Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1893)
- Date
- 1893-04-14
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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171 die Cholera, ldig warten, t Und das die Pest ja iter kann sie Sendung zur verschwindet anze Kultur linde und bic umenten zu . Wer aber ichkeit folgt ist nicht zr Han muß ge ich von selber \\\ man dn ,r die Unter lange schon )eint. Wac Und wenn er Vernunft rität würdi . aber ein» en. Wenn imus ver :n Grund Männerr ischast ode> :delleutei :ie Wirkung »ei. Geradie haben je n vornehm ihre Tradi .fer wieder des großer esen Protei hrhunderter ) einen ode »re vor der n, das all ankheil de;egebm, \[ ren gehen icht gerad Dokumen , 9. April, iebt es de ienommeii' über di« llle uriserr klnlasse ge ausgehend Festgottes gasse ftatl stand, dn geladen, lchor hieligewählten Geehrter Herr Doktor! Das Fest, welches jetzt seinem Ende naht, dürfen wir als das Fest eer Hoffnung bezeichnen. Harmonisch reiht sich der Stimmung dieses Festes die Feier Ihrer 'Einführung als Rabbiner dieser Gemeinde an. Voll Hoffnung begrüßt die Gemeinde ihren neuen Lehrer und Prediger, hoffnungsvoll übernehmen Sie Ihr neues Amt. Die Gemeinde ist nach Ihrer bisherigen Wirksamkeit und Ihrem »Charakter von Ihnen Treffliches zu erwarten berechtigt. Sie haben sich m hohem Maße die Liebe und Anhänglichkeit Ihrer Gemeinde erworben, ^ie haben sich der Hochachtung weitester Kreise Zu erfreuen gehabt, chnen ist Anerkennung von den Vorgesetzten Behörden und selbst von sechster Stelle zu Theil geworden. Sie sind für die Wahrheit eingereten, insbesondere wo es galt, Zeugniß abzulegen für die Religion und hre Bekenner. Sie sind duldsam und gerecht gegen Andere und achten ede Ansicht, sofern sie auf Ueberzeugung beruht. Soweit ich Ihren Charakter zu beurtheilen vermag, suchen Sie nicht den Kampf und naben keine Freude an einem solchen; Ihre Mission ist vielmehr die des Friedens. In Ihrer Gemeinde ist der Frieden nach innen und außen rhalten geblieben. Daß das Land, dem Sie bisher ihre Kräfte weihten, fast frei gerieben ist von jener „Schmach des Jahrhunderts", welche leider mehr md niehr Verbreitung in unserem Vaterlande findet, ist in erster Reihe er Hochherzigkeit seines Fürsten, aber auch nicht zum geringen Theil , er Wirksamkeit, der Lehre und dem Beispiele des religiösen Führers er Gemeinde zu danken.; Voll Hoffnung treten Sie Ihr neues Amt an. Nicht Eitelkeit und wchmuth, auch nicht Ehrgeiz haben Sie veranlaßt, eine Stellung ausugebeu, welche Ihnen so viele Freude und Anerkennung verschafft hat; ein, die Hoffnung leitet Sie, in einem größeren Wirkungskreise Ihre :raft zu entfalten und noch tiefer in die Wissenschaft einzudringen. Unsere Gemeinde hat — abweichend von früheren Gepflogenheiten — mch solche Männer zu Rabbinern gewählt, welche noch nicht auf wohlverdienten Lorbeeren ruhen können, vielmehr in männlicher, frischer Kraft Arten und streben, im Lehren lernen und mit den höheren Zielen und üffgabeu selbst wachsen. Wir haben allen Grund, uns der gemachten! Erfahrungen zu freuen. Leicht ist die Aufgabe nicht, welche Sie übernehmen. Oft hat man den Vorschlag gemacht, für jede Synagoge, ür jede religiöse Richtung in der Gemeinde einen oder mehrere Rabbiner mzustellen. Die Gemeinde-Behörden haben dagegen den Grundsatz der Einheit er Gemeinde festgehalten; jeder Rabbiner soll Führer der Gesammtemeinde sein. Alle Mitglieder der Gemeinde streben Einem Ziele zu, nr die Wege weichen bisweilen von einander ab. Des Gemeinsamen ü so viel, daß dem Prediger, welcher warmherzig und überzeugungsvoll ie Wahrheit kündet — gleichviel in welcher Synagoge — der Dank einer Hörer nicht fehlen wird. Ihnen, verehrter Herr Doktor, fällt noch eine besondere Aufgabe u — der Unterricht der Jugend — nicht als ausschließliche Domäne, nur legen hohen Werth auf einmüthiges Zusammenwirken aller Herren Aabbiner), aber doch als vorzugsweise Thätigkeit. Man hat uns den Vorwurf gemacht, daß wir für den Jugendunterricht zu wenig gethan oben Dieser Vorwurf ist nicht ganz begriindet. In meiner Knabenzeit onr es nichts Seltenes, daß der Vater seinem Sohne Religionsunterricht rtheilte, und wo er dieser Pflicht nicht obliegen konnte, gab das Beispiel er Eltern und der religiöse Sinn, welcher das Haus beherrschte, der Tugend Anregung. Diese Durchdringung des Lebens mit der Religion nrd wohl nur noch in sehr wenigen Familien anzutreffen sein. Um so mehr ist das Bedürfniß eiugetreten, daß die Gemeindebehörden für einen ^gemessenen, den Anforderungen unserer Zeit entsprechenden Religionsmtterricht Sorge tragen. Die Gemeinde hat sich dieser Aufgabe nicht erschlossen; zwei Religionsschulen sind gegründet, der Jugend-Gotteslenst