l i ch t h a b e. Der Herr Rabbiner b e st ä t i g t also ledig-! lich meine Angabe. — Deshalb übrigens „keine Feindschaft nicht!" Berlin, 25. März. Ergebenst Dr. Adolph Kohut. Sehr geehrter Herr!; Dem Berichte in Nr. 13 der Ztg. d. Judenth. zufolge bemerkte der Herr Abgeordnete Dr. Enneccerus zu der Rede des allerneuesten Sternes am antisemitischen Himmel, sie wolle den Schein erwecken, „als ob die Juden heute noch den Ritualmord üben". Die Worte „heute noch" legen den Schluß gar zu nahe, als ob die Juden zu irgend einer Zeit den „Ritualmord" geübt hätten. Und wenn auch katun anzunehmen ist, daß Herr Dr. Enneccerus seinen Worten diesen Sinn hat beilegen wollen, so wäre es doch wohl gut gewesen, auch bei dieser Gelegenheit das Selbstverständliche zum so und so vielten Male zu wiederholen, daß zu keiner Zeit und an keinem Orte, und sei es der entlegentste und finsterste Winkel der Erde, einem Juden ein „Ritualmord" auch nur denkbar gewesen sein konnte. Ich wollte nicht unterlassen, Sie auf die Worte „heute noch" aufmerksam zu machen. Es ist durchaus nothwendig, noch nachträglich gegen den Schluß, der aus denselben gezogen werden könnte, Verwahrung einzulegen. Hochachtungsvoll Berlin, 27. März. Dr. S. 5k. Miscellen. * Schalet. In Nr. 1 Ihres geschätzten Blattes fand ich auf der 2. Seite des Umschlages eine Bemerkung über den Ursprung des Wortes Schalet. Schon vor mehreren Jahren sprach ich mit meinem Bruder, Religionslehrer Isaak Schereck in Posen über dasselbe Wort, und sagte mir derselbe Folgendes: Schalet ist ganz einfach die Uebersetzung des Wortes pEi"!- In der Stelle pftnrifiK heißt dieses „gewärmtes Essen". Warm ist im Lateinischen calidus. Das c des calidus ist in den romanischen Sprachen in eh verwandelt, so im Französischen cliaud (Ghalons), und so mag wohl aus calidus — Schalido geworden sein, woraus sich später das Wort Schalet bei unfern Glaubensgenossen eingebürgert haben mag. Max Sch er eck. * Huxlep über die Juden. Der Redakteur von „Darkest Russia" veröffentlicht in der letzten Nummer seiner Zeitschrift die nachstehende interessante Zuschrift des großen englischen Naturforschers, Professors T. H. Huxlep: London, 14. Februar 1892. Geehrter Herr! Soweit die Juden in Frage kommen, bin ich voll und ganz Ihrer Ansicht. Nie habe ich vernommen, daß sie etwas Anderes, als ein fleißiges, sparsames und nüchternes Volk, frei von allen politischen Bestrebungen seien. Ihr wirkliches Vergehen liegt, wenn ich nicht irre, in der Thatsache, daß sie, im Besitze dieser Vorzüge, es nicht vermeiden köttnen, es weiter zu bringen als das faule, leichtsinnige, trunkene Volk, unter welchem sie leben. Es verstößt gegen das Interesse des Menschengeschlechts, daß unsere Mitmenschen ihrer Tugenden wegen Strafe erleiden sollen, und ich glaube nicht, daß die Russen sich über unbefugte Einmischung in ihre Angelegenheiten beklagen dürfen, wenn Ausländer ihnen die Wahrheit sagen. Was die Verfolgungen der Stundisten und römischen Katholiken betrifft, so bin ich darüber zu wenig unterrichtet, um mir ein Urtheil erlauben zu können Hochachtungsvoll Ihr T. H. Huxlep. * Vor einiger Zeit hatte der Antisemit L i e b e r in a n n v o n Sonnenberg in das Fremdenbuch der sagenreicheu Burg Weibertreu! bei Weinsberg geschrieben: „Bald reiten in mächtiger Schaar wir an, Wir dulden nichts Laues, nichts Halbes, Erlösen die Herzen von hartem Bann, Vom Dienste des goldenen Kalbes!" Nun hat sich an jenem idyllischen Ort ein poetischer Streit entwickelt, dessen Kämpfer die Reiterschaar des Herrn Liebermann nicht zu fürchten scheinen. Man liest neben seiner schrecklichen Drohung: „Wie oft riefst Du selber, o Liebermann — Oder hast Du es ganz vergessen? — Die Priester des goldenen Kalbes an, Wenn Du in der Patsche gesessen? So wenig wie sie, die mächtige Schaar, Ihr Geld wird je wieder kriegen. So wenig wirst Du — 's hat keine Gefahr — In dem Kampf gegen Windmühlen siegen!" Truck und Verlag von Rudolf Moffe m Berlin. Verantwortlich sür die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin. 56. Ja! Ko * B auch der bie Räm gezogen, entschied, Kultusm bot, dazi Zeichnen. Ich neh: Boden 1 Bekenntn als ich meiner S nicht v Bürgscha ''assung c Lebhafte unserer christliche chrvorleu Bewegun chchlachtf * B! ndischc entnehme m einer hofteitcutj sind fit: ch'eifespeß nie Mit Komitee als Lokal kilhre wi: ur. 73, w Rädchen aaltenen i bericht, ‘ocr jüdis, chrhl seu Beiträge! 2,733.1c ul auf a --ein Stif 1 reife ge: . ersamm! Bei erdentlick 'mttgefur 1891 Be: io wie -Ragine meiube; Statut i 'nllschaft nendenz »nt Rat

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