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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-07-29 · Heft 30 (29.7.1898) · p. Seite 353

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 30 (29.7.1898)
Date
1898-07-29
Page
Seite 353 (sequence 5)
Language
German
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353 Borfitzende begrüßt Herrn Th. OschinSki-Breslau, der alS Delegirter des D. - I. G. - B. erschienen ist und an der Versammlung Theil nimmt.) Alexander-Breslau weist den Dank des Vorsitzenden zurück und betont, daß er habe zeigen wollen, wie auch Mädchen einen tieferen Einblick in die Wahrheiten der Religion erlangen könnten. Max Graf- Breslau erbietet sich hierauf, im nächsten Jahre eine Probelektion zu halten. 5. Die Gründung einer Unterstützungskasse durch den Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche. Herr Bernhardt-Tarnowitz berichtet nach dem als Manuskript gedruckten Statutenentwurfe etwa Folgendes: Außer den Zinsen des eisernen Fonds sollen Lehrer und Gemeinde zu einem Beitrage beisteuern, der als Prämie für eine Rentenversicherung zu dienen habe, die Kasse soll nämlich als eine Rentenversicherung aufgefaßt werden, und die Höhe der von den Beitragspflichtigen aufzubringenden Beiträge solle sich nach dem Alter des zu Versichernden richten. Daher sollen auch die Lehrer nach ihrem Atter in zwei Klassen getheilt werden, nämlich in solche bis zum 40. Lebensjahre und in solche, die dieses Alter überschritten haben. Als Penfionssatz sollen vorläufig 600 Mark jährlich gelten. Uebrigens bemerkt der Berichterstatter, daß noch lange Zeit vorübergehen könne, ehe die Kasse ins Leben treten würde, da die Genehmigung derselben und ihrer Statuten die verschiedenen Instanzen durchzumachen hätte. Dazu kämen noch die verschiedensten Rückfragen, deren Beantwortung und Billigung von Seiten der betreffenden Geschäftsstellen wieder eine lange Zeit in Anspruch nehmen würde. Eine Debatte über diesen Bericht findet nicht statt, jedoch macht der Vorsitzende auf die innerhalb des Vereins bereits bestehende Unterstützungskasse aufmerksam und ermahnt im Interesse der Lehrer zu einer regeren Betheiligung an derselben. 6. Wahl der Delegirten für den Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche und Antrag, betreffend Reiseentschädigung für dieselben. Nachdem der zweite Theil des Gegenstandes vorweg zur Berathung gestellt worden ist, giebt Herbst-Liffa die Entstehungsgeschichte der Anfrage des Verbands-Vorstandes, ob der Verein gewillt sei, für die Reisekosten der Delegirten ein Pauschquantum an die Verbandskasse zu zahlen oder diesen selbst die Reisekosten zu vergüten. Die Frage sei vornehmlich aus den mißlichen Vermögensverhältnissen hervorgegangen, die es dem Verband nicht gestatteten, über die nothwendigsten Ausgaben hinauszugehen. Er beantrage daher, die Delegirten auf Kosten des diesseitigen Vereins zu entsenden. Dem gegenüber stellt Dr. Brann-Breslau den Antrag: „Da der Verband nicht im Stande ist, die Reisekosten der Delegirten zu tragen, so soll der Verein diesmal die Kosten übernehmen, jedoch anstatt zwei Delegirte, die ihm nach seiner Mitgliederzahl zustehen, nur einen mit doppeltem Stimmrecht entsenden." Gegen den letzten Theil dieses Antrages erklärt sich Dr. Badt und wünscht zwei Delegirte. Dieser Meinung schließen sich Graf I-Breslau und Brock-Hirschberg an, während Dr. Guttmann-Breslau, der sich auch für zwei Delegirte ausspricht, die Bestimmung hinzufügt, daß aus einer zu bewilligenden Pauschalsumme die Kosten gedeckt werden. Alexander- Breslau beantragt, die Kosten für die Delegirten abzulehnen, da er nicht wisse, woher der Verein die Mittel nehmen solle, wenn er diese nicht anderen Zwecken entziehen wolle. Herbst-Liffa stellt fest, daß die Kosten nicht so bedeutend seien, und beantragt, zwei Delegirte, und zwar auf Kosten des Vereins, zu entsenden. Der Kassirer, Dr. Samter-Breslau, stellt gegenüber Alexander fest, daß der augenblickliche Stand der Kasse dem Verein es wohl möglich mache, zwei Delegirte auf seine Kosten zu entsenden. Hierauf gelangt der Antrag des Herrn Dr. Brann-Breslau zur Annahme, nach welchem zwei Delegirte, jedoch mit einer Pauschalsumme, entsendet werden sollen. Dr. Brann-Breslau schlägt nun die Herren Dr. .Guttmann und Dr. Badt zur Wahl als Delegirte vor. Der Erstere lehnt jedoch die Wahl ab, und zwar aus dem Grunde, weil man bei der ersten Delegirtenversammlung zur Feststellung der Statuten des Verbandes den Rabbinern das aktive Wahlrecht nicht gewährt, fie also nicht gleichberechtigt mit den geprüften Lehrern erachtet habe. Dem gegenüber weist Dr. Badt-Breslau die von einem Theil der Lehrer gegen die Rabbiner erhobenen Angriffe mit Entschiedenheit zurück und bittet die Versammlung, durch das Bestehen auf der Kandidatur des Herrn Dr. Guttmann ihrerseits zu bekunden, daß sie jenes Mißtrauen nicht theile. Graf II-Breslau bittet Herrn Dr. Guttmann, seine Ablehnung nicht aufrecht