hat erweckend und belebend gewirkt; wohl aber wissen wir, daß; -vir bezüglich des Jugendunterrichtes noch mehr leisten müssen, und gerade » - ies hat uns bestimmt, vorzugsweise für diesen Theil der Belehrung eine j neue hervorragende Kraft heranzuziehen. j Dieser Zweig Ihrer künftigen Thätigkeit wird manches Opfer und j manche Entsagung erheischen; allein der Jugend gehört die Zukunft, und > mer sich mit Herzenswärme ihrer Belehrung hingiebt, gründet sich eine j Gemeinde. I Wie herrlich ist das Bewußtsein, die Keime des Edlen und Erhabenen in den jugendlichen Gemüthern gepflegt und die Jugend begeistert zu haben für Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden! Je größer die Aufgaben sind, welche Ihrer harren, desto mehr Befriedigung werden Sie empfinden in der ßetrcueu Erfüllung derselben. Verehrter Herr Doktor! Mit Hoffnung und Vertrauen komme:! Ihnen die Gemeindebehörden entgegen; sie haben es durch ihre eimnüthige Wahl bewiesen. Wir bezweifeln nicht, daß auch Ihre Amtsbrüder Sie mit kollegialiseher Gesinnung begrüßen und bestrebt sein werden. Ihnen Ihre Aufgaben zu erleichtern. Wenn aber auch die Gemeindebehörden dem Berufenen die äußere Stellung geben können, so muß doch das Vertrauen und die Liebe der Gemeinde durch das eigene Thun erworben werden, und Sie werden zu diesem Ziele gelangen, wenn Sie auch ferner unbeirrt und furchtlos der Wahrheit die Ehre geben, Duldung und Gerechtigkeit üben und nach allen Kräften Frieden zu stiften bestrebt sein werden. Mit dem Wunsche, daß die Hoffnungen sich erfüllen, welche sich an Ihren Eintritt in unsere Genieinde knüpfen, führe ich Sie Namens des Vorstandes hiermit in Ihr Amt als Rabbiner und Lehrer der Gemeinde ein. Hierauf anwortete Herr Tr. Weisse folgendermaßen'. Hochgeehrter Herr Justizrath! Ich danke herzlichst für die naehsiehtigen und wohlthuenden Worte der Begrüßung, die Sie an mich zu richten die Güte hatten. Ich bin mir der hohen Ehre und schweren Verantwortlichkeit wohl bewußt, die ich in dieser Stunde übernehme, doch der Glaube an Gottes Beistand, der mich, seitdem ich bin, bis auf diesen Tag nicht verlassen, erfüllt die zagende Seele mit der Hoffnung, daß mein heißes Sehnen: Gott und Israel zu dienen, auch hier des Segens nicht entbehren werde. Es wird mein inniges Bemühen bleiben, das Vertrauen, das mir die hochgeschätzten Behörden dieser Gottesgemeinde durch ihre Wahl erwiesen haben, zu rechtfertigen, indem ich stets bestrebt sein will, inein Amt im Geiste unseres heiligen Glaubens und im Geiste der Zeit, in Frieden und Versöhnlichkeit aufzufassen und durchzusühren. Wollen Sie mir hierbei Ihre wirksame Theilnahme und Ihren bewährten Beistand nicht versagen, da nur so eine für die Gesammtheit erspießliche Thätigkeit möglich ist. Ich habe eine Stätte gesegneter Wirksamkeit und warmer Am erkennung verlassen und bin hierhergekommeu, um zu lehren und auch zu lernen. Zu lernen von den Männern, die sich bewährt in Weisheit und Erfahrung, deren diese Gemeinde eine große Zahl zu besitzen das hohe Glück hat. Zu lehren, was meine innerste Ueberzeugung, Alles unter dem Spiegel des Göttlichen zu prüfen, und nach der Lehre, nach bestem Gewissen und nicht nach Beifall und Gefallen zu beurtheilen. Ich schließe mit dem innigen Wunsche, daß Gott alle Glieder dieser Genieinde segnen, ihren Bestrebungen zur Förderung des Göttlichen und Guten seinen allgütigen Beistand leihen und auch mir die Kraft und das Glück schenken möge, zum Heile und Wohle dieser altehrwiirdigeu Gemeinde erfolgreich wirken gu können. — Dann werden alle Hoffnungen, die ich an die Uebernahme meines neuen Amtes knüpfe, erfüllt sein; das ist mein einziges Gebet in dieser ernsten heiligen Stunde. Amen. Am darauffolgenden siebenten Passah-Tage hielt Herr Dr. Weisse seine Antrittsrede, ankniipfend an das Tertwort aus dem Hohenliede: „Ich gehöre meinem Freunde unb mein Freund gehört mir an." Die Rede schloß etwa mit folgendenr Appell: „Vor etwa 150 Jahren wurde, auch ans Dessau, Rabbi David Frankel als Rabbiner nach Berlin berufen; es war ihm das hohe Glück beschieden, einen Schüler für das Judenthum zu erziehen, der noch heute unser Aller Stolz und Zierde ist: Moses Mendelssohn. Das ist auch mein Wunsch, mein Gebet in dieser Stunde: Möge es mir gleich ihm vergönnt sein, Hörer, Schüler zu gewinnen, die warm und treu zu ihrem Jndenthum stehen, die es lieben, weil sie es verstehen und kennen, und die durch edlen, rechtlichen und bescheidenen Wandel vor Gott und Menschen dem jüdischen Namen zur Ehre gereichen — Und Der, in dessen Namen wir uns hier geeint. Er lasse dem Bunde seinen reichen Segen angedeihen, den Er mir uns und unseren Vätern, und auch dem, den wir mit einander geschlossen haben." d