zu halten und eine auf ihn fallende Wahl anzunehmen. Diesem Wunsche schließt Dr. Brann-Breslau fich an und will durch die Wahl des Herrn Dr. Guttmann konstatirt wissen, daß der diesseitige Verein gerade die Rabbiner als seine geeigneten Vertreter in der Delegirten-Bersammlung betrachte. Nunmehr schlägt Brock-Hirschberg Herrn Jaeobsohn-Gleiwitz zur Wahl als Delegirten vor, während Tintner-Bunzlau die Kandidatur Badt-Guttmann festgehalten wissen will. Dr. Guttmann stellt den Antrag, anstatt seiner einen Volksschullehrer zu wählen. Während Jaeobsohn-Gleiwitz wünscht, daß Herrn Dr. Guttmann durch die Wahl ein Vertrauensvotum ausgedrückt werde, erklärt Brock-Hirschberg, daß er ein solches nicht für nöthig erachte, da ja Herr Dr. Guttmann von dem Verein nicht verletzt worden sei. Hiergegen erklärt Dr. Badt-Breslau, daß, wenn auch Herr Dr. Guttmann nicht persönlich, doch der Verein in Herrn Dr. Guttmann eine Kränkung erlitten habe, die durch die diesmalige Wahl dieses Herrn beseitigt werden müßte. Hierauf erfolgt denn auch die Wahl sowohl des Hrn. Dr. Guttmann als auch die des Hrn. Dr. Badt einstimmig, und beide Herren nehmen dieselbe an. 7. Zu dem Verbandsthema: Wie ist die jüdische Schule in Schlesien und Posen entstanden? Wie hat sie sich entwickelt? Was hat sie geleistet?" erhält das Wort Herbst-Liffa und giebt in der Einleitung dem Bedenken Ausdruck, daß, da ihm über die Schule der Provinz Posen zu sprechen die Aufgabe gestellt sei, an dieser Stelle eigentlich nicht der Ort sei, an dem das Thema behandelt werden dürfte, er wolle aber über diese formelle Frage hinweggehen und sich der Erledigung seiner Aufgabe unterziehen, er müsse fich jedoch auf das Nothwendigste beschränken. Der Vortragende entledigt sich nun seiner Aufgabe, indem er in gedrängter Kürze ein Bild der Entstehungsgeschichte, der Entwickelung und der Erfolge der jüdischen Schule in der Provinz Posen in wohldurchdachter Weise und gefälliger Form vor den Zuhörern entrollt. — Hierauf nimmt Tintner-Bunzlau als zweiter Berichterstatter das Wort, um dasselbe Thema in Bezug auf die Provinz Schlesien zu behandeln. Einleitend weist derselbe auf die Schwierigkeit der Aufgabe hin, da sie sich nur auf einen eng begrenzten Bezirk beziehe, und da sie weniger eine pädagogische als eine historische sei, die Behandlung des Themas hätte daher eher einem Historiker als einem Pädagogen zufallen müssen, dennoch wolle er sich der ihm gestellten Aufgabe nicht entziehen. Die reiche Fülle geschichtlicher Daten, die der Vortragende den Zuhörern vorführte, zeugten von dem Fleiße, mit dem er sich seiner Arbeit unterzog, andererseits gewährten die Bemerkungen, die an jene geknüpft wurden, mancherlei Anregung zu ernsteren Betrachtungen. Nachdem der Vorsitzende beiden Herren den Dank der Versammlung ausgedrückt hat, thut dies auch Dr. Brann-Breslau und geht auf einige Einzelheiten der Vorträge ein. Er zollt den Ausführungen der beiden Herren volle Anerkennung und bemerkt zu dem Vortrage des Herrn Tintner, daß es sehr zu bedauern sei, daß die Wilhelmsschule zu Breslau keine Nachahmung gefunden habe. Dies hätte aber an der Einseitigkeit der Schule und zum Theil an den Lehrern gelegen, die an derselben wirkten, da sie das Hergebrachte geradezu verabscheut hätten. Unter anderem wurde die Forderung des Etatsministers Hoym, daß auch der Talmud in der Gestatt gelehrt würde, mit Energie zurückgewiesen. Daher hätte die Schule vornehmlich bei den Gemeindemitgliedern, und nicht blos bei den Rabbinern, keinen Anklang gefunden. Von Seiten der Gebildeten wäre geradezu provokatorisch vorgegangen worden. Die Wilhelmsschule hätte bis zum Jahre 1848 bestanden, und die Fonds derselben würden jetzt in der Weise verwendet, daß unbemittelten Schülern durch dieselben Gelegenheit gegeben werde, eine erweiterte Bildung zu erlangen. Ferner bemerkt Herr Dr. Braun, daß Dohm nicht der Erste gewesen sei, der das jüdische Schulwesen gefördert hätte, dies habe vielmehr Hartwig Wessely gethan, der unter anderem durch sein Werk Dibre scholaum weemmes (Worte des Friedens und der Wahrheit) vornehmlich zur Gründung von Schulen beigetragen habe. Endlich bemerkt Herr Dr. Brann, daß das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau ursprünglich die Absicht gehabt hätte, auch Lehrer auszubilden. Diese wäre aber durch die Behörden vereitelt worden, die sich ablehnend verhalten hätten, wie dies auch in Bezug auf ein in der Provinz Posen neu zu begründendes jüdisches Lehrerseminar der Fall gewesen wäre. Dr. Wreschner-Samter weist auf den Kontrast zwischen , den beiden Referaten hin, indem er bemerkt, daß in dem zweiten weniger Geschichte als Betrachtungen über die religiösen Verhältnisse des verflossenen und des Anfanges dieses Jahrhunderts gegeben worden sei. Ellguther-Neisse konstatirt, daß die beiden Borträge nebst der Probelektion den Mittelpunkt der heutigen Verhandlungen gebildet hätten, er

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